Unabhängige Zeitung

Private Tageszeitung

Die Ukraine ist bereit, eine gewisse Zeit auch ohne Starlink zu kämpfen


Die Widersprüche zwischen Kiew und Washington werden augenscheinlich zunehmen, da der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij erklärte, dass die Streitkräfte der Ukraine weiter Schläge gegen russische Raffinerien führen werden. Zuvor hatten die Amerikaner laut Medienberichten Kiew gewarnt, dass die USA in solch einem Falle „unverzüglich“ den Austausch von Aufklärungsinformationen mit ihm einstellen, das System des satellitengestützten Internets Starlink abschalten und aufhören würden, ihm militärische Hilfe zu leisten.

Bisher ist dies nicht geschehen. Nach Meinung von Beobachtern sei jedoch so etwas möglich. Und folglich bereitet sich das Regime Selenskijs – allem nach zu urteilen – darauf vor, ohne eine Unterstützung der USA Kampfhandlungen gegen Russland zu führen. In diesem Fall hofft es auf die europäischen Partner aus der NATO und der Europäischen Union. Unter solchen Bedingungen würden sich nach Meinung von Experten die Chancen für die Russischen Föderation erhöhen, schneller die Aufgaben der militärischen Sonderoperation zu erfüllen und den Gegner zu zerschlagen. Inwieweit sie aber realisiert werden, wird die Zeit zeigen.

Unter Experten wird die Erklärung des Chefs des amerikanischen Unternehmens SpaceX, Elon Musk, über die Notwendigkeit ein Rücktritts von Selenskij diskutiert, andernfalls „wird das Abschlachten andauern“. Dieser Gedanke erklang nach beinahe analogen Erklärungen des US-Präsidenten Donald Trump.

„Gerade Musk besitzt die Rechte auf Starlink. Und folglich ist er so oder anders in der Lage, de facto die Verteidigungsmöglichkeiten der Ukraine zu beeinflussen“, erklärte der „NG“ der Militärexperte und Generalleutnant im Ruhestand Jurij Netkatschjow. Er ist der Auffassung, dass Trump durch den Diesel-Deal und das Bestreben, die Sanktionen gegen die Russische Föderation zu lockern, Moskau die Möglichkeit gebe, nicht nur seine Wirtschaftslage zu verbessern, sondern auch in einem gewissen Sinne stärkere Positionen bei Verhandlungen zur Beendigung des Konflikts zu besitzen.

Jedoch mache es nach Meinung von Netkatschjow keinen Sinn, sich von solch einer „freundlichen“ Haltung seitens der gegenwärtigen US-Administration betören zu lassen. Nach den Kongress-Wahlen am 3. November könnten sich die außenpolitischen Möglichkeiten von Trump erheblich verringern. Und die Unterstützung für die Ukraine seitens der politischen Elite der USA werden erneut dominieren.

Wie aus den letzten Meldungen des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation deutlich wird, versuchte der Gegner in den letzten 48 Stunden, „Flamingo“-Raketen großer Reichweite und hunderte Drohnen einzusetzen. Diese Zahlen schwanken von Tag zu Tag. Und als am Donnerstagmittag die Zahl von 342 ukrainischen Drohnen genannt wurde, die in den vergangenen 24 Stunden durch die russische Luftverteidigung abgefangen und vernichtet wurden, entstand der Eindruck, dass sich wohl Einschränkungen hinsichtlich der Aufklärungsdaten und der Arbeit von „Starlink“ ausgewirkt hatten, die angeblich am Vorabend durch die Vereinigten Staaten verhängt worden waren. Obgleich am Donnerstagnachmittag die ukrainischen Medien unter Berufung auf Quellen in den Streitkräften der Ukraine bereits „über eine Wiederherstellung der Arbeit der militärischen Starlink-Version“ berichteten. Dabei wurde präzisiert, dass das Verteidigungsministerium der Ukraine weiter die Ursachen für die Einschränkungen in der Arbeit des Satellitensystems Starshield – der militärischen Starlink-Version -, die am 14.Oktober aufgetreten waren, kläre.

Ungeachtet dessen haben sich die Schläge der ukrainischen Armee gegen einige Erdölobjekte auf dem Territorium Russlands als spürbare erwiesen (zum Beispiel in der Nacht zum Donnerstag gegen die Raffinerie in Rjasan – Anmerkung der Redaktion).

Zuvor sprach am 14. Oktober Vizepremier Alexander Nowak über Attacken gegen russische Raffinerien in den Verwaltungsgebieten Saratow und Rjasan. Die offiziellen Reaktionen seitens der USA auf diese Handlungen der Ukraine hielten sich bisher in Grenzen. Dmitrij Peskow, der Pressesekretär des russischen Präsidenten, erklärte, dass „Kiew, indem es die Schläge führt, in einen Widerspruch mit den Friedensinitiativen der USA gerät“.

Vor diesem Hintergrund meldet das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation im Grunde genommen täglich ein erfolgreiches Vorrücken der russischen Truppen an der Front und die Einnahme von Ortschaften. Gemeldet wird ebenfalls die Fortsetzung der russischen Drohnen-Schläge gegen Objekte der Hafen-Infrastruktur der Ukraine, aber auch gegen Hochseeschiffe (wie immer ohne Angaben dessen, unter welcher Flagge sie unterwegs waren – Anmerkung der Redaktion). Dafür wird jedoch jedes Mal betont, dass sie „für die Interessen der Streitkräfte der Ukraine genutzt werden“.

Wie Selenskij in sozialen Netzwerken am Donnerstag mitteilte, seien in den vergangenen 24 Stunden gegen die Ukraine über 850 Drohnen durch die russische Seite eingesetzt worden. Jedoch stimmt Selenskij weder Zugeständnissen noch Kontakten für einen Friedensdialog zu, während er von den Ländern der Europäischen Union um neue militärische und finanzielle Hilfe bittet und die „verräterische Position der gegenwärtigen US-Administration“ akzentuiert.

Medien zitierten aktiv Erklärungen des EU-Vertreters Thomas Renier, der über einige Möglichkeiten für eine Anbindung der Ukraine an das Programm für eine sichere Satellitenkommunikation Govsatcom berichtete, das angeblich zu einer Alternative zum amerikanischen Starlink-System von Elon Musk werden könne. Das europäische System wird erst entwickelt. Und inwieweit es aus militärischer Sicht für die Ukraine nützlich sein wird, wenn man für sie auf einmal Starlink abschaltet, ist unbekannt. Renier deutete aber an, dass Kiew nicht früher als im kommenden Jahr von diesem Programm profitieren könne.

Derweil hat Kiew scheinbar Hoffnungen auf den Erhalt von Aufklärungsdaten nicht nur von den USA, sondern auch von europäischen Verbündeten. „Zwei Drittel der Aufklärungsinformationen, die die Ukraine erhält, kommen von den europäischen Ländern, vor allem von Frankreich“, erklärte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot in einer Sendung von France Inter. Nach seinen Worten würden die europäischen Länder unter anderem Satellitenbilder übergeben, die Kiew für das Ausmachen von Zielen nutze. Seine Worte erklangen vor dem Hintergrund der Meldungen über die Androhungen der USA, den Informationsaustausch aufgrund der Schläge gegen russische Raffinerien einzuschränken. Barrot erklärte gleichfalls, dass die Europäer den Hauptteil der Unterstützung für die Ukraine gewährleisten würden. Nach seinen Worten habe die EU in den letzten Tagen sechs Milliarden Euro an Kiew überwiesen.

Wie die „The Financial Times“ unter Berufung auf drei Quellen, die mit der Vorbereitung des EU-Gipfels in Brüssel vertraut sind, hätten die Staats- und Regierungschefs der Länder der Europäischen Union beabsichtigt, Wladimir Selenskij aufzufordern, die öffentliche Kritik an Donald Trump abzuschwächen. Das Blatt meldete, dass die europäischen Politiker befürchten würden, dass dessen scharfen Äußerungen noch stärker die Beziehungen Washingtons und Kiews belasten könnten. Jedoch würden sie nicht die Hilfe für Kiew aufgeben, im Gegenteil, sie wollen sie verstärken.

P. S.

Öffentliche Kritik an der scharfen Selenskij-Rhetorik gegenüber Trump wurde beim Brüsseler EU-Gipfel, der am Freitag zu Ende ging, nicht geübt. Derweil erklärte die Estin Kaja Kallas, die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, am Freitag, dass die Europäische Union in der nächsten Zeit der Ukraine keinen Ersatz für das amerikanische Starlink-System anbieten könne. „Die Ukraine braucht wirklich Starlink. Leider kann aber Europa in der nächsten Zukunft diese Technologie nicht ersetzen“, sagte Kallas gegenüber Journalisten in der belgischen Hauptstadt. Und sie fügte hinzu, dass aus diesem Grunde in der EU Diskussionen zu Fragen der Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses geführt werden.