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Die KPRF hofft auf einen Crash des „loyalistischen Pazifismus“


Im Zentrum für politisches Studium (ZPS) der KPRF haben Lehrgänge zur Umschulung von Polittechnologen der Partei begonnen. Ausgewiesen wurden nicht nur äußere Ursachen für ein mögliches Ausbremsen der Wahlaktivitäten, sondern auch interne Schwierigkeiten skizziert. Die hauptsächlichste von ihnen ist die Schwäche der Kommunikation der Partei mit der Wählerschaft, die in einem Zustand eines „loyalistischen Pazifismus“ verweile. Das heißt: Sie ist nicht zu Protesten bereit, kann aber auch schon nicht mehr Ungerechtigkeit dulden. Die KPRF hofft, die Situation zu ihren Gunsten zu nutzen.

Ins ZPS waren Vertreter von 22 regionalen Abteilungen gekommen, denen bevorsteht, die politischen Kampagnen der wichtigsten Oppositionspartei des Landes durchzuführen. Der Leiter des analytischen Dienstes des ZK der KPRF, Sergej Obuchow, demonstrierte den Kollegen soziologische Bestätigungen für diesen Status, umriss aber für sie ehrlich auch die bestehenden Probleme. Die Konzeption und die „Roadmap“ für den Wahlkampf werden allem nach zu urteilen von der Stimmung der Wähler ausgehen, die Obuchow als „loyalistischen Pazifismus“ bezeichnete.

Diesen Zustand der Wählerschaft charakterisierte er mit solch einer Formel: „Das System ins Schaukeln zu bringen, ist schrecklich. Doch es ist bereits unerträglich, die Ungerechtigkeit zu dulden“. Wie in der KPRF mitgeteilt wurde, „war im Bericht die strukturelle Teilung der Gesellschaft in „Russland des Militär-Industriekomplexes (sprich: der Rüstungsindustrie – Anmerkung der Redaktion) und der Hauptstädte“ (den Nutznießern der aktuellen Wirtschaftssituation) und in „Russland der Peripherie“, das die hauptsächlichen Unkosten in Gestalt der Inflation, des Ansteigens der Tarife und der Reduzierung der sozialen Institute trägt hervorgehoben worden“. Unter Verweis auf Angaben soziologischer Untersuchungen verwies der Sekretär des ZK auch auf die akute Informationsdissonanz: „Während die Bürger die Zunahme der Preise und die Probleme der kommunalen Wohnungswirtschaft bewegen, widmen die föderalen Massenmedien der sozial-ökonomischen Agenda lediglich ein bis zwei Prozent der Sendezeit, wobei der Fokus auf die Geopolitik verlagert wird“.

Im Großen und Ganzen ist durchaus klar, dass die KPRF auf einen Zusammenbruch der gegenwärtigen instabilen Stimmungen und eine Radikalisierung der Gesellschaft hofft, worauf die Partei sozusagen natürlich reagieren kann, ohne von den Herrschenden die Vorwürfe eines „Ins-Schaukeln-bringen des Bootes“ einstecken zu müssen. Damit jedoch dieser Plan funktioniert, müssen die Kommunisten zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Aber mit der Bestimmung all dessen haben sie Probleme. Selbst Obuchow sprach beispielsweise von einem „akuten Problem der Konvertierbarkeit des Bekanntheitsgrades der KPRF-Aktionen (dessen Niveau in den Protestschichten der Gesellschaft offenkundig unzureichend ist) in ein reales politisches Handeln“. Freilich ist er der Auffassung, dass die gleichen genannten Massenmedien zielgerichtet lediglich die memorial-historischen Aktionen der Partei covern würden, womit sie deren Image als eine „Ritual-Opposition“ ausprägen. Jedoch können die Linken keine realen Protestaktionen mit den Behörden abstimmen, doch ohne Abstimmungen auf die Straße zu gehen wollen sie natürlich nicht.