Unabhängige Zeitung

Private Tageszeitung

Die Ukraine organisiert die Rüstungsproduktion um


In den vergangenen 24 Stunden seien 780 ukrainische Drohnen, die das Territorium der Russischen Föderation attackierten, neutralisiert worden, meldete am Mittwochmittag des Verteidigungsministerium Russlands. Die Tage zuvor waren es 1054, 265 bzw. 651 Drohnen, die neutralisiert wurden. Die bisher mächtigste Attacke in diesem Jahr hatten die Einheiten der Luftabwehr in der hauptstädtischen Region am Sonntag abgewehrt, wo etwa 120 Drohnen vernichtet wurden. Die russischen Militärs führten dementsprechend Schläge gegen Orte für den Zusammenbau von Drohnen in der Ukraine und gegen Stationierungspunkte von Einheiten der Streitkräfte der Ukraine in 164 Regionen sowie gegen Objekte der Transport- und Infrastruktur, die unter anderem für die ukrainische Armee genutzt werden. Aber nicht nur für die. Vollkommen die Lieferungen von Waffen für die Streitkräfte der Ukraine zu unterbinden, wird gleichfalls schwieriger. Die Orte für die Herstellung von Erzeugnissen für die Verteidigung sind auf die ganze Ukraine verteilt worden. Und ein wesentlicher Teil kommt aus Betrieben, die in Europa beheimatet sind.

Die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen teilte mit, dass die EU die Unterstützung für die Ukraine verstärken werde. Nach ihren Worten werde die Vorbereiutngines Hilfspakets für die Ukraine im Umfang von sechs Milliarden Euro für den Erwerb von Drohnen abgeschlossen. Eine beschleunigte Lieferung von Luftabwehrsystemen in die Ukraine kündigte Großbritanniens Verteidigungsminister John Healey an.

Über den Verkauf und die Herstellung von Munition des Kalibers 155 mm für die Streitkräfte der Ukraine sprachen offizielle Vertreter der Slowakei und Norwegens.

Aus der Ukraine kommen Meldungen, wonach Rüstungsunternehmen Produktionskapazitäten in verschiedene Landesteile und ins Ausland verlegen würden, um den Schaden durch potenzielle Schläge der Russischen Föderation zu verringern. Laut einer Mitteilung der ukrainischen Firma Skyeton, die sich mit der Entwicklung von Drohnen-Technologien für die Streitkräfte der Ukraine befasst, ist im Ergebnis einer russischen Attacke in der vergangenen Woche ihr Kiewer Office vernichtet worden. Die hauptsächlichen Produktionsstätten seien jedoch erhalten geblieben, da sie an andere Orte verlegt worden waren, teilten Skyeton-Vertreter mit. Und wie der Chefkonstrukteur des ukrainischen Unternehmens Fire Point Denis Shtilerman gegenüber dem britischen Blatt „The Financial Times“ erklärte, sei die Waffenproduktion seiner Firma dezentralisiert worden und erfolge in etwa 70 Filialen in der ganzen Ukraine, damit „Russland nicht alle Produktionslinien zerstören kann“.

Über eine „Garagen-Fertigung“ von Waffen und Technik für die Bedürfnisse der Armee hatte auch der Kommandierende der Drohnen-System-Truppen Robert Brovdy (bekannt auch mit dem Namen „Magyar“ aufgrund seiner ungarischen Herkunft – Anmerkung der Redaktion) gesprochen. Er gestand ein, dass seine Truppen und die „Drohnen-Linie“ nur an der Hälfte der Front effektiv handeln würden. Und die Tiefe für eine Vernichtung von Zielen durch sie mache ganze 1,5 Kilometer aus. Nach seinen Worten seien die vorrangigen Ziele für die weitreichenden Drohnen nicht nur Militärobjekte, sondern auch Unternehmen des Militär-Industrie-Komplexes sowie des Brennstoff- und Energiekomplexes der Russischen Föderation.

Aufmerksamkeit lösen die Informationen aus, wonach der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij versprach, die Anzahl der Schläge gegen die Russische Föderation nicht nur mittels Drohnen zu forcieren, sondern auch mit den weitreichenden „Flamingo“-Raketen, die angeblich in der Lage seien, bis zu 3000 Kilometer mit einem Gefechtskopf von bis zu einer Tonne weit zu fliegen. Eine solcher Raketen wollen russische Einheiten der Luftabwehr am vergangenen Wochenende abgeschossen haben. Wie die „Financial Times“ schrieb, hätte Shtilerman gesagt, dass Fire Point rund 200 „Flamingo“-Raketen im Monat herstellen würde. Es gebe aber die Möglichkeit, den Produktionsumfang zu erhöhen. „Wir brauchen einfach Aufträge und Geld“, sagte er, wobei er erklärte, dass bald das Problem der „geringen Leistungsfähigkeit im Zusammenhang mit der Herstellung von Antrieben“ gelöst werde. Zuvor hatten westliche Medien über Pläne von Shtilerman berichtet, „Flamingo“-Raketen auf die Moskauer Region auszurichten.

„In diesen Erklärungen gibt es viel Informationspropaganda. Aber die „Flamingo“-Raketen stellen in der Tat eine große Bedrohung für die Sicherheit Russlands dar. Die Einheiten der Streitkräfte der Russischen Föderation müssen weiter die Fertigung dieser und anderer Raketen von Fire Point auf dem Territorium der Ukraine fortsetzen. Und darüber nachdenken, wie zu handeln ist, um die Herstellung ukrainischer Drohnen und Raketen in den europäischen Ländern zu neutralisieren“, erklärte gegenüber der „NG“ der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Nikolaj Schulgin.

Nach seinen Worten würden laut Angaben der ukrainischen Statistik und laut Informationen von Vertretern des Verteidigungsministeriums der Ukraine rund ein Drittel der Drohnen-Attacken gegen Ziele auf dem Territorium Russlands mittel weitreichenden Drohnen des Unternehmens Fire Point durchgeführt werden. Dies sind Drohnen des Typs FP-1, die über eine Entfernung von bis zu 1200 Kilometer fliegen können, und die FP-2-Drohnen mittlerer Reichweite, deren Wirkungsradius bis zu 200 Kilometer beträgt. Laut Medien-Angaben würden Drohnen dieser Klasse mit Geldern der deutschen Bundesregierung eingekauft werden. In den Medien sind Informationen aufgetaucht, dass Komponenten für die Raketen von Fire Point ebenfalls in der Bundesrepublik Deutschland gefertigt werden. Unter anderem Benzin-Triebwerke für die FP-1-Drohnen, die das deutsche Unternehmen 3W Modellmotoren mit Sitz in Hanau baut. Ihre Leistung beträgt ganze 30 PS. Dies sei aber ausreichend, damit eine Drohne einen Gefechtskopf mit einer Masse von bis zu 120 Kilogramm über eine Reichweite von mehr als 1000 Kilometer trägt, betonte Schulgin.

Wie die „Financial Times“ berichtete, erörtere Deutschland derzeit die Perspektive eines Ersetzens amerikanischer Tomahawk-Flügelraketen durch „Flamingo“-Raketen in der Bundeswehr. Im April dieses Jahres hätten der anglo-ukrainische Konzern Fire Point und der deutsche Raketenbauer Diehl Defence (mit Sitz in Überlingen am Bodensee in Baden-Württemberg – Anmerkung der Redaktion) angeblich ein Abkommen über eine technologische Zusammenarbeit unterschrieben. Die „Financial Times“ unterstrich, dass Shtilerman den Deal nicht bestätigen wollte, aber gesagt hätte, dass Unternehmen der Ukraine und der BRD an der Schaffung eines Luftverteidigungssystems in Europa arbeiten würden. Das System, das den Namen FREYA erhielt, soll FP-7-Raketen von Fire Point als Abfangraketen verwenden, betonten britische Journalisten.

Die Perspektive einer weiteren Internationalisierung des Konflikts in der Ukraine belegen Schritte des Verteidigungsministeriums in Kiew, das begonnen hat, in einem speziellen Register Militärs „mit Fremdsprachenkenntnissen und Erfahrungen ihrer Nutzung im Dienst“ zu erfassen. Das ukrainische Verteidigungsministerium macht keinen Hehl daraus, dass dies helfen werde, „effektiver Personen mit Fremdsprachenkenntnissen zu gemeinsamen Aufgaben mit Ausländern hinzuziehen“.