Die russischen Truppen führen weiterhin großangelegte kombinierte Schläge gegen militärische und Logistik-Objekte der Ukraine. Angesichts der Schwäche dessen Luftverteidigungssystems setzt die russische Luftwaffe bereits steuerbare Fliegerbomben gegen Ziele an der ukrainischen Schwarzmeerküsten – zum Beispiel in Odessa – ein. Die Streitkräfte der Ukraine führen gleichfalls massenhaft Schläge mit weitreichenden Drohnen gegen die Russische Föderation. Dabei akkumuliert Kiew weiter Angriffspotenzial auf dem Lande, in der Luft und auf der See.
Die russischen Luftverteidigungsmittel haben innerhalb von 24 Stunden mit Stand vom Dienstag über 1000 ukrainische Drohnen abgeschossen. Und 24 Stunden später meldete das russische Verteidigungsministerium für den analogen Zeitraum 464 abgeschossene ukrainische Drohnen. Dabei hat die Armee der Russischen Föderation unter anderem die Ortschaften Tscherwonaja Kriniza und Nowopawlowka im Verwaltungsgebiet Saporoschje sowie städtische Siedlung Kasatschjo Lopan im Verwaltungsgebiet Charkow unter ihre Kontrolle gebracht. Parallel wurden massive Schläge gegen Unternehmen, die Rakete, Dohnen und andere Waffen herstellen, und gegen Logistik-Zentren geführt. In Odessa sind durch die Luftstreitkräfte Russlands nach Einschätzungen von Medien ein Wärmekraftwerk und drei Umschaltwerke vernichtet worden. Eingesetzt wurden unter anderem Fliegerbomben mit einem universellen Gleitflug- und Korrektur-Modul. Die Streitkräfte Russlands setzen mindestens 200 solcher Bomben am Tag ein, betonte jüngst der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij. Abgeworfen werden sie durch Bombenflugzeuge des Typs Su-24 oder Su-34 in einer Entfernung von mindestens 80 bis 120 Kilometer vom Ziel. Das geschwächte ukrainische Luftabwehrsystem ist machtlos angesichts dieser russischen Bomben.
„Die Hauptwaffe gegen die Gleitbomben sind Schläge gegen russische Flugzeuge. Und dass russische Fliegerbomben mit Gleitflug- und Korrektur-Modulen Objekte an der Schwarzmeerküste treffen, belegt, dass die Luftverteidigungsmittel der Ukraine in dieser Richtung augenscheinlich zu wenig effektiven geworden sind“, sagte der „NG“ der Militärexperte und Oberst Im Ruhestand Wladimir Popow. Jedoch dürfe man nicht die Gefechtsmöglichkeiten der Streitkräfte der Ukraine unterschätzen, betonte der Experte.
Zusätzliche Reserveverbände werden nicht nur in den Vereinten Kräften für ein schnelles Reagieren der Ukraine formiert, sondern auch in den anderen Waffengattungen der Streitkräfte der Ukraine. Dies erlaubt besonders, die Veränderungen in den Drohnen-Streitkräften zu begreifen, die aktiv weitreichende Schläge gegen die Russische Föderation führen, und in den Verbänden, die den Personalbestand auf dem Gefechtsfeld ersetzen. Alle Drohnen-Angriffseinheiten in der Ukraine werden unter eine Führung gestellt, wobei das Kommando der Drohnen-Streitkräfte das wichtigste bleibt. Laut Angaben des Telegram-Kanals „Vestnik ZVI“ sind bis August dieses Jahres in den Drohnen-Streitkräften neun einzelne Brigaden aufgestellt worden. Sie handeln an den wichtigsten Abschnitten. Zwei Verbände der Drohnen-Streitkräfte – die 445. und die 446. separate Brigade – sind im Sommer dieses Jahres formiert worden. Der aktivste Widerstand seitens der Drohnen-Streitkräfte gegen die russischen Truppen wird in der Richtung Ost-Saporoschje und im Donbass beobachtet.
„Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Teil der Verbände der Drohnen-Streitkräfte im Bestand der Vereinten Kräften für ein schnelles Reagieren konzentriert wird. Diese schnellen Einsatzkräfte haben begonnen, die Slawjansk-Kramatorsk-Gruppierung zu verstärken. Möglicherweise werden aber ihre Hauptreserven auch für eine große Gegenoffensive vorbereitet“, erklärte der Militärexperte und Generalleutnant im Ruhestand Jurij Netkatschjow gegenüber der „NG“. Eine große Offensive könne nicht nur aus Saporoschje in Richtung zum Asowschen Meer, sondern auch von Seiten des Schwarzen Meeres zur Südküste des Gebietes Cherson im Bereich von Chorly und der Krim-Landenge, aber auch zur Kinburn-Nehrung über den Dnepr-Bug-Liman (die größte Flussmündung im Nordwesten des Schwarzen Meeres – Anmerkung der Redaktion) beginnen, meint der General. Diese Schlussfolgerung zog er auf der Grundlage dessen, dass im Bestand des 30. Korps der Marineinfanterie der Seestreitkräfte der Ukraine zusätzliche Schlageinheiten gebildet werden. Vor kurzem wurde die 144. einzelne mechanisierte Brigade des 15. Armeekorps der Landstreitkräfte in die 42. einzelne Brigade der Marineinfanterie umgewandelt und den Seestreitkräften der Ukraine unterstellt. „Im Bestand des 30. Korps der Marineinfanterie gibt es vier Verbönde von Marineinfanteristen und drei Küstenschutzbrigaden mit Einheiten zur Gefechtsabsicherung. Wenn eine Unterstützung durch die Drohnen-Streitkräfte und Luftstreitkräfte gewährleistet wird, können sich diese Kräfte als ausreichend erweisen, um den Versuch zu unternehmen, großangelegt die russische Küste anzugreifen“, spekulierte Netkatschjow.
Die russischen Militärs würden sich bemühen, dass solche Pläne nicht realisiert werden, meint Popow. Er lenkte die Aufmerksamkeit auf die erhebliche Zunahme der Anzahl von Schlägen der Streitkräfte Russlands gegen Kiew und andere Großstädte, wo wichtige Rüstungsbetriebe und logistische Objekte konzentriert sind. Wie ukrainische Medien berichteten, haben nach den USA Großbritannien, die Niederlande, Italien und Deutschland ihren Bürgern empfohlen, nicht die Ukraine zu besuchen. Und einige ausländische Medien räumen ein, dass im Land Probleme mit der Lebensmittelversorgung auftreten könnten, da die russischen Attacken immer mehr die zivile Infrastruktur treffen. Die US-amerikanische Zeitung „The Washington Post“ betonte beispielsweise, dass im Ergebnis der systematischen Schläge der russischen Armee ein Lebensmittelmangel in den ukrainischen Geschäften zu beobachten sei. Die ukrainischen Offiziellen hatten zuvor erklärt, dass bereits 90 Prozent der Logistik-Kapazitäten des Einzelhandels zerstört worden seien. „Jedoch gelingt es, einen systematischen physischen Mangel an Lebensmitteln oder eine Hungersnot ungeachtet der zeitweiligen Verzögerungen von Lieferungen und der leer werdenden Ladenregale zu vermeiden“, beruhigt das Blatt.