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Der Krieg im Nahen Osten kann die Ukraine ohne eine Luftabwehr lassen


Die (Antwort-) Schläge des Irans gegen Objekte der USA, Israels und deren Verbündeten werden sich nicht bestens auf den Umfang der Militärhilfe auswirken, die die Länder des Westens der Ukraine bereitstellen können. Je länger der Krieg im Nahen Osten andauert, desto mehr Waffen werden gebraucht, besonders Luftabwehrmittel. Deren Mangel hatte sich bereits im Ergebnis des 12-Tage-Krieges Israels und Irans im Sommer vergangenen Jahres ergeben. Jetzt aber, da die Kampfhandlungen im Nahen Osten verheißen, zu größeren zu werden, kann sich der Mangel an Luftabwehrmitteln für die Streitkräfte der Ukraine als ein fataler erweisen.

Dass angesichts der massiven Schläge des Irans den USA und Israel „kritisch wichtige Verteidigungsmunition“ für die Verteidigung von sich selbst und der Verbündeten nicht ausreichen könnten, schreibt die britische Zeitung „The Financial Times“. So etwas hatte es bereits während des 12-Tage-Krieges gegeben, als der Iran hunderte Raketen gegen Israel abgefeuert hatte. Jetzt führt Teheran massivere Schläge, und Israel und die USA würden, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt, schneller bzw. mehr Raketenabwehrmittel einsetzen als sie herstellen und einkaufen würden. Allein in der Anfangsetappe der nunmehrigen Attacken des Irans wurden am 28. Februar rund 140 Raketen und 200 Drohnen abgeschossen. Wie viele Luftabwehrmittel dafür eingesetzt wurden, ist nicht gemeldet worden. Es sei angemerkt, dass, wie die „Financial Times“ hervorhebt, während des 12-Tage-Krieges der Iran über 500 Raketen gegen Israel eingesetzt hatte, von denen etwa 35 dessen tief gestaffeltes System der Luftverteidigung überwinden konnten. Für jede vernichtete Rakete waren ein bis zwei Raketenabwehrkomplexe THAAD (Terminal High-Altitude Area Defense) oder „Patriot“-Luftverteidigungskomplexe eingesetzt worden. Die Kosten eines jeden Komplexes belaufen sich auf etwa zwei Millionen Dollar. Das heißt: In den zwölf Tagen wurden rund 700 bis 800 Raketenabwehrkomplexe mit einem (Gesamt-) Wert von mindestens 1,5 Milliarden Dollar verwendet.

Medien zitierten die Direktorin des Verteidigungsprogramms am Zentrum für eine neue amerikanische Sicherheit (Center for a New American Security – CNAS), Stacie Pettyjohn, die behauptete, dass Washington leicht den Jahresvorrat an kritisch wichtiger Verteidigungsmunition in nur ein, zwei Tagen von Gefechtshandlungen verbrauchen könne, „wenn der Iran mehrere massive Schläge mit Raketen und Drohnen gegen Kräfte der USA und Israels führen kann“.

Solche Schlussfolgerungen werden durch die Statistik bestätigt. Das Pentagon erklärte beispielsweise, dass es im Finanzjahr 2026 allein 840 Millionen Dollar für 37 Abfangjäger für das System des amerikanischen Raketenabwehrkomplexes THAAD ausgeben werde. Dabei hatten die Landstreitkräfte des Pentagons für diesen Zeitraum ebenfalls um 1,3 Milliarden Dollar für 96 „Patriot“-Verteidigungsraketen gebeten. Somit bleibt die Herstellung von Gegenraketen in den USA in der Tat hinter den Bedürfnissen des Landes zurück.

Schon ganz zu schweigen davon, dass man mit diesen Komplexen nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in anderen Regionen der Welt rechnet, zum Beispiel in der Ukraine.

Über Probleme hinsichtlich der Lieferungen effektiver Luftabwehrraketen für die amerikanischen Patriot-Luftverteidigungskomplexe an die Ukraine nach dem Sommer-Krieg im Nahen Osten hat der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij mehrfach gesprochen. Auf der internationalen Münchner Sicherheitskonferenz im Februar gestand er ein, dass Kiew praktisch solche Raketen geblieben seien.

Irgendeinen Ausweg aus der Situation haben die Partner der Ukraine damals scheinbar gefunden. Die europäischen Länder begannen, aktiv die ukrainischen Entwicklungen aktiv zu unterstützen, die mit dem Einsatz von Drohnen für eine Bekämpfung von Luftzielen zusammenhängen. Die USA und Norwegen geben Kiew irgendeine Anzahl kostengünstiger, bereits Ende der 50 er Jahre des 20. Jahrhunderts entwickelter Raketen vom Typ Sidewinder (AIM-9) mit einem Durchschnittspreis von 15.000 bis 50.000 Dollar mit einem Infrarot-Selbstsucherkopf für die bodengestützten Luftabwehrsysteme NASAMS, die in den vergangenen Jahren an die Streitkräfte der Ukraine geliefert worden waren. An solchen Raketen gibt es in den USA und in anderen NATO-Ländern rund 200.000 Stück, und die Ukraine erhalte sie weiterhin, erklärte Selenskij dieser Tage. Sie arbeiten aber in einer taktischen Tiefe von 15 bis 20 Kilometern. Mit Mitteln in der Art der Sidewinder-Raketen kann man keine modernen russischen Raketen vom Typ „Iskander-M“, „Dolch“ usw. bekämpfen.

Somit besteht, wenn Russland weiterhin massive Schläge gegen Objekte der Rüstungsindustrie und Energiewirtschaft der Ukraine führt, die Wahrscheinlichkeit einer erheblichen Verringerung dessen Verteidigungspotenzials und folglich einer Zunahme der militärischen Verluste an der Front. Das russische Verteidigungsministerium meldete am Sonntag, dass es in den letzten 24 Stunden Objekte der Energie-Infrastruktur vernichtet habe, die im Interesse des Rüstungskomplexes der Ukraine, aber auch „Punkte für eine zeitweilige Dislozierung ukrainischer bewaffneter Formationen und ausländischer Söldner in 144 Gebieten“. Medien berichteten über Schläge gegen sechs ukrainische Verwaltungsgebiete, vor allem gegen die Verwaltungsgebiete Sumy, Charkow, Odessa und Nikolajew.

Trilaterale Verhandlungen Russlands, der Ukraine und der USA seien für die nächsten Tage geplant. Wenn der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij den russischen Forderungen nach territorialen Zugeständnissen zustimme, werde Russland wahrscheinlich aus dem Verhandlungsprozess aussteigen, meint die Nachrichtenagentur Bloomberg. Eine derartige Prognose gab auch der Chef des Office des Präsidenten der Ukraine, Kirill Budanow (ist in der Russischen Föderation in die Liste von Terroristen und Extremisten aufgenommen worden), der ein Teilnehmer der Verhandlungen war und ist. Nach Aussagen Budanows seien die Positionen Kiews und Moskaus in dieser Frage absolut konträre. Und daher besteht die Wahrscheinlich einer Fortsetzung des (bewaffneten) Konflikts.