Der Vorschlag von US-Präsident Donald Trump, die Kampfhandlungen zwischen Russland und der Ukraine innerhalb eines Monats zu beenden, stößt auf Ablehnung sowohl in Kiew als auch in Ländern Europas. Der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij erklärte erneut, dass er sich nicht auf territoriale Zugeständnisse gegenüber der Russischen Föderation einlassen werde und glaube, dass sein Land die Kampfhandlungen fortsetzen könne. Dabei bemüht sich die Ukraine, die Herstellung von Waffen außerhalb ihres Territoriums anzuschieben, um eine Vernichtung der Betriebe auszuschließen.
Der Ex-Oberkommandierende der ukrainischen Streitkräfte und nunmehrige Botschafter der Ukraine in Großbritannien, Valerij Saluschnij, hat die Inbetriebnahme des ersten ukrainischen Unternehmens auf dem Territorium des Königreichs bekanntgegeben. Es gehört zum Konzern Ukrspecsystems und stellt Kampfdrohnen her. Solch ein „Start einer Fertigung in Großbritannien besitzt einen tiefen strategischen Sinn“, betonte er.
„Dies ist eine Erweiterung unserer gemeinsamen Möglichkeiten und die Schaffung einer zweiten Verteidigungslinie, die eine Kontinuität der Produktion garantiert“. Saluschnij erläuterte, dass „das Zentrum für Ingenieurgutachten“ in der Ukraine bleibe, die Herstellung von Drohnen aber in den britischen Verteidigungsraum integriert werde. „Wir schaffen eine neue Qualität der Partnerschaft, in der die Verbündeten eine gemeinsame industrielle Basis für die Sicherheit schaffen“, erklärte Saluschnij.
Zuvor hatten Medien berichtet, dass der Betrieb Ukrspecsystems, der in Kiew Drohnen herstellte, im Herbst des Jahres 2024 seitens der Russischen Föderation Schlägen ausgesetzt worden war. Dies wurde augenscheinlich zu einem der Gründe für die Verlegung der Produktion nach Großbritannien. Saluschnij verzerrt da einiges, wenn er von einer Verlegung der Herstellung von Drohnen im Zusammenhang mit den „Erfolgen der ukrainischen Rüstungsindustrie“ spricht. Ursprünglich hatten die Ingenieure des bereits 2014 gegründeten Privatunternehmens Ukrspecsystems gerade britische Drohnen-Systeme ihren Entwicklungen zugrunde gelegt, darunter die Aufklärungsdrohne PD-1, die in der Lage ist, eine Aufklärung in einer taktischen Tiefe von bis zu 30 Kilometern vorzunehmen und Munition mit einer Masse von bis zu drei Kilogramm abzuwerfen. Mit Unterstützung Londons, darunter auch einer finanziellen, entwickelten die Spezialisten von Ukrspecsystems bis zum Jahr 2020 eine ganze Serie von Aufklärungsdrohnen der Typen PD-2 und Shark, die in der Lage sind, bereits über eine Entfernung von 30 bis 180 Kilometern für taktische und operativ-taktische Zwecke zu fliegen.
Erzeugnisse von Ukrspecsystems demonstrierte man auf der internationalen Messe der Verteidigungsindustrie im Jahr 2023 in Istanbul. Die Drohnen wurden während der Kampfhandlungen im Donbass in den Jahren 2014-2022 getestet. Damit beschäftigten sich zusammen mit dem Kommando der Streitkräfte der Ukraine auch britische Spezialisten, meint man in der Experten-Community.
Dass Ukrspecsystems Investitionen im Umfang von 200 Millionen Pfund für eine Herstellung von Drohnen in Großbritannien bekanntgegeben hatte, erfuhren die Medien im September vergangenen Jahres. Damals hatte offensichtlich auch die Errichtung des ukrainischen Betriebs begonnen, in dem man rund 500 Arbeiter und Ingenieure einsetzen will. Mitgeteilt wurde, dass auf einem Territorium mit einer Fläche von 11.000 Quadratmetern in Ostengland ein Test- und ein Ausbildungszentrum geschaffen werden. Dies zeugt vom ernsthaften Charakter der Herangehensweise der Briten an die Berücksichtigung der Kriegserfahrungen und Massenfertigung von Drohnen in der Ukraine. In England wird man sich augenscheinlich auch über die Militärspezialisten aus der Ukraine freuen.
Vergangen sind ganze fünf Monate, und der ukrainische Betrieb zur Drohnen-Herstellung hat seine Arbeit aufgenommen. Doch seine Entwicklung wird offensichtlich fortgesetzt. Nach Einschätzungen von Experten wird in dem Unternehmen zuerst die Herstellung von Shark-M-Aufklärungsdrohnen beginnen, die in der Lage sind, eine Aufklärung über eine Entfernung von bis zu 180 Kilometern vorzunehmen. Und deren Optik erlaubt, Ziele in einer Entfernung von bis zu 35 Kilometern tagsüber und 14 Kilometern nachts auszumachen. Und danach werden augenscheinlich noch schwerere Drohnen des Typs PD-2 gebaut werden, die auch als Angriffsdrohnen eingesetzt werden können. Ihr Gefechtsteil besitzt eine Masse von 50 Kilogramm. Und diese Drohnen können bis in eine Tiefe des feindlichen Territoriums von 400 Kilometern fliegen. Gerade die Shark-M-Drohnen demonstrierte man im vergangenen auf Waffenausstellungen in Ländern Europas und in Großbritannien. Die Shark-M-Drohnen sind nach ukrainischen Maßstäben kostengünstige und können nicht nur eine ununterbrochene Aufklärung der Gegenden vornehmen, sondern auch Angriffsdrohnen und Loitering-Munition (Kamikaze-Drohnen) vom Typ RAM-2X (gleichfalls eine ukrainische Entwicklung) auf Ziele im Realzeit-Regime lenken, wobei die Effektivität ihrer Wirkung verfolgt wird. Ein Shark-M-Komplex wird in der Regel auf einen mobilen Untersatz (einen Kleinbus oder einen Pickup) installiert und umfasst vier Drohnen (wobei der Wert einer jeden etwa 58.000 Dollar ausmacht), Akku-Batterien, deren Leistung mindestens sieben Einsatzstunden der Drohnen sichert, Fernmelde- und Steuerungsmittel usw.
Medien zitierten die Staatsministerin im britischen Verteidigungsministerium für Verteidigungsbeschaffung und Industrie, Maria Eagle, die das Potenzial für die Drohen-Herstellung hoch würdigte und unterstrich: „Die Zusammenarbeit in diesem Bereich wird den britischen Streitkräften einen Zugang zu modernen Technologien sichern und deren Verteidigungsfähigkeit stärken“.
Das Drohnen-Werk in Ostengland ist nicht der einzige Rüstungsbetrieb, der im Interesse der Streitkräfte der Ukraine in Westeuropa geschaffen wird. Großbritanniens Ministerium für Verteidigungsbeschaffung informierte über den Bau eines Betriebs für die Herstellung von 155-mm-Artilleriegeschossen. Freilich, seine Inbetriebnahme verzögert sich um ein halbes Jahr. Werke für die Herstellung von Munition errichten gleichfalls andere NATO-Länder – Frankreich, Deutschland und Spanien. Und Tschechien erfüllt weiter sein Programm für Lieferungen und Einkäufe von Geschossen und Munition für die ukrainische Armee. „Im Rahmen der Initiative Tschechiens kann Kiew im Jahr 2026 fast 900.000 Stück großkalibriger Munition erhalten“, zitierten dieser Tage Medien den Berater für nationale Sicherheit der tschechischen Regierung, Hynek Kmoníček.
Laut einer Meldung von Reuters führe noch ein ukrainischer Drohnen-Bauer, das Unternehmen Skyfall, Verhandlungen über die Aufnahme einer Fertigung auf dänischem Territorium, berichtete dieser Tage Dänemarks Verteidigungsministerium. „Skyfall ist ein Unternehmen mit einem beeindruckenden Produkte-Portfolio, das eine strategisch wichtige Produktion und Lieferungen auf dem dänischen Territorium – sowohl für die Ukraine als auch für Dänemark – gewährleisten kann“, heißt es in einer Erklärung des Verteidigungsministeriums. Im vergangenen Jahr gab Kopenhagen bekannt, dass der ukrainische Betrieb Fire Point die Herstellung von Treibstoff für die weitreichenden „Flamingo“-Raketen in Dänemark beginnen werde, was zum ersten Fall einer Erweiterung der Tätigkeit des ukrainischen Rüstungsunternehmens im Ausland werde. Und im Dezember unterzeichnete die Ukraine ein Abkommen mit den Niederlanden über eine gemeinsame Herstellung von Drohnen. Die Medien schreiben gleichfalls, dass Kiew und Berlin eine gemeinsame Herstellung von Drohnen und gepanzerter Technik vereinbart hätten. Wie deutsche Medien meldeten, habe das Unternehmen Rheinmetall AG bereits seine neuen Drohnen an der „ukrainischen Front“ getestet, die bald in die Bundeswehr kommen und im Interesse der Streitkräfte der Ukraine erworben werden.
„Die Verlegung der Fertigung der ukrainischen Rüstungsindustrie auf das Territorium von Ländern Europas ist ein Anlass für ein Hinziehen des Konflikts und dessen Eskalation“, meint der Militärexperte und Generalleutnant im Ruhestand Jurij Netkatschjow. Er betont, dass der Konflikt für die NATO und die Europäische Union von Vorteil sei, da ein Wettrüsten angezettelt werde, und die Möglichkeit einer ständigen Sättigung der Streitkräfte der Ukraine mit Munition und Waffen geschaffen werde. „Die Fertigung der ukrainischen Rüstungsindustrie im Ausland kann auch durch nichtmilitärische Methoden – durch finanzielle und diplomatische – gestoppt werden“, meint Netkatschjow.