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Erdogan wird den „Krieg der Drohnen“ im Donbass unterstützen


Kiew beginnt unter Ausnutzung der militär-technischen Unterstützung Ankaras eine neue Etappe der Organisation der Kampfhandlungen im Südosten des Landes. Nach Aufhebung der Restriktionen für den Einsatz von Waffen in der Donbass-Konfliktzone mittels einer speziellen Direktive hat der Oberkommandiere der ukrainischen Streitkräfte Valerij Saluschnij die Anweisung zum Einsatz von türkischen Kampfdrohnen Bayraktar TB2 unter Gefechtsbedingungen erteilt. Beinahe zur gleichen Zeit, am Mittwoch, als Wladimir Putin in Sotschi mit Recep Tayyip Erdogan sprach, wurde in Kiew ein Memorandum über die Einrichtung eines gemeinsamen Ausbildungs- und Testzentrums zwecks Nutzung und Modernisierung der erwähnten Drohnen unterzeichnet.

Das Memorandum wurde unter Beteilung des ukrainischen Staatsoberhauptes Wladimir Selenskij unterschrieben. Und gegengezeichnet haben das Dokument Verteidigungsminister Andrej Taran und Bayraktar-Generaldirektor Haluk Bayraktar.

„Dies ist ein großer realer Schritt vorwärts. Wir sind Präsident Erdogan dankbar. Dies ist eine reale Unterstützung für die Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine“, erklärte Selenskij. Laut Medienberichten würden in der Ukraine bald mehrere solcher Zentren errichtet. Und die türkische Nachrichtenagentur Anadolu informierte unter Berufung auf Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums, dass zur nächsten Etappe im Bereich der militär-technischen Zusammenarbeit beider Länder „das Anschieben einer ukrainisch-türkischen Herstellung von Kampfdrohnen wird. Bayraktar plant, eigene Mittel in den Bau eines Werkes zur Herstellung von Drohnen in der Ukraine zu investieren, in dem ukrainische Spezialisten arbeiten werden. Dies schafft neue Arbeitsplätze und sichert Einnahmen für den Staatshaushalt“.

Donbass-Medien berichten, dass türkische Bayraktar-Drohen bereits im Himmel unweit von Donezk gesichtet worden seien. Über den Einsatz dieser Kampfdrohnen berichtete auch der Oberkommandierende der ukrainischen Streitkräfte Valerij Saluschnij selbst gegenüber Journalisten: „Die Bayraktar-Kampfdrohnen haben die Lager verlassen und erfüllen bereits Gefechtsaufgaben“. Schläge der türkischen Drohnen gegen Stellungen der Donbass-Milizen sind bisher nicht registriert worden, doch den Worten des Oberkommandierenden nach zu urteilen können sie zu jedem beliebigen Zeitpunkt erfolgen. Zuvor war gemeldet worden, dass die von der Ukraine erworbenen Drohnen „Bayraktar TB2“ mit den hochpräzisen Fliegerbomben MAM-L der türkischen Firma Roketsan ausgerüstet werden. „Die MAM-L sind mit einem halbaktiven selbstsuchenden Laser-Kopf ausgestattet, und sie haben sich vor einem Jahr im Bergkarabach-Krieg gut bewährt“, betonte gegenüber der „NG“ der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Nikolaj Schulgin. „Damals wurden sie mit Hilfe türkischer Drohnen durch die aserbaidschanischen Truppen gegen Verteidigungsstellungen, Konvois, militärischen Stäben und einfach Befestigungen sowie Bauten in Ortschaften, in denen sich armenische Einheiten und Selbstverteidigungskräfte versteckt hatten, eingesetzt. Wenn sie im dichtbesiedelten Donbass eingesetzt werden, sind erhebliche Opfer unter der Zivilbevölkerung nicht zu vermeiden“.

Derartige Befürchtungen äußerte man auch im Kreml. Im Vorfeld der Begegnung von Putin und Erdogan hatte der Pressesekretär des russischen Präsidenten Dmitrij Peskow direkt erklärt: „Wir hätten es ungern, dass derartige Waffensysteme durch, sagen wir es einmal so, Hitzköpfe zur Führung von Schlägen gegen eigene Bürger der Ukraine einsetzen“. Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese Frage am Mittwoch erörtert wurde, beim Treffen der beiden Präsidenten in Sotschi. Den selbstbewussten Erklärungen der Führung der ukrainischen Streitkräfte nach zu urteilen, sind jedoch alle bei ihren Meinungen und Positionen geblieben. Ankara ignoriert nach wie vor den Unmut Moskaus über seine Militärhilfe für Kiew. Und scheinbar wird sich die türkisch-ukrainische Kooperation auf dem Gebiet der militär-technischen Zusammenarbeit mit einer noch größeren Aktivität entwickeln.

„Vor ganz und gar kurzer Zeit hat sich Selenskij mit Erdogan am Rande der UN-Vollversammlung getroffen. Da haben sich die Spitzenvertreter sowohl der Türkei als auch der Ukraine nicht sehr schmeichlerisch über Russland geäußert, wobei sie es der Okkupation der Krim bezichtigten“, erinnert Nikolaj Schulgin. „Vor diesem Hintergrund vereinbarten die Seiten, die Arbeit zur Beendigung des Prozesses für den Abschluss eines Abkommens über eine Freihandelszone zu beschleunigen, erörterten aber auch Fragen der Sicherheit im Bereich des Asowschen und des Schwarzen Meeres. Die Medien schrieben, dass Erdogan eine Einladung von Selenskij, die Ukraine zwecks Teilnahme an der 10. Tagung des ukrainisch-türkischen Rates für strategische Zusammenarbeit zu besuchen, angenommen habe. Solch eine Tagung des Rates wird bereits in der nächsten Zeit stattfinden“. Der Experte lenkt gleichfalls das Augenmerk auf Veröffentlichungen in den sozialen Netzwerken und Medien, wonach Selenskij Erdogan angeblich vorgeschlagen habe, ein erneutes Forum der „Krim-Plattform“ in der Türkei zu organisieren. „So etwas ist auch möglich. Und somit werden Ankara und Kiew die Kooperation im Bereich der militär-technischen Zusammenarbeit durch eine ernsthafte außenpolitische Plattform untermauern“, resümiert der Experte.

„Erdogan gewährt der Ukraine nicht einfach Hilfe. Dies ist eher bereits eine gemeinsame Wirtschaftstätigkeit, darunter eine militärindustrielle Kooperation“, erklärte der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Wladimir Popow gegenüber der „NG“. „Zwischen der Ukraine und der Türkei wirken bereits mehrere militärische Rahmenabkommen, darunter über eine Zusammenarbeit im Schwarzen Meer. Neben der Errichtung von Drohen-Zentren und eines Werkes für deren Herstellung haben sich die Länder über den Bau von fünf Korvetten eines türkischen Projekts für die Seestreitkräfte der Ukraine geeinigt. Dabei gibt es Vereinbarungen, dass vier Korvetten auf Werfen von Nikolajew gebaut werden. Und man wird beginnen, die Details dieser Vorhaben schon in baldiger Zukunft zu realisieren“.

Mehrere gemeinsame Projekte würden bereits verwirklicht werden, konstatiert der Experte. „In der hoch- und weitfliegenden Drohne Bayraktar Akinci, die jüngst in die Bewaffnung der türkischen Armee übernommen wurde, ist bereits das ukrainische Turboprop-Triebwerk AI-450S eingebaut worden. Ich schließe nicht aus, dass solche Drohnen bald in den ukrainischen Streitkräften auftauchen werden. Dies ist eine gefährliche Angriffswaffe. Und dies ist sehr gefährlich, wenn man die aggressiven Pläne Kiews zur Deokkupation der Krim und des Donbass ins Kalkül zieht. Was kann aber Moskau dem entgegenhalten?“, fragt sich der Experte.