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Die NATO führt gegen Russland eine Multi-Domain-Operation durch


Der Nordatlantikpakt wird für ein Agieren gegen Russland weiter das Verteidigungspotenzial und die militärischen Aktivitäten in Osteuropa, darunter auf dem Territorium der ehemaligen UdSSR, erhöhen. Dies ist eine der Schlussfolgerungen, die man aus den Ergebnissen der am Dienstag stattgefundenen Online-Tagung der Außen- und Verteidigungsminister der NATO-Länder ziehen kann. Die Allianz hält die Bedrohungen seitens der Russischen Föderation für langfristige und bekräftigt die Absicht, sich aus militärischer Sicht zu vervollkommnen, was bei ihrem Gipfeltreffen am 14. Juni in der Strategie für die Entwicklung der NATO im Verlauf von 30 Jahren verankert wird.

Derzeit ist im Rahmen der Manöver „Defender Europe 2021“ eine Serie von Multi-Domain-Manövern organisiert worden, die eine offenkundige antirussische Ausrichtung besitzen.

Wie der Militärexperte Oberst Nikolaj Schulgin der „NG“ erläuterte, ist die US-amerikanische Konzeption der Multi-Domain-Battle-Operationen eine relativ neue Richtung in der Arbeit der Truppen der USA und der NATO. In den Pentagon-Dokumenten wird sie „als die Führung von Kampfhandlungen in verschiedenen Bereichen (Domains) verstanden – auf dem Land, auf See, in der Luft, im Kosmos, im Cyberraum usw.“. „Zum Beispiel hat am Montag ein amerikanischer strategischer B-52-Bomber ohne eine offensichtliche Beziehung zu (den Manövern) Defender Europe im Rahmen einer globalen Mission einen Flug über 30 Ländern Europas absolviert und überflog unter anderem Estland und dessen Luftwaffenstützpunkt Ämari, wo gegenwärtig die internationalen Manöver der Allianz „Spring Storm“ („Frühjahrssturm“) organisiert worden sind. An ihnen nehmen rund 7.000 Soldaten und Offiziere der Land-, Luft- und Seestreitkräfte Estlands, der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Dänemarks, Polens und Italiens teil. Vor dem Hintergrund dieser Manöver in Estland sind auch die Übungen „Cyber Storm“ gestartet worden, die nach Einschätzungen des Internationalen Zentrums für Verteidigung und Sicherheit (ICDS) in Tallinn, „recht aktuelle sind, besonders unter Berücksichtigung der ständig zunehmenden Aktivität russischer Hacker“, betont der Experte.

Nach Meinung Schulgins müssten die russischen Militärs auf derartige Handlungen auch lernen, sofort hinsichtlich verschiedenartiger Richtungen zu reagieren, die die Komponenten Seestreitkräfte, Luft- und Kosmos-Streitkräfte sowie Landstreitkräfte umfassen. „Und in der heute in der russischen Armee begonnenen neuen Sommergefechtsausbildungsperiode werden solche Handlungen trainiert. Dies ist aber eine Ausbildung. Sie ist mit keinerlei Angriffsplänen verbunden, von denen die Beamten und hochrangigen Militärs in den Militärstrukturen der USA und NATO sprechen“, meint der Experte.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg ist sich nach wie vor sicher, dass Russland bereit sei, militärische Stärke gegen seine Nachbarn im Baltikum und gegen andere Länder der einstigen UdSSR einzusetzen. „Dies ist eine der Hauptursachen, warum die NATO in den letzten Jahren die Bereitschaft ihrer Truppen erhöht und warum wir Gefechtsgruppen im östlichen Teil des Nordatlantikpaktes entfaltet haben“, erklärte er dieser Tage. In Moskau hat man die Äußerungen über die Aggressivität seiner Ziele mehrfach zurückgewiesen. Zur gleichen Zeit antwortet Russland auf die Aufstockung des Militärpotenzials der Allianz auf adäquate Art und Weise, was am vergangenen Montag Verteidigungsminister Sergej Schoigu unzweideutig erklärt hatte. Seine Worte, wonach das Verteidigungsministerium die Gefechtszusammensetzung der Truppen ständig vervollkommne und „bis Ende des Jahres im Westlichen Militärbezirk rund 20 Verbände und Truppenteile gebildet werden“, waren natürlich an die Vertreter der NATO gerichtet. Die von der „NG“ befragten Militärexperten sind aber der Auffassung, dass sie von keinen aggressiven Plänen der Russischen Föderation zeugen würden. „Im Verteidigungsministerium war nichts über eine Aufstockung des Personalbestands der Truppen gesagt worden. Das bedeutet, die neuen Truppenteile und Verbände werden im Westlichen Militärbezirk durch einer Neustrukturierung des sich im Militärbezirks befindlichen planmäßigen Personalbestands gebildet. Analoges kann man auch zum Militärhaushalt des Westlichen Militärbezirks sagen. Den Finanzplänen der Regierung nach zu urteilen, wird er nicht erhöht und bleibt auf dem bisherigen Stand. Wo gibt es denn da einen Militarisierungskurs? Die Truppen vervollkommnen ihre Verteidigung und hegen keinerlei Angriffspläne“, erklärte der „NG“ der Militärexperte Generalleutnant Jurij Netkatschjow. Er lenkte das Augenmerk darauf, dass eine derartige Position dieser Tage Vizepremier Jurij Borissow dargelegt habe, der erklärt hatte, dass die Modernisierung der russischen Armee auf die Lösung von Verteidigungsaufgaben ausgerichtet sei. „Unsere Aufgabe ist, die garantierte Sicherheit zu gewährleisten. Wir schicken uns nicht an, irgendwen zu erobern. Aber dies muss man effektiv tun. Und allen ist zu verstehen zu geben, wer unsere Territorien antasten möchte, dass dies eine sehr gefährliche Sache ist. Zu uns mit solchen Gedanken und Absichten zu kommen“, sagte er.

In der militärpolitischen Führung der Russischen Föderation ist man der Auffassung, dass aggressive Absichten gerade bei der NATO auszumachen seien. Sergej Schoigu erklärte beispielsweise, dass „in den letzten sieben Jahren die Intensität der Flüge der strategischen Bomberflotte der Luftstreitkräfte der USA in Europa um das 14fache zugenommen hat“. „Es fliegen amerikanische strategische Flugzeuge an unseren Grenzen mit Zielen, die offenkundig keine Verteidigungsziele sind“, ist sich Nikolaj Schulgin sicher. „Mit Beteiligung der USA und der Kräfte der Allianz in Europa hat sich in den letzten Jahren die Anzahl der Manöver um das 1,5fache erhöht. Und jetzt haben, wie ich schon gesagt habe, bereits die größten Manöver der letzten 30 Jahren „Defender Europe 2021“ begonnen. An ihnen nehmen laut Angaben des russischen Verteidigungsministeriums bis zu 40.000 Militärs teile. Das Hauptziel solcher Manöver ist, die Verlegung einer vollwertigen Division aus den USA nach Europa zu trainieren. Wie der Befehlshaber des Europa-Kommandos der US-Streitkräfte General Tod Daniel Wolters erklärt, werde im Verlauf der Manöver eine „Taktik des Eingreifens und der Einnahme“ trainiert. Dies ist offenkundig eine offensive, eine aggressive Taktik. Wofür werden amerikanische Soldaten in Osteuropa konzentriert? Offensichtlich nicht für Spaziergänge“.

Schulgin lenkte das Augenmerk darauf, dass bald Maßnahmen der NATO anstehen würden, die im Rahmen von „Defender Europe 2021“ und anderer Multi-Domain-Operationen organisiert werden. Laut seinen Angaben seien viele nicht nur im Baltikum, sondern auch auf dem Territorium anderer Länder der ehemaligen UdSSR geplant. „Schon sehr bald finden in der Ukraine die multinationalen Manöver „Sea Breeze 2021“ (vom 28. Juni bis 10. Juli – Anmerkung der Redaktion) statt, etwas später werden die ukrainisch-britischen Kommandostabsübungen „Cossack Mace 2021“ erwartet, an denen über 1000 Militärs teilnehmen werden, darunter Vertreter von mindestens fünf Mitgliedsstaaten der Allianz. Insgesamt ist in diesem Jahr die Abhaltung von acht multinationalen Manövern auf dem Territorium der Ukraine geplant, und von zweien – auf dem Territorium Georgiens. Ein Manöver wird in Kasachstan unter Beteiligung von NATO-Staaten stattfinden“, konstatierte Schulgin.

Derweil erklärte der offizielle Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums Generalmajor Igor Konaschenkow, dass die NATO unter dem Deckmantel der „Sea Breeze“-Manöver die Ukraine erneut mit modernen Waffen für den Krieg im Donbass versorgen werde. Nach seinen Worten sei geplant, „moderne Waffen, Munition und materielle Güter für die ukrainischen Truppen“ in die Ukraine zu bringen, die man danach in den Donbass weiterleiten werde.