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Im Pentagon bereitet man sich auf einen Kampf mit Russland in der Arktis vor


Während das Weiße Haus neue Wirtschafts- und politische Sanktionen gegen Russland vorbereitet, demonstrierte auch das Pentagon eine harte Position in Bezug auf Moskau. Generäle der US-Armee präsentierten im Senat eine offenkundig antirussische Strategie in der Arktis. Und in Syrien haben die Beteiligten der amerikanischen Koalition vollkommen die Erdöllieferungen an das Regime von Baschar al-Assad von den okkupierten Territorien blockiert und transportieren von dort den ganzen Weizen ab, der im Nordwesten des Landes erzeugt wurde. Am Vorabend der Präsidentschaftswahlen in Syrien kommt es zu einer neuen Runde der Wirtschaftskrise und ist eine totale Hungersnot möglich.

Diese Probleme muss augenscheinlich die russische Gruppierung in diesem Land zusammen mit Damaskus lösen. Dies zu tun, wird nicht einfach werden. Aufgrund der sozialen Unzufriedenheit praktisch der ganzen Landesbevölkerung kann das gegenwärtige Regime in Damaskus fallen. Und dies bedeutet: Alle früheren russisch-syrischen Vereinbarungen der Militärstützpunkte der russischen Streitkräfte in Khmeimin und Tartus können fraglich werden.

Russlands Verteidigungsministerium informiert regelmäßig über die Verteilung von Lebensmitteln an syrische Bürger. Den eintreffenden Informationen nach zu urteilen löst dies jedoch nicht alle Probleme. Die Militärs der Vereinigten Staaten, die im Nahen Osten agieren, und ihre Verbündeten haben gegen das Regime von al-Assad einen wahren Hybrid-Krieg entfaltet. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete am 17. März, dass LKW mit irakischen Kennzeichen schon über einen Monat lang syrischen Weizen in den Irak über den Kontrollpunkt „Simalka“, der von US-Militärangehörigen kontrolliert wird, abtransportieren. Im Zusammenhang damit zieht in den westlichen Provinzen Syriens eine Brotkrise auf. „Die Menschen stehen stundenlang in Warteschlangen, um einen Laib Brot zu kaufen“, schrieb Anadolu.

Parallel dazu beginnt im Land eine Energiekrise. In der 2. Märzdekade sind die Benzinpreise in Syrien um das 1,5 bis 2fache in die Höhe geschnellt. Arabische Medien erklären dies damit, dass sich die meisten Öl- und Gasfelder in den Gebieten befinden, die von den durch die USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräften kontrolliert werden. Die von den Amerikanern verhängten Sanktionen erschweren die Erdöl- und Gaslieferungen aus dem Iran und aus Russland nach Syrien.

All diese Faktoren beeinflussen nicht auf beste Weise das Ansehen der herrschenden Offiziellen in Gestalt von Baschar al-Assad. Wie unter ihm die neue Kampagne für die Präsidentschaftswahlen, die im April-Mai dieses Jahres im Land erfolgen sollen, organisiert wird, ist bisher unklar.

Außer Russland und dem Iran gibt es keinen, der dem Assad-Regime helfen kann. Jedoch wird es für Moskau und Teheran teuer werden, Syrien vollkommen mit Brenn- und Treibstoffen sowie Schmierstoffen und Lebensmitteln zu versorgen. Somit sind die Handlungen der USA und deren Verbündeten gegen das Assad-Regime gleichzeitig auch ein Hybridkrieg des Pentagons gegen den Iran und Russland, ihren Hauptfeinden in der Welt, wie dies in der Verteidigungsstrategie der Vereinigten Staaten festgehalten worden ist.

Gleichzeitig hat das Pentagon dieser Tage eine neue Strategie zur Wiederherstellung der „Vorherrschaft der USA in den arktischen Regionen“ veröffentlicht. Darin sind als Hauptkonkurrenten des Landes Russland und China ausgewiesen worden. Dabei erklärte der Chef des Vereinigten Kommandos der Luft- und Kosmos-Streitkräfte der Vereinigten Staaten (NORAD), US-Luftwaffen-General Glenn D. VanHerck, bei Anhörungen im Senatsausschuss für Verteidigungsfragen frank und frei, dass die USA bisher „bei der Vorherrschaft Russlands in der Arktis“ das Nachsehen hätten. Dabei betonte der General: „Um mit Russland in der Arktis konkurrenzfähig zu sein, ist es erforderlich, auf dem Gefechtsfeld präsent zu sein. Daher ist es sehr wichtig, dass wir dies tun und weiter Möglichkeiten schaffen, die uns erlauben werden, sich in der Arktis zu befinden“.

Glenn D. Van Herck sprach sich für die Schaffung eines Marinestützpunkts der USA in Nome, an der arktischen Küste Alaskas, aus. Er sagte, dass der Stützpunkt erlauben werde, dort Schiffe aufzutanken. Und dies werde eine ständige Präsenz von Truppen sichern, um mit der zunehmenden Marine-Präsenz Russlands in der Region zu konkurrieren.

Seinerseits seien die Pläne der USA in Vielem kurzlebige, wie in einem Gespräch der „NG“ der Kapitän 1. Ranges im Ruhestand Oleg Schwedkow, Vorsitzender der Gesamtrussischen Gewerkschaft der Militärangehörigen, unterstrich. „Sie haben in verschiedenen Regionen der Welt bereits rund 750 verschiedene Militärstützpunkte. Deren Unterhaltung ist ein recht teures Vergnügen. Jeder neue Stützpunkt, besonders in solch einer schwierigen und abgelegenen Region wie die Arktis, erfordert ernsthafte Investitionen“, betont Schwedkow. „Zumal erhebliche Ressourcen für die Schaffung einer Eisbrecher-Flotte erforderlich sind, die die USA derzeit praktisch nicht hat. Die Amerikaner haben keine Erfahrungen des Baus moderner schwerer Eisbrecher. Die Erlangung solcher Erfahrungen fordert gleichfalls erhebliche Aufwendungen. Und hier muss man noch sehen: Möchte die neue Führung der Vereinigten Staaten erhebliche zusätzliche Mittel und Ressourcen für eine großangelegte militärische Erschließung der Arktis bereitstellen“.

Derweil plane man in den USA nach Aussagen des NORAD-Kommandierenden, sechs Eisbrecher zu bauen, von denen der erste im Jahr 2023 fertig sein soll. Sie würden garantieren, dass die USA Patrouillenschiffe der Küstenwache und „potenziell Zerstörer oder möglicherweise gar Kreuzer“ in die Region entsenden können.

Das Bestreben der Amerikaner, ihre Militärpräsenz in der Arktis zu verstärken, kann man verstehen. Diese Region wird heute aufgrund unterschiedlicher Faktoren – der Klimaerwärmung, der Schaffung neuer Arktisrouten über den Nördlichen Seeweg und der Möglichkeit einer Förderung von Bodenschätzen – zu einer strategisch wichtigen. Daher werden die Amerikaner anstreben, in der Arktis ihre Präsenz, darunter eine militärische, deutlich zu machen.

„Dies wird wohl in der nächsten Zukunft für unsere Interessen in der Arktis keine ernste Gefahr darstellen“, meint Oleg Schwedkow. „Der Nördliche Seeweg ist leicht zu kontrollieren, denn er verläuft entlang der Küste Russlands und befindet sich hauptsächlich in der 200-Seemeilen-Wirtschaftszone. Überdies gibt es entlang des Nördlichen Seewegs bereits russische Militärobjekte und -stützpunkte, die in der Lage sind, aus militärischer Sicht diesen Abschnitt zu kontrollieren“.

In der Tat, Russland hat viele Mittel für die Entwicklung der militärischen Infrastruktur in der Arktisregion investiert. Laut Pentagon-Angaben „hat Russland beginnend ab dem Jahr 2010 über eine Milliarden Dollar in die Rekonstruktion von 13 Flugplätzen inkl. der Sopka-2-Funkortungs- und Radarsysteme auf der Wrangel-Insel (300 Meilen von Alaska entfernt) und auf dem Kap Schmidt investiert“. Moskau hat ebenfalls bekanntgegeben, dass es die Anzahl der Einheiten der Luftabwehr und der Raketenabwehr mit den S-400-Systemen, die auf dem russischen Arktis-Territorium stationiert worden sind, erhöhen werde.

„Die Inseln Kotelnyj und Nowaja Semlja sind mit den Küstenabwehr-Systemen „Bastion-P“ und den „Panzir-S1“-Raketenabwehrkomplexen ausgerüstet worden. Sie schaffen ein zusammengesetztes und mehrstufiges Küstenverteidigungssystem, das das Territorium in der Tiefe der zentralen Arktis verteidigt“, wird in der US-amerikanischen Arktis-Strategie betont. Um dem entgegenzuwirken, werde auch laut Angaben des NORAD-Chefs eine Gruppierung von Seeschiffen und Kampfflugzeugen gebildet.

Laut offiziellen Informationen werden die USA bereits bis Ende des Jahres 2021 auf Alaska über 100 Flugzeuge der 5. Generation konzentrieren. Sie werden die großen Marine-Gruppierungen vervollständigen, die auf Handlungen im Gebiet des Nördlichen Seeweges orientiert sein werden. Das Ziel ist, die Möglichkeit zu haben, „umstrittene“ Gebiete, Schelfs und Inseln, wo es große Vorräte an Bodenschätzen, vor allem von Kohlenwasserstoffen, geben kann, zu kontrollieren.