Die russischen Militärs nehmen Vergeltungsschläge gegen die Ukraine vor, vor denen das Staatsoberhaupt der Russischen Föderation Wladimir Putin gewarnt hatte. Schon zuvor hatte er erklärt, dass dies dem Konflikt eine „neue Qualität“ verleihen würde. Wie man verstehen kann, werde sich dies in regelmäßigen massiven Attacken der Streitkräfte der Russischen Föderation gegen ukrainische Objekte niederschlagen.
Laut Angaben des russischen Verteidigungsministeriums vom Dienstag, sei ein massiver Schlag mittels hochpräziser Waffen großer Reichweite gegen Unternehmen der Rüstungsindustrie, Objekte der Energiewirtschaft und Militärflugplätze in sieben Verwaltungsgebieten der Ukraine geführt worden. Wie auch beim „Vergeltungsschlag“ vom 24. Mai erfolgte der Hauptschlag gegen die ukrainische Hauptstadt. Laut Angaben aus Kiew hätten die Ukraine 656 Drohnen unterschiedlicher Typen — „Geranie“, „Gerbera“, „Italmas“, Gleitbomben „Päckchen“ („Banderol“), Imitationsdrohen „Parodie“ — und 73 Raketen („Zirkon“-, „Kaliber“- und X-101-Flügel- sowie ballistische „Iskander-M“-Raketen) angegriffen.
Laut Informationen des russischen Verteidigungsministeriums seien in Kiew drei territoriale Zentren für die personelle Auffüllung der Streitkräfte der Ukraine und zehn Rüstungsbetriebe – darunter die Vereinigung „Abriss PT“, das Sonderkonstruktionsbüro „Spektrum“, der Betrieb „Majak“ (deutsch: „Leuchtturm“) und das Staatsunternehmen „Ukrspezexport“ getroffen worden. In Saporoschje seien Abteilung des Omeltschenko-Maschinenbaubetriebs und des „Motor Sitsch“-Betriebs für den Bau von Flugzeugtriebwerken getroffen worden. Im Verwaltungsgebiet Dnepropetrowsk hätten die Streitkräfte der Russischen Föderation Schläge gegen ein Logistikzentrum und einen Betrieb des Unternehmens „Fire Point“, das Bauteile für weitreichende Drohnen herstellt, geführt. Im Verwaltungsgebiet Charkow hätten russische Drohnen und Raketen einen Schlag gegen Objekte der Energiewirtschaft und gegen drei Rüstungsbetriebe, unter anderem gegen das staatliche Flugzeugbauunternehmen in Charkow geführt. Im Verwaltungsgebiet Sumy sei der Betrieb „Swjesda“ (deutsch: „Stern“) in Schostka angegriffen worden. Getroffen habe man gleichfalls Rüstungsbetriebe in den Verwaltungsgebieten Chmelnizkij und Poltawa sowie die Infrastruktur von sechs Militärflugplätzen in den Verwaltungsgebieten Tscherkassy, Rowno, Shitomir, Kirowograd, Chmelnizkij und Kiew.
Die Streitkräfte der Ukraine versuchten gleichfalls, Schläge gegen Russland zu führen. In der Nacht zum 2. Juni haben russische Einheiten der Luftverteidigung angeblich 148 ukrainische Drohnen des Flugzeugtyps abgefangen und vernichtet. Die Drohnen griffen eine Ölraffinerie in der Verwaltungsregion Krasnodar an, wodurch es zu einem Brand kam. Auf der Krim wurde nach einem Angriff zeitweilig die Bahnstation Dschankoi geschlossen. Laut Angaben analytischer Ressourcen unter Berufung auf offizielle Mitteilungen des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation hätten im Mai die ukrainischen Militärs für Attacken gegen die Russische Föderation eine Rekordzahl von weitreichenden Drohnen eingesetzt – fast 9000 Stück.
Über die Notwendigkeit einer Erhöhung der Anzahl der Schläge gegen Russland sprach erneut der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij. Das russische Staatsoberhaupt Wladimir Putin erklärte gleichfalls, dass als Antwort auf die Handlungen der Ukraine der Konflikt eine „neue Qualität“ erhalten werde. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf ihre Quellen meldete, habe Russland den Umfang der Herstellung von Drohnen erheblich gesteigert. In diesem Jahr um mehr als das 2fache, was von der Möglichkeit der Russischen Föderation zeugt, zu einer neuen Etappe der Kampfhandlungen überzugehen (in einem am Dienstag veröffentlichten Interview für die Moskauer Wirtschaftszeitung „Kommersant“ sprach der 1. Vizepremier Russlands Denis Manturow davon, dass die einheimischen Unternehmen die Lieferung von mehr als 15.000 FPV-Drohnen am Tag sichern könnten – Anmerkung der Redaktion).
Jedoch hat auch die Ukraine mit Unterstützung ihrer westlichen Verbündeten die Herstellung von Drohnen, besonders von FPV-Drohnen erheblich gesteigert. Ihr massenhafter Einsatz bei einem großen Mangel an Militärs helfe, die Offensive der Armee der Russischen Föderation an der Front auszubremsen, meinen CNN-Journalisten, die an Stellungen der Streitkräfte der Ukraine weilten. Sie berichten, dass das Vorhandensein von Drohnen und Robotern in der ukrainischen Armee, aber auch die Technologien für eine Fernsteuerung für diese die Möglichkeit verschaffen würden, die Kampfhandlungen ohne einen aktiven Einsatz von Soldaten an der Berührungslinie zu führen. „Einige ukrainische Einheiten, beispielsweise die NC13 aus der 3. Sturmbrigade haben fast vollkommen auf eine Präsenz von Soldaten an der vordersten Frontlinie verzichtet. Laut Berechnungen der Einheit haben bei 164 Stürmen die Robotertechnik rund 2300 Militärangehöroge ersetzt und Verluste verhindert, die rund die Hälfte des Personalbestands ausgemacht hätten“, meldete CNN.
Derweil begreift man in der Führung der Ukraine dennoch, dass es problematisch ist, ohne eine Beteiligung von Soldaten effektive Kampfhandlungen auf dem Gefechtsfeld zu führen. In der Werchowna Rada (das Parlament der Ukraine – Anmerkung der Redaktion) erwartet man im Zusammenhang damit Vorschläge des ukrainischen Verteidigungsministers Michail Fjodorow hinsichtlich der Durchführung einer Militärreform. Nach Einschätzung des Ex-Abgeordneten der Wewrchowna Rada Oleg Zarjow, der inzwischen in Russland sein Geld auch als Politologe verdient, werde diese Reform vor allem auf zwei, drei Schritte hinauslaufen – auf eine Verschärfung der Maßnahmen für eine Zwangsmobilmachung der Bevölkerung, aber auch auf Versuche, ein Vertragssystem einzuführen und die materielle Motivation der Militärs der Streitkräfte der Ukraine zu erhöhen. Gelder für diese Ziele habe die Ukraine, meint Zarjow.
In einiger Weise beabsichtigen auch die westlichen Partner der Ukraine zu helfen, den Personalmangel in den ukrainischen Streitkräfte zu liquidieren. Das belgische Informationsportal Euractiv meldete, dass in der Europäischen Union die Möglichkeit eines Ausschlusses der ukrainischen Männer im Wehrdienstalter, die sich in Europa befinden, aus dem System der Sozialversicherung nach März 2027 erörtert werde. Das Medium schreibt, dass der Anteil der Männer im Wehrdienstalter unter den in die EU-Länder kommenden Ukrainer ständig zunehme. Derzeit würden sie 26 Prozent aller ukrainischen Flüchtlinge ausmachen, das heißt über eine Million Menschen. Euractiv unterstreicht die Notwendigkeit solcher Maßnahmen, da die Ukraine mit einem zunehmenden Mangel an Männern und Problemen mit der Mobilmachung konfrontiert werde. Im Jahr 2024 hatte Kiew das Einberufungsalter von 27 bis auf 25 Jahre verringert und Maßnahmen zur Verbesserung der Erfassung und Registrierung von Wehrdienstfähigen eingefügt. Die Zukunft dieses Mechanismus soll durch die zuständigen Minister für Einwanderungsfragen der EU-Länder in den nächsten Tagen bei einer Tagung des Rates für Justiz und innere Angelegenheiten erörtert werden.