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Die Ukraine schickt sich an, die antiballistische Koalition zu verstärken


Die ukrainischen Militärs werden nach wie vor auf weitreichende Schläge gegen die Russische Föderation setzen. Präsident Wladimir Selenskij billigte am 4. August einen Plan für derartige Operationen im August dieses Jahres bei einem Treffen mit dem amtierenden Chef des Sicherheitsdienstes der Ukraine Alexander Poklad. Und am Vorabend beauftragte Selenskij das diplomatische Korps, dem Projekt Freya Unterstützung zu leisten, das mit den europäischen Partnern eine gemeinsame Entwicklung und Fertigung von Luftverteidigungssystemen (gegen ballistische Raketen) vorsieht, die in der Lage sein sollen, den ballistischen Zielen schon im Jahr 2027 Paroli zu bieten.

Die Ukraine brauche 100 Systeme im Rahmen des Freya-Projekts für einen Schutz des Himmels, betonte Selenskij bei einem Treffen mit ukrainischen Botschaftern. Kiew können die Raketen und Startrampen schaffen, doch von den Partnern seien Radaranlagen, Sensoren und andere Elemente erforderlich.

Dies ist eine Tatsache und entscheidende Sache, die Zusammenarbeit mit den europäischen Staaten, die Zusammenarbeit mit jenen unserer Partnerunternehmen, die Radare haben, die Sensoren und alles übrige haben, was für ein wirksames antiballistisches System notwendig ist. Und mit all diesen Unternehmen, mit allen erforderlichen Ländern haben wir bereits Vereinbarungen“, berichtete Selenskij. Die Rede ist von zehn Staaten, den Teilnehmern an der antiballistischen Koalition: die Ukraine, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden und Großbritannien, aber auch zwölf Unternehmen, die sich dieser Initiative angeschlossen haben. Medien berichtete, dass dem Projekt schon Eurosam, Leonardo, Thales, Saab, немецкая Hensoldt и другие производители beigetreten seien.

Die sogenannte antiballistische Koalition haben die Partner der Ukraine vor weniger als einen Monat geschaffen, als am 13. Juli die Ukraine und neun europäische Länder in Frankreich eine gemeinsame Deklaration über die Etablierung einer „integrierten Koalition für eine Raketenabwehr“ unterzeichneten. „Indem wir unsere Rüstungsindustrie-Basis, unsere Forschungen und unsere operativen Erfahrungen vereinigen, sind wir bestrebt, ein gemeinsames Anti-Raketenpotenzial für Europa zu schaffen und die entsprechenden Maßnahmen zu unterstützen. Wir tun dies nicht gegen irgendein Volk, sondern für einen Schutz unseres eigenen“, heißt es in dem Dokument. Gleichfalls war in ihm davon die Rede, dass die europäischen Unternehmen die Entwicklung und Herstellung der Schlüsselelemente zwecks Unterstützung der ukrainischen Initiativen – der Radaranlagen, der Mittel für ein Feststellen sowie der Lenk- und Zielsuchsysteme – übernehmen werden.

Bei dem Treffen mit dem Diplomaten-Korps am 3. August rief Selenskij auf, auch andere Länder und Rüstungsunternehmen in das Freya-Projekt zu involvieren und das Projekt an sich im Jahr 2027 auf den Weg zu bringen. Zuvor war gemeldet worden, dass als Hauptentwickler des Projekts von Seiten der Ukraine das private Rüstungsunternehmen Fire Point auftrete, das die weitreichenden Drohnen FP-1 und FP-2 sowie die Flügelrakete „Flamingo“ entwickelte, die bereits gegen das Territorium der Russischen Föderation aktiv eingesetzt werden. Derzeit konstruiert Fire Point (das lt. Meldungen des russischen Verteidigungsministeriums ebenfalls schon Ziel von entsprechenden nächtlichen Raketen- und Drohnenangriffe Russlands geworden sei – Anmerkung der Redaktion) eine leichte Startrampe mit FP-7-Abfangraketen für die Luftverteidigung. Sie könne in die europäischen Funkortungssysteme sowie Steuer- und Kontrollsysteme integriert werden, hatte bereits im Mai Fire-Point-Chef Denis Shtilerman dem Nachrichtenportal Politico mitgeteilt. Dieses Projekt ist bereits ein internationales, da die Abfangraketen mit selbst Ziele suchende Gefechtsköpfe des deutschen Unternehmens Diehl Defence (mit Sitz in Überlingen am Bodensee – Anmerkung der Redaktion) ausgestattet werden sollen. Gemeldet wurde, dass die FP-7 die bereits zu Zeiten der UdSSR entwickelte Luftabwehrrakete 5B55/48H6 für die S-300P-Luftabwehrsysteme sei. „Zu Sowjetzeiten stellte man Raketen dieser Serie in dem Betrieb „Vizar“ bei Kiew her, folglich hat die Ukraine alle erforderlichen Technologien“, erläuterte Ruslan Puchow, Direktor des Zentrums für die Analyse von Strategien und Technologien. Doch er, wie auch andere Experten, sind der Auffassung, dass die FP-7-Rakete wohl kaum innerhalb des Zeitraums geschaffen werde, die Selenskij genannt hatte, doch sei es durchaus möglich, das System innerhalb von zwei Jahren zu einer Serienfertigung und zu einem gefechtsbereiten Status zu bringen.

Nach Einschätzungen anderer Experten werde es wohl kaum gelingen, das Freya-Projekt schnell zu realisieren. Es müssten viele organisatorische und technische Probleme geklärt werden. „Bisher stellt Freya eher eine Absicht denn eine reale Waffe dar. Die Koalition hat sich noch nicht einmal mit den Kosten für die Entwicklung festgelegt. Der vorgeschlagene Zeitplan ist für das System, das für ein Abfangen von ballistischen Raketen vorgesehen ist, ein sehr kühner. Und selbst wenn das Versuchsmuster erfolgreich auf einem Testgelände arbeitet, ist dies noch sehr weit von einer Batterie, die Kiew absichert“, erklärte dieser Tage der amerikanische Experte Andrew Latham, Professor für internationale Beziehungen und politische Theorie am Macalester College in Saint Paul, US-Staat Minnesota. Gleichfalls muss berücksichtigt werden, dass die russische Rüstungsindustrie nicht auf der Stelle tritt und bereits massenhaft eine ganze Linie hochtechnologischer Waffen produziert, die imstande sind, die Luftverteidigung der Ukraine zu überwinden.

Laut Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau seien in der Nacht zum Mittwoch Schläge gegen Häfen, Schiffe (wie stets ohne Angabe dessen, unter welcher Flagge sie fahren – Anmerkung der Redaktion) und die Hafen-Infrastruktur der Ukraine geführt worden (Angaben für die Nacht zum Donnerstag lagen bei Redaktionsschluss für den vorliegenden Beitrag noch nicht komplett vor – Anmerkung der Redaktion). Unter den getroffenen Objekten sollen der Schwarzmeer-Betrieb für Autobauteile und ein Hafenterminal von Tschernomorsk gewesen sein. Die Streitkräfte der Ukraine haben weiter versucht, die Russische Föderation zu attackieren, indem mindestens 753 Drohnen des Flugzeugtyps in der Nacht zum Mittwoch und 605 in der Nacht zum Donnerstag eingesetzt wurden. Wie der Gouverneur des Moskauer Verwaltungsgebietes Andrej Worobjow am Mittwoch mitteilte, kamen fünf Menschen im Ergebnis eines Angriffs durch ukrainische Drohnen gegen die Industriezone Nowoselok in der bei Moskau gelegenen Stadt Tschechow ums Leben. Dort war es zu mehreren Bränden gekommen. Der größte – in einem Lagerkomplex. Beschädigt wurden eine Trafostation und ein Verwaltungsgebäude. Drohnen der ukrainischen Armee haben auch wieder Lagerkomplexen des Online-Händlers Wildberries Schaden zugefügt, dieses Mal in Krasnyj Bor des Leningrader Verwaltungsgebietes und in der Siedlung Emmauss des Verwaltungsgebietes Twer.

Selenskij hatte bei dem Treffen mit ukrainischen Botschaftern gleichfalls mitgeteilt, dass jetzt eines der Hauptziele Kiews der Schutz vor russischen Drohnen- und Raketenattacken sei. Ukrainische und westliche Medien haben die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass die Streitkräfte der Russischen Föderation in der letzten Zeit begonnen hätten, neue Waffen einzusetzen, die schwer mit Abfangdrohnen und gar Raketen solcher Systeme wie das Patriot-System zu bekämpfen seien.

Gemeldet wurde unter anderem, dass Russland im Juli zu einem massenhaften Einsatz der neuen kostengünstigen S8000-Flügelraketen geringer Abmessungen „Banderol“ (deutsch: „Päckchen“) übergegangen sei. Ihr Gefechtskopf wiegt über 100 Kilogramm. Und das reaktive Triebwerk gewährleistet eine Fluggeschwindigkeit von 550 bis 600 km/h bei einer Reichweite von bis zu 500 km. Das russische Verteidigungsministerium demonstriert gleichfalls regelmäßig den Einsatz der Geran-4-Seeker-Drohnen, die ebenfalls mit einem reaktiven Triebwerk ausgestattet sind und einen Gefechtskopf mit einer Masse von über 120 kg besitzen.

P. S.

Derweil hat am Mittwoch Wladimir Selenskij beklagt, dass die westlichen Länder im laufenden Jahr um zwei Drittel die Lieferungen von Raketen für Luftabwehrsysteme verringert hätten. „In diesem Jahr haben sich leider die Lieferungen antiballistischer Raketen von den Partnern erheblich verringert. Die Anzahl der Raketen für die Luftverteidigung in den Lieferungen ist um zwei Drittel zurückgegangen, wenn man mit dem Jahr 2025 vergleicht“, schrieb der ukrainische Präsident im Telegram-Messengerdienst. Dabei betonte Selenskij, dass es nicht nur um die Sommerzeit gehe, „sondern um alle Perioden des ersten Halbjahres des Jahres 2026“.

Daher erklärten die ukrainischen Offiziellen nicht ohne Grund mehrfach, dass ein Mangel an Luftverteidigungsmitteln bestehe, wobei gehofft wird, neue Lieferungen von den westlichen Verbündeten zu erhalten.