Präsident Wladimir Selenskij hat die früher formulierte Idee hinsichtlich einer Teilnahme ukrainischer Militärs an der Verteidigung der Länder des Nahen Ostens vor iranischen Drohnen mit neuen Bedingungen versehen. Er erklärte, dass er bereit sei, die Erfahrungen seiner Spezialisten auf dem Gebiet des Systems der Luftverteidigung weiterzugeben sowie den USA und deren Verbündeten in der Ukraine hergestellte Abfang-Drohnen zu verkaufen, wenn man Kiew im Gegenzug teure Patriot-Abwehrraketen zur Verfügung stellt. Dabei gestaltet sich die Situation in der Zone der russischen Sonderoperation bei weitem nicht zugunsten der ukrainischen Truppen. Und die Verhandlungen Kiews mit Moskau sind ins Stocken geraten.
Dass die USA und eines der Länder der Golf-Region Verhandlungen über den Erwerb ukrainischer Abfangmittel für eine Abwehr von Attacken iranischer Drohnen führen würden, berichtete die britische „Financial Times“. Das Blatt verwies dabei auf ukrainische Quellen im Rüstungsindustrie-Komplex des Landes. Die Zeitung betonte, dass die Kräfte der Luftverteidigung der Länder des Persischen Golfs für die Verteidigung vor iranischen Drohnen teure Raketen amerikanischer „Patriot“-Systeme einsetzen würden, obgleich man billigere ukrainische Drohnen nutzen könne. Während der Preis einer „Schahed“-Drohne ganze 30.000 Dollar ausmachen würde, würden sich die Kosten für eine Abfangrakete, solch eine wie die PAC-3, die im „Patriot“-System genutzt wird, auf 13,5 Millionen Dollar belaufen, präzisierte die „Financial Times“.
Dass sich die Partner an Kiew zwecks Hilfe bei der Organisation einer Bekämpfung der iranischen „Schahed“-Drohnen gewandt hätten, hatte früher auch Selenskij selbst erzählt: „Unsere Militärs verfügen über die notwendigen Möglichkeiten. Ukrainische Experten werden vor Ort arbeiten. Und die Kommandos vereinbaren dies bereits. Und wir sind bereit zu helfen, Leben zu schützen, Zivilisten zu schützen und die realen Anstrengungen für eine Stabilisierung der Situation und unter anderem für die Wiederherstellung einer sicheren Schifffahrt in der Region zu unterstützen“. Die Ukraine führe nach seinen Worten Konsultationen mit Partnern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, aus Katar, Jordanien und Bahrein durch. Die Ukraine müsse die Länder des Persischen Golfs unterstützen, ohne die eigene Verteidigung zu schwächen, betonte der Präsident.
Nun hat Selenskij seinen Gedanken weiterentwickelt. „Ich habe es völlig offen gesagt: Wir haben einen Mangel an dem, was sie haben“, erklärte er. „Sie haben Raketen für die „Patriot“. Aber mit Raketen für die „Patriot“ werden sie nicht hunderte oder tausende „Schahed“-Drohnen abschießen. Dies sind teure (Waffen – „NG“). Und wir haben einen Mangel an Raketen vom Typ PAC-2 und PAC-3. Daher, wenn von einem Austausch von Technologien gesprochen wird, von einem Austausch von Waffen, denke ich, dass unser Land dafür offen sein wird“. Es sei betont, dass die ukrainischen Luftabwehrdrohnen nach Meinung einer Reihe von Experten gerade erst entwickelt werden würden und unter Gefechtsbedingungen nicht richtig getestet worden seien.
Früher hatte Selenskij gleichfalls gesagt, dass die Ukraine bereit sei, die besten Spezialisten hinsichtlich eines Abfangens iranischer Drohnen in den Nahen Osten zu entsenden, und zwar in dem Fall, dass die Staatschefs der Region Russland davon überzeugen, einem einmonatigen Waffenstillstand mit der Ukraine zuzustimmen.
Bisher haben offizielle Vertreter aus den USA und aus den Ländern des Persischen Golfs keine Absicht signalisiert, ukrainische Abfangdrohnen zu erwerben. Obgleich Vizeadmiral Charles Bradford Cooper darüber, dass man im Pentagon nachgedacht hätte, wie man kostspielige Flugabwehrraketen PAC-2 und PAC-3 bei der Vernichtung von Drohnen sparen könne, vor kurzem, noch vor Beginn des Krieges gegen den Iran Senatoren im Verlauf von Anhörungen zur Bestätigung seiner Kandidatur für das Amt des Chefs des United States Central Command (CENTCOM) berichtet hatte. „Wir sind von einem Schießen mit Raketen mit einem Preis von zwei Millionen Dollar auf Drohnen mit einem Wert von 100.000 Dollar zum Einsatz modifizierter Raketen aus den Zeiten des Vietnam-Kriegs mit einem Wert von 25.000 Dollar zwecks Vernichtung eben dieser Drohnen übergegangen“, hatte er unterstrichen. Spezialisten betonten, dass der CENTCOM-Chef die kostengünstige veraltete, aber nach wie vor für eine Vernichtung von Drohnen effektive Luftabwehrrakete vom Typ Sidewinder (AIM-9) mit einem Infrarot-Selbstsuchkopf für die bodengestützten Luftabwehrsysteme NASAMS gemeint hatte. Die gleichen Raketen werden auch modernen amerikanischen Jagdflugzeugen für eine Bekämpfung von Luftzielen untergehängt.
„In den Depots der NATO-Länder gibt es rund 200.000 Raketen des Typs AIM-9“, berichtete der „NG“ der Militärexperte und Generalleutnant im Ruhestand Jurij Netkatschjow. „Die müssen augenscheinlich ausreichen, damit das Pentagon und seine Verbündeten die iranischen Drohnen bekämpfen können. Die ukrainischen Luftabwehrdrohnen kosten beinahe genauso viel wie die Sidewinder. Doch die amerikanischen Raketen haben sich in der 70jährigen Geschichte ihrer Nutzung bereits bei der Bekämpfung von Luftzielen bewährt, während die Drohnen, über die man in Kiew spricht, bisher nur in ukrainischen Propaganda-Clips demonstriert werden“. Der Experte erinnerte daran, dass laut Angaben von Spezialisten die „Schahed“-Drohnen die Ziele des Gegners mit einer großen Wahrscheinlichkeit vernichten würden. Und daher werde selbst die amerikanische Luftabwehr unter Einsatz von AIM-9-Kampfmitteln mit ihnen bisher nicht sehr gut fertig. Zahlreiche Fotobeweise von „Schahed“-Schlägen gegen Stützpunkte der USA und andere Objekte in der Golf-Region belegen die Effizienz der iranischen Attacken.
Wie die amerikanische Zeitung „The New York Times“ schrieb, würden die Befürchtungen hinsichtlich einer Erschöpfung der Reserven des Pentagons im Nahen Osten durch Zahlen bestätigt werden. Laut Angaben des Zentralen Kommandos der USA habe der Iran in den ersten fünf Tagen des Konflikts über 500 ballistische Raketen und über 2000 Drohnen eingesetzt. Obgleich viele von ihnen abgefangen wurden verringere solch ein Tempo die Möglichkeiten des Pentagons, Luftabwehrmittel gegen die Drohnen des Irans einzusetzen, betonte das Blatt. Der Iran aber demonstriere die Fähigkeit zu einer Fortsetzung der Kampfhandlungen. Und die USA würden im Zusammenhang damit so viel wie möglich an militärischen Ressourcen einsetzen. „Dies bedeutet, dass die Ukraine auf keine wirksame militärische Hilfe von den USA zu warten braucht. Und eine Teilnahme ihrer Militärs am Konflikt im Nahen Osten wird nur die Situation an der ukrainischen Front verschlimmern“, betont Netkatschjow.
Der Analytiker unterstreicht, dass die russischen Truppen sicher die Initiative an allen Abschnitten in der Zone der militärischen Sonderoperation in ihren Händen hätten, und prognostiziert, dass eine Verringerung der Waffenlieferungen an die Ukraine der Armee der Russischen Föderation an der Front helfen werde, wenn gleich auch nicht sofort. Laut letzten Meldungen des Verteidigungsministeriums hätten Einheiten der Truppengruppierung „Westen“ jüngst die Ortschaft Jarowaja in der Donezker Volksrepublik unter ihre Kontrolle gebracht. Bis zum Hauptbollwerk der ukrainischen Truppen im Donbass – bis Slawjansk – sind ihnen ganze 12 Kilometer geblieben.