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Die Nawalny-Stäbe schlingern in Erwartung eines neuen Plans


Der Leiter des Netzes der regionalen Stäbe von Alexej Nawalny, Leonid Wolkow, gibt bisher den Plan für die weiteren Aktionen dieser Oppositionsstruktur nicht bekannt. Er verspricht jedoch, dass ein origineller Plan für eine Befreiung Nawalnys aus der Gefangenschaft in den nächsten Tagen verkündet werde. Der Häftling des Straflagers in der etwas mehr als 100 Kilometer von Moskau gelegenen Kleinstadt Pokrow postete derweil in den sozialen Netzwerken eine neue Mitteilung über die Modalitäten in dieser Einrichtung. Den Informationen über die Aktionen der Nawalny-Stäbe nach zu urteilen haben sie derzeit ihre Aktivitäten in Erwartung der neuen Etappe der Konfrontation mit den Herrschenden minimiert.

Wolkow versprach am Vorabend, dass ein sehr interessanter und gut durchdachter Plan für den Kampf um die Freiheit Nawalnys demnächst vorgelegt werde. Doch es gab nicht eine Andeutung hinsichtlich irgendwelcher Einzelheiten. Man kann nur vermuten, dass, da die Führung der Nawalny-Anhänger versprochen hatte, für die Teilnehmer der Proteste das Risiko von Festnahmen und Inhaftierungen zu minimieren, die Auseinandersetzung mit den Offiziellen hauptsächlich im Internet entfaltet wird.

Vorerst aber veröffentlich Nawalny an sich regelmäßig seine Eindrücke aus dem Strafvollzug. Er ist offensichtlich nicht gewillt, irgendwelche politischen Äußerungen zuzulassen. Das Maximum, was er sich erlaubt, ist beißender Sarkasmus. Zum Beispiel hinsichtlich jeder Situation, dass die Häftlinge jeden Morgen um 6.00 Uhr im Freien die Hymne der Russischen Föderation hören – „Sei gerühmt unser freies Vaterland!“. Der restliche Teil des Posts von Nawalny sind Allusionen zu populären Spielfilmen. Zum Beispiel solch eine: „In diesem Moment stelle ich mir vor, dass ich in einem russischen Remake von „Star Wars“ spiele, wo es anstelle imperialer Sturmkräfte Knastbrüder in Steppjacken und Pelzmützen gibt. Sie haben Zigaretten zwischen den Zähnen. Anstelle von Laserschwertern gibt es eiserne Brechstangen. Die Kosmos-Knastbrüder, die die Interessen des Herrschers verteidigen, reisen von einem Planeten zum anderen und schlagen die Aufständischen nieder. Doch wo immer sie auch sein mögen, Punkt 6.05 Uhr hören sie die Hymne, machen Frühsport um 6.10 Uhr, und um 6.30 Uhr lässt man den (Hafer-) Brei in ihre Blechschüsseln plumpsen und gießt süßen Tee in die Metallbecher. Möge die Stärke mit euch sein!“.

Wenn man sich den neuen Wolkow-Bericht über die Tätigkeit der regionalen Stäbe anschaut, wird es klar, dass die Strukturen der Nawalny-Vertreter offensichtlich auf Pause gestellt worden sind. Wahrscheinlich hängt dies gerade mit dem Abwarten auf ein Kommando zur Realisierung eines neuen Plans zusammen. Das Schlingern offenbart sich auch gerade darin, dass das Propagieren des „Smart Votings“ (des „klugen Abstimmens“) seitens der Oppositionellen auf kein neues Niveau kommt, dass dem Nahen der Wahlkampagne entsprechen würde. Allerdings ist Wolkow doch an der jüngsten Äußerung des Staatsduma-Vorsitzenden Wjatscheslaw Wolodin hängegeblieben, wonach das „Smart Voting“ ein System sei, das durch äußere Kräfte ausgedacht worden sei, die für Russland feindliche sind.

Die Nawalny-Vertreter erklären, dass dies ein anschaulicher Beweis für die Furcht der Herrschenden vor dem auf sie zukommenden „Smart Voting“ sei. Wie die „NG“ erfuhr, hält Wolodin tatsächlich das „kluge Abstimmen“ für einen gefährlichen Mechanismus, der auf eine Destabilisierung des Landes abziele. Dabei gestand er ein, dass keine technischen Mittel für einen Kampf gegen das „Smart Voting“ existieren würden, da es bei den Wahlen stets mehr als einen Kandidaten gebe. Und folglich könne man sie gegeneinander antreten lassen bzw. entgegenstellen. Daher ist sich Wolodin sicher, dass man die Bürger hinsichtlich der bösartigen Pläne der Organisatoren des „Smart Votings“ aufklären müsse.

Bereits nach Redaktionsschluss wurde bekannt, dass das Nawalny-Team am Dienstag im Internet eine Kampagne startete. In deren Rahmen können – wie „NGDeutschland erfuhr — all diejenigen, die bereit sind, mit der Forderung nach Freilassung des Oppositionspolitikers auf die Straße zu gehen, auf einer entsprechenden interaktiven Landkarte sich registrieren. Und wenn, so die Organisatoren der Kampagne, mindestens 500.000 Menschen dies erklären, würde ein Termin für eine Massenaktion bekanntgegeben. Es ist damit zu rechnen, dass dies in einigen Monaten erst real werden kann.