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Die Ukraine wird SCALP-Flügelraketen herstellen, aber wo – ist unklar


Die Werchowna Rada hat zum 20. Mal den Kriegszustand in der Ukraine – bis zum 31. Oktober 2026 – verlängert. Bis zu diesem Zeitpunkt werden die Streitkräfte der Ukraine an Manövern der „Koalition der Willigen“ im September in Polen teilnehmen. Neben den Manövern wollen Vertreter Frankreichs, Großbritanniens, Deutschlands und anderer europäischer NATO-Länder mit der Ukraine eine gemeinsame Fertigung von Waffen organisieren, unter denen der SCALP-EG-Marschflugkörper – eine analoge Flügelrakete zu den Storm-Shadow-Raketen – sein wird.

Wie der polnische Premier Donald Tusk erklärte, würden die Manöver der „Koalition der Willigen“ internationale, ihre Hauptteilnehmer aber die Franzosen und Briten sein. Polen wie auch Spanien, Italien und Bulgarien haben eine militärische Präsenz in der Ukraine nach Beendigung des Konflikts abgelehnt. Gemäß der im Januar dieses Jahres in Paris unterzeichneten Deklaration über die MNF-U (Multinational Force – Ukraine) soll jedoch das Kontingent der Länder dennoch dort ein repräsentatives sein.

Die Stäbe der Streitkräfte der Ukraine in Polen sollen augenscheinlich mit der „Koalition der Willigen“ zusammenwirken, da geplant ist, dass sie an der Schaffung von Militärstützpunkten, am Schutz des Luft- und maritimen Raums der Ukraine und an anderen Missionen teilnehmen werden.

Die USA, die sich beim jüngsten NATO-Gipfeltreffen in Ankara verpflichteten, die Ukraine zu unterstützen, reagieren in keiner Weise auf die Pläne der „Koalition“. „Solange der reale Beitrag der USA ein unbestimmter bleibt und die MNF-U an sich juristisch bis zum Einsetzen eines Waffenstillstands nicht funktionieren kann, sieht diese ganze Demonstration von Entschlossenheit mehr wie Proben auf dem Papier denn als ein militärischer Mechanismus, der zu einer Entfaltung bereit ist, aus“, schlussfolgern die Analytiker des russischen Telegram-Kanals Rybar (wird von Michail Swintschuk, einem ehemaligen Mitarbeiter des Pressedienstes des russischen Verteidigungsministeriums, geleitet, hat über 1,3 Millionen Abonennten und ist mit Sanktionen der EU belegt worden – Anmerkung der Redaktion) in Bezug auf die geplanten Manöver in Polen.

Jedoch erscheint die militärische Hilfe für Kiew ganz und gar keine auf dem Papier zu sein. Sie erreicht ein neues Niveau, das mit der Integration der ukrainischen Rüstungsindustrie in die europäischen Rüstungsindustrie-Strukturen verbunden ist. Spitzenvertreter Dänemarks, Frankreichs, Deutschlands, Italiens, der Niederlande, Norwegens, Spaniens, Schwedens, der Ukraine und Großbritanniens haben den Beginn der Etablierung einer „antiballistischen Koalition“ bekanntgegeben. Eine besondere Rolle wird in der der Ukraine eingeräumt, die angeblich in der Lage sei, technische Lösungen für einen Schutz vor ballistischen Raketen zur Verfügung zu stellen. „Die Koalition ist nicht gegen irgendwen gerichtet, sondern dient ausschließlich für einen Schutz der europäischen Bürger“, schrieben französische Medien, wobei sie den Präsidenten der Ukraine Wladimir Selenskij zitierten, der versprochen hatte, dass im Verlauf der nächsten zwölf Monate das gemeinsame System für einen antiballistischen Schutz „Freya“ in Europa bereits funktionieren werde.

Das Projekt für das ukrainische System „Freya“ entwickelt das Unternehmen Fire Point, das angeblich bereits die FP-7-Abwehrrakete geschaffen habe. Alles Übrige inklusive der Funkortungsstation für ein Auffinden und die Zielvorgabe, des Kommandopunktes und der Selbstsuchsystems für die Abwehrrakete sollen Unternehmen aus europäischen Ländern zur Verfügung stellen. Die Autoren des Telegram-Kanals „bmpd“ weisen darauf hin, dass die FP-7-Rakete von der Konstruktion her auf der Grundlage der Luftabwehrrakete 5B55/48H6 für den S-300-Raketenwerfer geschaffen wurde, den man zu Sowjetzeiten in der Ukraine im Betrieb „Vizar“ montiert hatte. Der Preis für ein Exemplar einer FP-7-Rakete wird mit 700.000 Dollar beziffert. Geplant ist, den ersten Test solch einer Abwehrrakete mit einem realen Abfangen eines ballistischen Ziels Ende dieses Jahres durchzuführen.

Irgendwelche seriösen Bewertungen für dieses Vorhaben sind in westlichen Medien kaum zu finden (aber z. B. auf https://www.hartpunkt.de/guenstige-marschflugkoerper-und-einweg-kampfdrohnen-sind-kein-ersatz-fuer-high-end-waffensysteme/). Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte aber, dass Paris und Kiew eine Roadmap für den Erwerb von 16 französischen Rafale-Jagdflugzeugen, die sowohl Luft- als auch Bodenziele abfangen können, durch Kiew abgestimmt hätten. Diese französischen Flugzeuge sollen in den Jahren 2028-2029 beginnen, Aufgaben im ukrainischen Luftraum zu erfüllen. Und gegenwärtig würden die Seite eine Ausbildung ukrainischer Piloten organisieren. Außerdem werde laut Aussagen von Macron die Ukraine eine Lizenz für die Herstellung einer Reihe von französischen Waffenarten inklusive der SCALP-Marschflugkörper, der hochpräzisen lenkbaren Fliegerbomben AASM und der Aster-30-Raketen für Luftabwehrkomplexe – konkret für die Raketenabwehrsysteme SAMP/T – erhalten.

Aus dieser Liste wird ersichtlich, dass die hauptsächlichen Waffen, die in die Ukraine gelangen sollen, Angriffswaffen sind. Besonders beeindrucken die zugesagten Lieferungen von Dassalt-Rafale-Mehrzweck-Jagdflugzeugen der vierten Generation, die sich in der Bewaffnung Frankreichs und von acht weiteren Ländern des Nahen Ostens und Europas befinden. Diese Jets sind in der Lage, hochpräzise Flügelraketen des Typs Storm Shadow/SCALP-EG (mit einer Reichweite von über 500 km und einem Sprengkopf mit einer Masse von 500 kg) und die hochmobilen Modul-Kampfsätze mit einer erhöhten Reichweite AASM Hammer (präzisionsgelenkte Gleitbomben mit einer Reichweite von bis zu 70 km und einer Masse von 50 kg bis einer Tonne) zum Einsatz zu bringen. Sie will die Ukraine selbst herstellen. Bisher ist aber unklar wo. Wahrscheinlich werden ukrainische Ingenieure und Spezialisten zu diesen Projekten auf dem Territorium Frankreichs oder anderer Länder hinzugezogen.

SCALP ist eine analoge Version der britischen Flügelrakete Storm Shadow. Daher hatte Macron, als er von einer Übergabe der Herstellung dieser Raketen an die Ukraine sprach, gemeint, dass dieses Projekt mit London abgestimmt worden sei. Und die Briten werden augenscheinlich gleichfalls daran teilnehmen“, erklärte der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Nikolaj Schulgin gegenüber der „NG“. Er erinnerte daran, dass die Luft-Boden-Bomben AASM Hammer gemeinsam mit Indien herstelle. Und möglicherweise werde man jetzt die Ukraine zu diesem Projekt hinzuziehen. „Die Batterien des Raketenabwehrsystems SAMP/T sind in der Lage, Kampfflugzeuge in einer Entfernung von drei bis einhundert Kilometer und ballistische Raketen in einer Entfernung von 3 bis 25 km abzuschießen. Sie werden in der Ukraine sehr gebraucht. Und die Streitkräfte der Ukraine haben sie bereits erhalten. Jetzt wird die Ukraine die Raketen für diese möglicherweise selbst herstellen“, konstatiert Schulgin.

P. S.

Vor diesem Hintergrund sind die Angriffe der russischen Streitkräfte gegen Objekte der ukrainischen Rüstungsindustrie keine Überraschung. Am Donnerstag meldete in den Morgenstunden das Verteidigungsministerium in Moskau, dass in der Nacht das Kiewer Unternehmen PAO „Rapid“, das Drohnen großer und mittlerer Reichweite herstelle und lagere, getroffen worden sei. Das Unternehmen „Kiew-1“, in dem Kampf- und Aufklärungsdrohnen gebaut werden, soll gleichfalls nachts getroffen worden sein.

Derweil wird auf noch einen interessanten Aspekt der SCALP-Marschflugkörper hingewiesen. „Was gibt es an Gemeinsamen zwischen den Erklärungen von Macron über die Übergabe der Lizenz zur Herstellung der SCALP-Flügelraketen an die Ukraine und den Zusagen von Trump, Lizenzen zu Raketen für die Patriot-Komplexe zu übergeben? Den Wunsch, eine Medienwirkung mit recht zweifelhaften kurz- und mittelfristigen Perspektiven für die Realisierung dieser Zusagen zu erzielen“, vermutet der Telegram-Kanal Meister (https://t.me/maester). „Hinsichtlich der Patriot (-Komplexe) sagt man nach den Bravour-Statements beim NATO-Gipfeltreffen in Ankara bereits, dass man sie in Deutschland herstellen werde, dass es innerhalb einiger Jahre gerade einmal geschafft hat, dessen Version PAC-2 (und nicht die modernste Version PAC-3) anzuschieben. Mit den SCALP-Raketen wird es wahrscheinlich ungefähr genauso werden. Frankreich und Großbritannien, die sie gemeinsam bauen, haben erst im vergangenen Jahr die Herstellung dieser Raketen nach 15 Jahren Unterbrechung wiederaufgenommen. Das heißt, sie können sie nicht einmal im Alleingang montieren. Wie werden es da die Ukrainer schaffen, deren Montage innerhalb kürzester Frist zu beginnen? So wie man sie Kiew im fertigen Zustand übergeben hat, wird man sie offensichtlich auch weiter übergeben. Aber es ist zweifellos gelungen, für das Publikum eine zunehmende Unterstützung für Kiew darzustellen“.