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Lieferungen von Energieträgern sind ins Kreuzfeuer geraten


Das Korps der Iranischen Revolutionsgarde (KIRG) hat die Straße von Hormus unter seine Kontrolle gestellt: Jegliche Versuche, sie zu passieren, werden durch Raketen- oder Drohnenschläge unterbunden. Getroffen wurden bereits zehn Schiffe. Von den Lieferungen von Energieträgern aus dem Nahen Osten hängen sowohl die asiatischen als auch die europäischen Länder ab. US-Präsident Donald Trump signalisierte die Bereitschaft der amerikanischen Seestreitkräfte, Öltanker durch die Meerenge zu begleiten. Gleichzeitig zu diesen Ergebnissen ist auf dem Brennstoffmarkt noch ein Brennpunkt aufgetaucht: Wie Russlands Transportministerium am 4. März mitteilte, hätten unbemannte Schnellboote der Ukraine einen russischen Gastanker im Mittelmeer angegriffen.

Gegenwärtig befindet sich die Straße von Hormus unter der vollständigen Kontrolle der Seestreitkräfte der Islamischen Republik“, informierte der Sprecher der Seestreitkräfte der KIRG, Mohammad Akbarzadeh. Er warnte, dass das Passieren der Meerenge nicht ungefährlich sei. Zuvor hatten zehn Tanker den Forderungen nicht gehorcht und wurden daher durch Raketen und Drohnen beschossen.

Folglich ist die Meerenge, deren Durchlassfähigkeit bis zu 100 Schiffe pro Tag ausmachte, jetzt leer geworden. Die Fahrten nicht nur von Öltankern, sondern auch von anderen Frachtschiffen, aber auch von Fischfangschiffen sind gestoppt worden. Vor der Einfahrt zum Persischen Golf und an seiner Ausfahrt haben sich „Staus“ gebildet.

US-Präsident Donald Trump signalisierte die Bereitschaft der Seestreitkräfte der USA, „bei Bedarf“ Tanker in der Straße von Hormus zu begleiten. Der Konflikt verschlimmert sich. Probleme ergeben sich jetzt nicht nur in der eigentlichen Meerenge, sondern auch in deren Umgebung. Die Gefahrenzone hat sich über die Grenzen der Straße von Hormus ausgedehnt, was die betroffenen Länder bereits veranlasst, sich über alternative Routen Gedanken zu machen.

Beispielsweise wurde Indien nicht einfach mit einer Blockierung seiner Schiffe aufgrund der „Staus“ in der Nähe der Hormus-Meerenge konfrontiert, sondern es geht um mindestens 38 Schiffe. Dies sind vor allem Tanker mit Rohöl und Flüssiggas. Daneben ist das Land gezwungen, die Entsendung von Containern in die Staaten des Nahen Ostens zu stoppen, was zu ernsthaften Problemen in den eigenen Häfen führte. Aber auch dies ist noch nicht alles. Indien musste gleichfalls die Route für die Beförderung von Frachtgütern aus seinen Häfen in die USA und Länder der EU ändern. Jetzt erfolgt die Beförderung am Kap der Guten Hoffnung vorbei, was die Transportdauer und Logistik-Kosten erhöht.

Wie am 4. März bekannt wurde, versenkte ein U-Boot der Seestreitkräfte der USA ein iranisches Kriegsschiff im Indischen Ozean. Die iranische Fregatte „Iris Dena“ hätte nach Aussagen des US-Kriegsministers Pete Hegseth „angenommen, dass es sich in internationalen Gewässern in Sicherheit befindet“. „Doch sie ist mit einem Torpedo versenkt worden“, fügte Hegseth hinzu.

Einen Tag zuvor geriet in den Vereinigten Arabischen Emiraten das weltweit größte Öltanklager, das sich im Hafen von Fujeira befindet, in Brand. Das Lager war bei einer Drohnenattacke getroffen worden. Wie Behördenvertreter des Emirats kommentierten, sei der Brand durch herabstürzende Trümmer „nach dem erfolgreichen Abfangen einer Drohne durch Systeme der Luftverteidigung“ ausgebrochen. Der Brand ist unter Kontrolle gebracht worden.

Dank seiner Lage außerhalb der Straße von Hormus kann der Hafen von Fujeira ungeachtet der infrastrukturellen Einschränkungen als eine zeitweilige Alternative für den Ölexport aus den VAE angesehen werden. Und folglich wird er auch als ein Ziel für Attacken aufgefasst. Die Frage ist dabei: wessen?

Teheran reagiert auf die antiiranische Militäroperation der USA und Israels und führt Schläge gegen das israelische Territorium und amerikanische Stützpunkte im Nahen Osten. Aber daneben werden im Nahen Osten auch Öl- und Gasobjekte angegriffen, was zu einer Unterbrechung ihrer Arbeit führt. In Katar, Saudi-Arabien und jetzt in den VAE.

In den Medien kursieren Meinungen über eine Beteiligung Teherans. Die iranischen Medien weisen diese Versionen zurück, wobei sie mitteilen, dass Teheran die Erdöl-Infrastruktur der Nachbarstaaten nicht als Ziele betrachte. Unter Berufung auf eigene Quellen räumen die iranischen Nachrichtenagenturen ein, dass solche Attacken Israel „unter falscher Flagge“ durchführe.

Analytiker erstellen derweil bereits Ratings der Volkswirtschaften, die am meisten aufgrund der Störungen der Lieferungen von Energieträgern aus den arabischen Ländern leiden. Vor allem werden Japan und Südkorea genannt, deren Import von Erdöl und verflüssigtem Erdgas (LNG) vor allem auf den Nahen Osten fällt. Weiter folgen in den entsprechenden Listen China und Indien. Der Nahe Osten ist für sie nicht der einzige, aber auch ein äußerst wichtiger Lieferant von Erdöl. Probleme ergeben sich gleichfalls für Europa. Die EU versuchte, den Anteil der Importe nahöstlichen LNGs zu verringern, doch für die europäische Wirtschaft sind die Störungen bei diesen Lieferungen auch mit Unkosten verbunden.

Der Berater des Befehlshabers der KIRG, General Ibrahim Jabari, prognostizierte, dass aufgrund der Sperrung der Straße von Hormus Erdöl sich bis auf 200 Dollar pro Barrel verteuern könne. Er formulierte dies als eine Bedrohung für die amerikanische Wirtschaft: „Die Usa, deren Leben und Tod vom Erdöl abhängen, leiden aufgrund von Schulden und innerer Probleme. Amerika dürstet nach Erdöl“.

Die Schätzungen westlicher Beobachter sind bescheidener: Laut einer Prognose von Analytikern von Goldman Sachs könnten die Ölpreise die Marke 100 Dollar pro Barrel übersteigen, wenn die Straße von Hormus im Verlauf von weiteren fünf Wochen für ein Passieren durch Tanker gesperrt wird. Aus den jüngsten Äußerungen von Trump ergibt sich, dass nach seiner Meinung die Zeitspanne hoher Erdöl-Notierungen keine lange sein werde. Sobald die Operation gegen den Iran endet, werden die Erdölpreise fallen, „sogar mehr als früher“.

Gegenwärtig wird Erdöl der Sorte Brent im Bereich von 81 bis 82 Dollar pro Barrel gehandelt. In der vergangenen Woche war es um zehn Dollar billiger. Teurer wird auch Erdgas. Sein Preis an den Börsen in Europa überstieg erstmals seit Januar 2023 750 Dollar pro 1000 Kubikmeter.

Gleichzeitig zu diesen Ereignissen kam es zu noch einem Zwischenfall, der nicht direkt mit dem amerikanisch-iranischen Konflikt zusammenhängt. Im Mittelmeer wurde ein russisches Schiff, der Gastanker „Arctic Metagaz“, angegriffen (alle 30 Besatzungsmitglieder sind gerettet worden).

Das Transportministerium der Russischen Föderation teilte am Mittwoch mit, dass die Attacke am 3. März in der unmittelbaren Nähe zu den territorialen Gewässern des EU-Mitgliedsstaates Malta verübt worden sei. Der Tanker, der in westlichen Medien sarkastisch als „schwimmende Thermoskanne“ bezeichnet wurde, war aus dem russischen Hafen Murmansk mit Frachtgut unterwegs, das entsprechend allen internationalen Regeln deklariert worden war. „Der Überfall auf ihn wurde vermutlich von der Küste Libyens aus durch unbemannte Schnellboote der Ukraine verübt“, behauptete man im Ministerium, ohne irgendwelche Beweise vorzulegen (weshalb in westlichen Medien die Rede von einer „rätselhaften“ Attacke gesprochen wurde – Anmerkung der Redaktion).

Den Vorfall qualifizieren wir als einen Akt internationalen Terrorismus und Seepiraterie sowie überaus grobe Verletzung der grundlegenden Normen des internationalen Seerechts“, beeilte man sich im russischen Transportministerium zu erklären. „Derartige kriminelle Handlungen, die mit Duldung der Offiziellen der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union vorgenommen werden, dürfen nicht ohne eine Bewertung seitens der internationalen Staatengemeinschaft bleiben“.