Der Iran nutzt eine Taktik massiver kombinierter Schläge mittels Drohnen und Raketen, die die Armee der Russischen Föderation anwendet, wenn sie militärische und Infrastrukturobjekte der Ukraine angreift. Die russischen Gefechtserfahrungen hinsichtlich des Einsatzes kostengünstiger Drohnen haben auch die USA sich zu nutzen gemacht. Und Kiew hat bereits Washington seine Hilfe bei der Organisation eines Systems der Luftverteidigung für Objekte des Pentagons und dessen Verbündeten im Nahen Osten angeboten. Nicht ausgeschlossen ist gleichfalls eine Beteiligung ukrainischer Militärspezialisten am Krieg gegen den Iran.
Der Präsident der Ukraine, Wladimir Selenskij, hat die Bereitschaft signalisiert, die besten Spezialisten für ein Abfangen iranischer Drohnen in den Nahen Osten zu schicken, in dem Fall, wenn die Staatschefs der Region Russland davon überzeugen, einem einmonatigen Waffenstillstand in der Zone der militärischen Sonderoperation zuzustimmen. Er präzisierte, dass er bisher diese Idee nicht mit Vertretern des Westens und „anderen Staatschefs des Nahen Ostens“ erörtert habe.
Selenskij betonte, dass die ukrainischen Spezialisten für die Führung von Kampfhandlungen unter Einsatz von Drohnen bereit seien, ihr Wissen an die „Verbündeten – von Großbritannien und den USA bis Italien, Frankreich und Deutschland“ — weiterzugeben. Das ukrainische Staatsoberhaupt führte am 3. März bereits Gespräche mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, mit Muhammad bin Zayid Al Nahyan, und nach seinen Worten hätten die Seiten vereinbart, dass sie „daran arbeiten werden“.
Bisher aber riskiert die Ukraine unter Berücksichtigung des großen Kriegs im Nahen osten, ohne amerikanische Waffenlieferungen zu bleiben. „Die Ukraine kann mit Schwierigkeiten beim Erhalt von Raketen und Luftabwehrsystemen im Zusammenhang mit der Operation der USA und Israels gegen den Iran konfrontiert werden. Ich hoffe aber, dass die iranische Krise eine begrenzte Operation bleiben wird und nicht zu einem langwierigen Krieg ausufert“, erklärte Selenskij.
Doch nach Meinung von Experten beginne erst der Krieg im Iran. Nach Einschätzungen des Pentagons könne er mindestens vier bis sechs Wochen dauern. Um effektiv den Iran anzugreifen, setzen die USA unterschiedliche militärische Mittel ein, darunter jene, die denen analog sind, die Russland im Konflikt mit der Ukraine einsetzt. Wie aus offiziellen Angaben, die auf der Internetseite des Zentralen Kommandos der US-Streitkräfte gepostet wurden, und aus Publikation von Medien ersichtlich ist, haben die amerikanischen Militärs erstmals massiv mit den relativ kostengünstigen und zuverlässigen LUCAS-Drohnen mit in ihnen installierten Terminals für das satellitengestützte Netzwerk Starlink Schläge gegen den Iran geführt. Eine derartige Vorgehensweise nutzten früher die russischen Militärs, als sie militärische Ziele in der Ukraine unter Einsatz der „Geranie“-Drohnen vernichteten.
Die LUCAS-Drohnen bezeichnen Experten als einen amerikanischen Klon der iranischen Angriffsdrohnen Shahed-136. Den Shaheds sind auch die russischen „Geranie“-Drohnen ähnlich. Wobei gegenwärtig die iranischen Shaheds massenhaft Objekte des Pentagons, Israels und deren arabischen Verbündeten attackieren würden, betonte das amerikanische Blatt „Wall Street Journal“. Die Zeitung zitiert den früheren Mitarbeiter der militärischen Aufklärung Israels Danny Citrinowicz, der erklärte, dass der Charakter der Attacken des Irans „in Vielem die Taktik wiederholt, die durch Russland in der Ukraine angewendet wird“. Teheran akzentuiere die Schläge nicht nur auf Militärobjekte, sondern auch auf Objekte der kritischen Infrastruktur für das Verursachen eines wirtschaftlichen Schadens.
„Der Iran hat im Verlauf von vier Jahren beobachtet, wie Russland die Taktik weitreichender Schläge anwendet. Jetzt handelt er auf analoge Art und Weise“, erklärte der Berater des amerikanischen analytischen Zentrums Center fpr Naval Analyses Samuel Bendett. Er hob hervor, dass die Länder des Persischen Golfs einen Austausch von Aufklärungsdaten zwecks Nachverfolgung der Flugrouten der Shahed-136-Drohnen organisieren, aber auch gestaffelte Systeme für die Luftverteidigung, die in der Lage sind, Drohnen abzuwehren, schaffen müssten, die denen analog sind, wie dies in der Ukraine organisiert wurde, Die Frage nach einer Teilnahme ukrainischer Spezialisten am Konflikt im Nahen Osten ist offen, jedoch mangelt es auch Kiew an solchen Militärs.
Über Personalprobleme in der ukrainischen Armee informierte jüngst die Aufklärungsverwaltung der US-Armee. In ihrem Report betonte sie, dass „die Ukraine mit einer Verringerung der Anzahl an Männern im Einberufungsalter, mit Schwierigkeiten bei deren Ausbildung und mit der anhaltenden Abhängigkeit vom Westen konfrontiert wird, was die Fähigkeit Kiews verringert, die Militäroperation aufrechtzuerhalten“. Wie aus einem jüngsten Auftritt des neuen ukrainischen Verteidigungsministers Michail Fjodorow deutlich wurde, plant man in den bewaffneten Strukturen in der Ukraine, den Mangel an qualifizierten Kräften durch die Einführung eines Militärdienstes auf Vertragsgrundlage zu verringern. Woher dafür die Mittel genommen werden sollen, hatte der Minister nicht mitgeteilt, aber gesagt, dass „die Probleme mit der Mobilmachung die Auffüllung der Einheiten der Streitkräfte der Ukraine beeinflussen“. Im Zusammenhang damit sei nach Aussagen von Fjodorow geplant, mehr Menschen auf freiwilliger Grundlage für die ukrainische Armee zu gewinnen, darunter auch ausländische Bürger.
„Ausländer für die Streitkräfte der Ukraine werden die ukrainischen Militärs nicht nur gewinnen, sondern auch ausbilden müssen, wofür mindestens zwei, drei Monate ins Land gehen werden“, sagte der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Wladimir Popow, der lange in den Streitkräfte der Luftverteidigung gedient hatte. „Eine gesonderte Frage ist die nach der Perspektive einer Entsendung ukrainischer Luftverteidigungsspezialisten für eine Teilnahme an der Organisierung der Luftverteidigung im Nahen Osten. Sie sind überhaupt eine Einzelware. Einen Mangel an solchen Spezialisten gibt es auch selbst in den Streitkräften der Ukraine. Außerdem ist bisher unklar, ob die arabischen Länder, die USA und Israel sie empfangen wollen. Unter den Bedingungen der aktiven Kampfhandlungen, die derzeit in der Region des Persischen Golfs erfolgen, wird es aus praktischer Sicht schwer werden, dies zu bewerkstelligen“.