Einheiten der Südlichen Gruppierung der Truppen der Russischen Föderation haben die Stadt Konstantinowka in der Donezker Volksrepublik – einen überaus wichtigen Knotenpunkt der Verteidigung der Streitkräfte der Ukraine, der in eine Festung verwandelt worden war – eingenommen. Dieser große Industrie- und Logistik-Knotenpunkt gilt als ein Schlüssel zur Agglomeration von Kramatorsk und Slawjansk, von der ein Teil noch durch Kiew kontrolliert wird. Die am 3. Juli verkündete Einnahme von Konstantinowka ist eines der wichtigsten militärischen Ergebnisse Russlands seit dem Zeitpunkt der Eroberung von Pokrowsk Ende vergangenen Jahres. Russlands Staatsoberhaupt Wladimir Putin erklärte in einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump am 4. Juli, dass die russischen Militärs auch den verbliebenen Teil des Donbass einnehmen würden.
Das im Norden der Donezker Volksrepublik gelegene Konstantinowska ist ein Industrie- und Transportzentrum des Donbass, das nach Beginn der russischen militärischen Sonderoperation noch von den ukrainischen Streitkräften kontrolliert wurde.
Im Frühjahr vergangenen Jahres hatten die russischen Militärs den Kleban-Byk-Stausee im munizipalen Bezirk Wolodarsk der Donezker Volksrepublik erreicht, wobei sie zu der Stadt vorgerückt waren, die von den ukrainischen Militärs in einen äußerst wichtigen Fortifikationsknotenpunkt verwandelt worden war. Wie der Leiter der Operativen Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte Russlands und 1. Stellvertreter des Generalstabschefs, Generaloberst Sergej Rudskoj, erklärte habe das Verteidigungssystem von Konstantinowka aus zwei Verteidigungslinien bestanden, die über 150 Kilometer Schützengräben und Panzersperrgräben sowie 20 Bataillonsverteidigungsräume umfassten. In der Stadt an sich hätten die Streitkräfte der Ukraine über 50 befestigte Knotenpunkte mit einem Schwergewicht auf den Bahnhof, Schulen, Kindergärten und Betrieben geschaffen. Die aktive Erstürmung dieses ukrainischen Verteidigungspunktes begann im Oktober vergangenen Jahres. Dabei handelten die russischen Militärs in mehreren Richtungen gleichzeitig, wobei sie ihn schrittweise von den Flanken her umgaben. Laut Angaben des russischen Verteidigungsministeriums hätten die Verluste der ukrainischen Streitkräfte während der Operation 13.500 Militärs, 14 Panzer, 283 gepanzerte Gefechtsfahrzeuge und eine Vielzahl anderer Waffen ausgemacht.
Die Kontrolle über den wichtigen Verteidigungspunkt der Streitkräfte der Ukraine eröffne für die Armee Russland den direkten Weg für ein Vorrücken nach Slawjansk und Kramatorsk. Darüber sprechen sowohl Politiker als auch Militärexperten. Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte am Freitag, dass die Einnahme von Konstantinowka durch die russischen Militärs erlaube, das Vorrücken der russischen Armee in der Region zu beschleunigen. „Die Befreiung von Konstantinowka ist zweifellos ein Schlüssel zur Befreiung des gesamten Territoriums der Donezker Volksrepublik“, unterstrich der Kremlchef. Außerdem habe der Präsident der Russischen Föderation am 4. Juli eine Telefonat mit Trump durchgeführt und dem erklärt, dass die russischen Militärs den verbliebenen Teil des Donbass einnehmen würden, teilte der außenpolitische Berater Putins Jurij Uschakow mit. Nach seinen Worten habe Putin mitgeteilt, dass die russischen Militärs „zuversichtlich vorrücken, wobei sie eine Ortschaft nach der anderen befreien“. Und die Einnahme von Konstantinowka sei „zu einer wichtigen Etappe der Befreiung des ganzen Territoriums der Donezker Volksrepublik“ geworden. „Wie sehr sich auch das Kiewer Regime an die verbliebenen befestigten Gebiete klammert, unsere Armee wird sie unbedingt einnehmen“, sagte der 79jährige Uschakow.
Im russischen Verteidigungsministerium fügte man hinzu, dass die Truppen-Gruppierungen „Süden“ und „Westen“ bereits an der rechten Flanke der Slawjansker Richtung zur Agglomeration Kramatorsk-Slawjansk vorrücken würden. Die russischen Truppen würden planmäßig zu den administrativen Grenzen der Donezker Volksrepublik vorrücken. Wladimir Putin hatte am Freitag einen Hilfsführungspunkt der Vereinigten Truppengruppierung besucht, wo er im militärischen Outfit einen Bericht des Generalstabschefs der Streitkräfte der Russischen Föderation Valerij Gerassimow entgegennahm. Der Präsident erklärte, dass die Schläge der Ukraine gegen die russische zivile Infrastruktur die Tiefe der zu schaffenden Sicherheitszone (an der russisch-ukrainischen Grenze, aber auf ukrainischem Territorium – Anmerkung der Redaktion) beeinflusse, und fügte hinzu, dass die Größe dieser Zone von der Anzahl der Schläge abhängen werde.
Russische Militärkorrespondenten betonen, dass die erfolgreiche Erstürmung von Konstantinowka eine äußerst wichtige Leistung für die russische Armee sei. „Die fünftgrößte Stadt der Donezker Volksrepublik. Sie ist größer als Artjomowsk und Krasnoarmeisk. Unter den großen Donbass-Festungen, die durch unsere Truppen seit Beginn der militärischen Sonderoperation eingenommen wurde, steht hinsichtlich der Vorkriegsbevölkerungszahl Konstantinowka wohl etwa Sewerdonezk, Lisitschansk und Mariupol nach“, betonte der MilitärkorrespondetnAlexander Koz der Moskauer „Komsomolskaja Prawda“. „Was bedeutet für uns praktisch die Befreiung von Konstantinowka? Eine offene Straße nach Druschowka und durch dieses nach Kramatorsk und Slawjansk. Die letzte große Festung auf den Zufahrtsrouten zur Agglomeration, die der Gegner bis zum letzten Mann zu halten versprach und fast das Versprechen eingehalten hat – im buchstäblichen, im schrecklichen Sinne“.
„Konstantinowska ist endlich unser. Offiziell. Ein Brückenkopf für die endgültige Befreiung des Donabss an der Gründungsgrenze“, jubelte Militärkorrespondent Alexander Sladkow vom russischen Staatsfernsehen. „Jetzt muss man alles noch einmal säubern, entminen, Stäbe und Kommandopunkte und eine stabile Luftverteidigung schaffen, Fernmeldeleitungen schaffen und unbedingt die Zivilisten evakuieren, aufwärmen, verpflegen und vom Wesen her retten. Die Truppen werden aber nicht stillstehen, sie werden weiter den Gegner zur Grenze des Donbass und in andere Verwaltungsgebiete der Ukraine verdrängen. Aber da gibt es schon keine solchen (Verteidigungs-) Linien. Natürlich ist dies für Kiew und seine wichtigen Bewohner eine Nachricht direkt in die Fresse. Sie hatten uns doch beinahe besiegt. Und die Russen sei „ nicht einmal Benzin für Feuerzeuge geblieben“. Und da peng. Und die Streitkräfte der Ukraine sind aus Konstantinowka geflogen. Ein Flopp. Und da sind Druschkowka, Kramatorsk und das begehrte Slawjansk“, schreibt Sladkow.
Die Einnahme von Konstantinowka ist auch noch aus der Sicht wichtig, dass sie die Rechtmäßigkeit der persönlichen Überzeugtheit von Putin bestätigt, dass die Streitkräfte der Russischen Föderation die Streitkräfte der Ukraine in den nächsten Monaten vom Territorium des Donbass verdrängen können. Und die Verteidigung des Volkes des Donbass war das Ausgangsmotiv der militärischen Sonderoperation gewesen. Da ist ein territorialer Kompromiss unmöglich. Ja, und nach Erreichen der administrativen Grenzen der Region werden die Verhandlungsressourcen und die Grenzen zulässiger Kompromisse Moskaus spürbar zunehmen.
Somit bleibt der entscheidende Faktor für einen Erfolg bei den Friedensverhandlungen die Situation am Boden. Die Einnahme von Konstantinowka ist ein überaus wichtiges Element, das gerade auch eben diese Realität am Boden schafft.
P. S.
Derweil dementierte der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij am Sonntag die Einnahme von Konstantinowka durch die russischen Truppen. Offenkundig auch mit Blick auf den NATO-Gipfel, der am Dienstag in Ankara beginnt. Und da wird mit Sicherheit bei der Diskussion um eine weitere mögliche militärische Hilfe für Kiew gerade die aktuelle Situation an der Front ins Kalkül gezogen werden. Im Vorfeld dieses Gipfeltreffens forderte am Montag in Brüssel NATO-Generalsekretär Mark Rutte die NATO-Mitgliedsländer aber erneut auf, aktiver der Ukraine Unterstützung zu gewähren. „Die Ukraine braucht anhaltende Hilfe, insbesondere im Bereich der Luftabwehr“, sagte er, wohl im Wissen darum, dass die russischen Militärs in der Nacht zum Montag ein zweites Mal innerhalb kurzer Zeit massiv Kiew und die Kiewer Region attackiert hatten. Laut Meldungen des russischen Verteidigungsministeriums wurden wieder ukrainische Rüstungsbetriebe und andere wichtige Infrastruktur-Objekte zur Verteidigung des Landes angegriffen. Kiew selbst demonstrierte dabei vor allem Schäden an Wohnhäusern und anderen zivilen Objekten, so dass schwer zu beurteilen ist, welches Ausmaß die Schäden in der Rüstungsindustrie haben. Eines ist dabei jedoch nicht zu übersehen: Der bewaffnete Konflikt zwischen Russland und der Ukraine nimmt immer verheerendere Dimensionen an.