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Die russischen Raketen- und Drohnen-Schläge haben das BIP der Ukraine um 1,5 Prozent verringert


Während die USA die Gespräche über eine Beendigung des Konflikts zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine aktivierten, hat Europa Kiew eine weitere Tranche finanzieller Hilfe im Umfang von 6,1 Milliarden Euro bereitgestellt. Die Ukraine bittet jedoch für militärische Zwecke um weitaus mehr, zusätzlich um 27 Milliarden Dollar. Die Geber sind für verwirrt und überlegen bisher, woher solche Gelder genommen werden können. Verwirrt und verzweifelt ist scheinbar auch die ukrainische Führung, die nicht weiß, wie die angeblich billigen reaktiven Drohnen der Russischen Föderation zu bekämpfen sind, deren Anzahl von Attacken mit jedem Tag zunimmt.

In der vergangenen Woche führte Moskau weiter zerstörerische Schläge gegen militärische, militär-industrielle, logistische und Hafen-Objekte der Ukraine am Schwarzen Meer und an der Donau fort. In dieser Zeit wurden laut Angaben des russischen Verteidigungsministers 13 Frachter und zwei Tanker (wie stets ohne Moskauer Angaben dazu, unter welcher Flagge sie fuhren, dafür aber mit der Rechtfertigung, dass sie militärische Güter transportierten – Anmerkung der Redaktion), zwei Schlepper und zwei Schnellboote, die im Interesse der Streitkräfte der Ukraine handelten, getroffen. Experten heben die Zunahme der systematischen Zerstörungsschläge der Streitkräfte der Russischen Föderation nicht nur gegen Häfen und die Hauptstadt der Ukraine, sondern auch gegen Objekte der Bahn, gegen Lokomotiven, Passierstellen, Logistik-Zentren, Tankstellen, Metallurgie-Kombinate, Daten-Zentren, Lager und Unternehmen zur Herstellung von Drohnen und anderen Waffen hervor.

In einem Interview für die Deutsche Welle gestand der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij ein, dass sein Land Schwierigkeiten mit der Abwehr reaktiver Drohnen habe, die Russland immer aktiver einsetzt. Ausdrucksvoll skizzierte die Folgen dieses russischen Vorgehens der Wirtschaftsminister der Ukraine Alexander Krawtschenko, der erklärte, dass der Schaden für die Infrastruktur des Landes seit Jahresbeginn der 10-Milliarden-Dollar-Grenze nahekomme. Und die russischen Attacken und die Blockade der Häfen hätten der Wirtschaft bereits rund 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gekostet. Gefährdet seien Exporteinnahme von rund 40 Milliarden Dollar, betonte er. Die Ukraine verliert beispielsweise erhebliche Summen allein durch die Verringerung des Getreideexports. Der sei auf das Jahr hochgerechnet seit Anfang August um 76 Prozent zurückgegangen, teilte Selenskij mit.

Dabei haben die militärischen Bedürfnisse der Ukraine zugenommen. Medien zitierten die Vorsitzende des Haushaltsausschusses der Werchowna Rada (das ukrainische Parlament – Anmerkung der Redaktion), Roxolana Pidlasa, die mitgeteilt hatte, dass die täglichen Ausgaben für die Kampfhandlungen bis auf 190 Millionen Dollar im Vergleich zu den 140 Millionen Dollar im Jahr 2024 angestiegen seien. Seit Jahresbeginn seien für die Verteidigung rund 42 Milliarden Dollar ausgegeben worden, während die Inlandseinnahmen und Anleihen 39 Milliarden Dollar ausgemacht hätten. Nach Aussagen von Pidlasa könne die Ukraine schon nicht mehr die Verteidigung durch innere Ressourcen wie früher finanzieren. Solche Offenbarungen stehen mit den neuen Bitten Kiews an die Länder Europas um die Gewährung finanzieller Hilfe für das Land im Zusammenhang. Unterstützung versprach der EU-Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt Andrius Kubilius, der erklärte, dass in der EU offiziell ein Kredit im Umfang von 6,1 Milliarden Euro für die Ukraine für den Erwerb von Drohnen und Raketen für Patriot-Systeme abgestimmt worden sei. Dabei unterstrich er, dass die Fähigkeit der Ukraine, die Kampfkraft der Streitkräfte zu bewahren, „von einem schnellen Zugang zu kritisch wichtigen Mitteln in den erforderlichen Umfängen und in sehr kurzer Frist abhängt“. Von irgendwelchen Friedensinitiativen war bei Kubilius keine Rede, er betonte aber eine Orientierung auf einen militärischen Sieg der Ukraine. Der Euro-Kommissar fügte hinzu, dass die jetzige Entscheidung über die Bereitstellung von 6,1 Milliarden Euro „die Verteilung aller 28,3 Milliarden Euro, die im laufenden Jahr für die Verteidigung der Ukraine bereitgestellt wurden, absicherte“.

Derweil bitte Kiew um weitaus mehr, wie das amerikanische Blatt „The Wall Street Journal“ (WSJ) unter Berufung auf europäische Beamte schrieb. Anfang September hatte Selenskij mitgeteilt, dass die Finanzierung für die Verteidigungszwecke von 27 Milliarden Dollar bis Ende des Jahres 2026 und für den Beginn des Jahres 2027 nicht ausreiche. Das WSJ betonte, dass die europäischen Länder möglicherweise nicht alle Bitten Kiews um Hilfe in diesem Jahr bezahlen könne. Somit stimuliert die EU die Ukraine durch militärische und finanzielle Hilfe, versucht aber, deren immer mehr zunehmenden Bedürfnisse zu beschränken. Dabei erklärt man im Westen die Verschlechterung der Wirtschaftslage Kiews mit dem Einsatz neuer Waffen durch die Russische Föderation und deren systematischen Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur.

Die neuen weitreichenden reaktiven Drohnen, die Russland begonnen hat, immer aktiver gegen die Ukraine einzusetzen, „haben faktisch die mobilen Feuergruppen“ des ukrainischen Systems der Luftverteidigung ausgeschaltet, schrieb die britische Zeitung „The Sunday Times“. Die Autoren des entsprechenden Beitrags betonten, dass die Geschwindigkeit der russischen reaktiven Drohnen zum Hauptproblem für das ukrainische Luftabwehrsystem geworden sei. Die neuen Generationen von „Geran“-Drohnen fliegen mit einer Geschwindigkeit von rund 600 km/h und haben einen Gefechtskopf mit einer Masse von 100 Kilogramm. Während die MG-Schützen bei einer Attacke durch eine gewöhnliche „Geran“-Drohne für ein Reagieren rund 60 Sekunden hat, so bleiben für das Vernichten einer reaktiven Geran-5-Drohne etwa sechs Sekunden. Das Blatt schrieb, dass Russland immer aktiver reaktive Drohnen einsetzen würde. Laut Berechnungen der Autoren der „Sunday Times“ seien im August dieses Jahres rund 2800 Attacken mit reaktiven Drohnen fixiert worden, während des im Juni noch 350 gewesen wären. Die Zunahme habe somit 800 Prozent ausgemacht. Für deren Vernichtung müsse die Ukraine immer häufiger Jagdflugzeuge der Typen F-16, Mirage und MiG-29 sowie teurere bodengestützte Luftverteidigungsmittel einsetzen, ebtonten die britischen Journalisten.

„Gegen die „Geran-5“ (-Drohnen) sind in Vielem auch die konventionellen ukrainischen Abfangdrohnen machtlos. Sie müssen auch reaktive sein und eine weitaus größere Geschwindigkeit als 600 km/h haben, um eine russische reaktive Drohne abzufangen“, betonte gegenüber der „NG“ der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Wladimir Popow. Er ist der Auffassung, dass sich die abgezeichnete Überlegenheit der Russischen Föderation Kiew zu verringern versuche und bereits reaktive Abfangdrohnen schaffe. Doch die systematischen Schläge der Russischen Föderation gegen die kritische Infrastruktur der Ukraine würden deren militärisches und wirtschaftliches Potenzial zerstören. „In Europa verspürt man sehr stark diesen Faktor. Daher stellt man auch erhebliche finanzielle Mittel für die Ukraine gerade für den Kauf von Luftabwehrraketen und Luftverteidigungssystemen bereit. Aber solche Waffen sind derzeit knapp. Daher setzen die Streitkräfte Russlands zerstörerisch nicht nur reaktive Drohnen, sondern auch ballistische Raketen des Typs „Iskander“ ein“, sagte Popow.

Diese Probleme haben sich jedoch nicht auf die Situation in der Zone der militärischen Sonderoperation ausgewirkt. Trotz aller bestehenden Schwierigen in der Wirtschaft und im Bereich der Luftverteidigung führt Kiew bisher weiter Kampfhandlungen durch. Die Streitkräfte der Ukraine führen weiterhin Verteidigungshandlungen durch, bilden im Hinterland Reserven. Und Politiker und Spitzenmilitärs erörtern mit den europäischen Verbündeten neue militärische Pläne (siehe https://ngdeutschland.de/europa-erweitert-die-drohnen-linie-der-ukraine/). Selenskij erklärte, dass Kiew die weitreichenden Schläge gegen Russland forcieren werde. Und die Herstellung von Drohnen und Raketen werde dafür erweitert. Der Westen hat Kiew bereits eine Ausdehnung der sogenannten Drohnen-Linie zugesagt, und die Leitung des ukrainischen Unternehmens Fire Point teilte mit, dass „es zu Truppentests der ballistischen FP-7-Rakete übergegangen sei, deren Einsatz im Verlauf der nächsten Wochen erfolgen kann“.

Um den bestehenden Mangel an Militärs in den Truppen zu decken, plant man in der Ukraine, das Einberufungsalter im Rahmen einer Mobilmachung herunterzusetzen und Frauen für eine Auffüllung der Militäreinheiten zu nutzen. Der Prozess der Erfassung ausländischer Söldner für die Truppen, der zu Zeiten des Verteidigungsministers Michail Fjodorow und des Oberkommandierenden der Streitkräfte der Ukraine Alexander Syrskij begonnen hat, dauert an. Wobei die Ukraine mit Unterstützung Europas einen bewaffneten Kampf gegen die Russische Föderation außerhalb der Zone der militärischen Sonderoperation (zu der nach Moskauer Ansicht die gesamte Ukraine gehört – Anmerkung der Redaktion) organisiert. Ausländische Medien berichteten unter Berufung auf ihre Quellen, dass ukrainische Ausbilder in Mali aufständische Tuaregs online schulen würden, Drohnen „gegen die Regierungstruppen und Einheiten des russischen „Afrika-Korps“ einzusetzen. Und in Libyen würden Spezialisten einen Stützpunkt in Misrata (an der Mittelmeerküste, ca. 210 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis – Anmerkung der Redaktion) für den Einsatz von See-Drohnen gegen Tanker der russischen Schattenflotte nutzen.

P. S.

Die Ukraine wird im laufenden Jahr aufgrund des Stillstands der Häfen der Region Großes Odessa (Odessa, Ismail und Juschnyj) selbst bei günstigen Umständen maximal 50 Prozent des Umfangs ihrer Agrarerzeugnisse, die exportiert werden sollten, ausführen können. Dies erklärte am Montag der ukrainische Minister für Agrarpolitik und Lebensmittel Taras Wyssozkij. „Die mehr oder weniger garantiert alternativen Routen können rund 40 Prozent der Mengen bewältigen, die über die Häfen der Region Großes Odessa umgeschlagen wurden. Jetzt werden rund 38 Prozent der Mengen ausgeführt, die exportiert werden. Wenn sich alles günstig gestaltet, kann dieser Wert bis auf 50 Prozent ansteigen. Dies ist aber faktisch das Maximum. Größere Mengen können nicht über die alternativen Routen ausgeführt werden“, sagte der Minister in einem Interview für die Nachrichtenagentur RBC-Ukraine. Wyssozkij erläuterte, dass in diesem Jahr die weltweite Zunahme der Preise für Getreide nicht die die zusätzlichen Ausgaben der ukrainischen Agrarier für die Logistik decken würden. Über dies seien die Kapazitäten der alternativen Routen begrenzt, da ab den Grenzen zu Polen und Rumänien, deren Bahn nicht in der Lage sei, alle potenziellen ukrainischen Getreidemengen zu befördern. Und dies auch noch angesichts der Prognosen, dass in diesem Jahr die Ukraine 1,5 bis 2 Prozent mehr Getreide und Ölkulturen als im vergangenen Jahr ernten wird – insgesamt etwa 80 Millionen Tonnen.