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Moskau und Kiew bereiten sich vor, noch aktiver Drohnen-Schläge auszutauschen


Für die Armee der Russischen Föderation wird die nordöstliche Richtung in der Zone der militärischen Sonderoperation scheinbar zur hauptsächlichen. Dies entspricht den von der russischen Führung umrissenen Zielen, die mit der Einnahme des Donbass und mit der Schaffung einer Pufferzone an dessen Grenzen verbunden sind. Nicht zufällig inspizierte Russlands Verteidigungsminister Andrej Belousow am 28. Mai die Truppengruppierung „Zapad“ (deutsch: „Westen“) und kurz zuvor „Vostok“ (deutsch: „Osten“). Der Chef des Verteidigungsministeriums erteilte den Auftrag, die Effizienz des Einsatzes von Angriffsdrohnen für eine Vernichtung an Menschen und Technik des Gegners zu erhöhen. Die Ukraine hat derweil vor, durch Schläge mittels Drohnen, die Versorgungswege der russischen Truppen lahmzulegen.

Es sei daran erinnert, dass dieser Tage Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums über die Absicht informierten, systematische Schläge gegen Kiew zu führen, um dort „Zentren für das Treffen von Entscheidungen“ zu liquidieren. Und die Russische Föderation setzte die USA über die Perspektive solcher Schläge in Kenntnis.

Der außenpolitische Berater des russischen Präsidenten, Jurij Uschakow, teilte mit, dass Moskau von Washington keine Antwort auf die Warnung erhalten habe. Experten und Politiker nehmen aber an, dass Schläge gegen Kiew bereits in der nächsten Zeit möglich seien.

Vorerst versucht die ukrainische Führung, die Effektivität der Kampfhandlungen an der Front und der Schläge gegen Ziele in der Tiefe der Russischen Föderation zu erhöhen. Über Pläne für neue weitreichende Operationen gegen die Russische Föderation war am Vorabend auf einer Beratung des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij mit dem Oberkommandierenden der Streitkräfte der Ukraine Alexander Syrskij und dem Chef des ukrainischen Generalstabs Andrej Gnatow die Rede. „Ich habe mit ihnen neue weitreichende Operationen abgestimmt“, erklärte Selenskij. In Russland bereitet man sich derweil vor, den Versuchen der ukrainischen Militärs entgegenzuwirken. Unter anderem bilden neben den Handlungen der regulären Einheiten der Luftverteidigung der Streitkräfte der Russischen Föderation mehrere wichtige zivile Unternehmen und Betriebe mobile Einsatzgruppen und erwerben Mittel für eine Bekämpfung von Drohnen. Gleichfalls erhöhen die russische Nationalgarde und andere bewaffnete Strukturen die Anzahl derartiger Gruppen.

Russlands Verteidigungsministerium plant gleichfalls, die Effektivität des Schutzes vor Attacken ukrainischer Drohnen gegen Objekte in Zentralrussland zu erhöhen. Beobachter lenkten die Aufmerksamkeit auf eine Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums, wonach das Ministerium dieser Tage der Aufsichtsbehörde für die Zivilluftfahrt Rosaviazia und dem Transportministerium ein Dokument über die Notwendigkeit der Verhängung eines besonderen Regimes für Flüge ziviler Luftfahrzeuge in einer Höhe von bis zu 5100 Metern im Bereich des Moskauer Luftraums übergab. Solch ein Regime werde nach Experten-Einschätzungen bereits in wenigen Tagen eingeführt. Unter dieses werden die Flüge von Sonderflugzeugen und -hubschraubern, aber auch reguläre und Charterflüge von Fluggesellschaften fallen. Das Verteidigungsministerium hat bisher die Gründe für ein derartiges faktisches Flugverbote für Kleinflugzeuge und Hubschrauber erklärt, doch die Maßnahmen könnten mit den potenziellen Attacken ukrainischer Drohnen und Raketen zusammenhängen, die man mit kleinen zivilen Flugzeugen verwechseln könne, meinen Spezialisten.

Derweil erklärte der ukrainische Verteidigungsminister Michail Fjodorow, dass Kiew an der Frontlinie und in den rückwärtigen Bereichen der Streitkräfte der Russischen Föderation ein neues Gefechtsvorhaben – einen „Logistischen Lockdown“ — beginne. Im Rahmen dieses Vorhabens beabsichtigen die ukrainischen Militärs, die Schläge vom Typ „middle strike“ (deutsch: „mittlerer Schlag“ mit einer operativ-taktischen Reichweite von 10 bis 100 Kilometern und weiter) auszudehnen. Fjodorow erklärte unter Verweis auf ihm vorliegende Informationen, dass es eine Gesetzmäßigkeit gebe: „Je mehr die Hinterland-Logistik vernichtet wird, desto weniger Sturm-Aktionen erfolgen an der Frontlinie“. Damit die Schläge wirksamer werden, stehe nach Aussagen von Fjodorow an, „auf maximale Weise das middle-strike-Vorhaben auszuweiten und mehr Schläge gegen die Straßen zu führen, über die militärische und wichtige zivile Frachtgüter transportiert werden. Das Vorhaben werde durch entsprechende Finanzen abgesichert. Im Rahmen der ersten Etappe des Programms stellte das Verteidigungsministerium der Ukraine zusätzliche fünf Milliarden Griwna (rund 97,33 Millionen Euro) für den Erwerb moderner middle-strike-Mittel bereit. Fjodorow ist der Auffassung, dass bereits im Sommer „die Ergebnisse der zentralisierten Einkäufe an der Front zu spüren sein werden“.

„In der Militärführung der Ukraine setzt man auf Schläge mithilfe von Drohnen, um die Versorgung unserer Truppen durch die rückwärtigen Dienste zu kappen“, sagte der Militärexperte Nikolaj Schulgin der „NG“. „In den Streitkräften der Russischen Föderation sieht man dies und wird sich bemühen, diesen Bedrohungen Paroli zu bieten. Eine der wahrscheinlichsten Antwortvarianten ist ein Transport von Frachtgüter durch die russischen Truppen in der Zone der militärischen Sonderoperation über Straßen, die mit Netzen zum Schutz vor Drohnen versehen worden sind, aber auch eine aktivere Nutzung von Drohnen und Robotern“.

P. S.

Derweil hat am Donnerstag der Sekretär des russischen Sicherheitsrates Sergej Schoigu erzählt, wann ein Schlag gegen Kiew erfolgen könne, vor dem Russland warnte (https://ngdeutschland.de/russlands-ausenministerium-forderte-erneut-zum-verlassen-der-ukrainischen-hauptstadt-auf/). Diese könne zu jeglichem Zeitpunkt erfolgen, meinte der 71jährige Politiker und Ex-Verteidigungsminister Russlands. „Und dann, wenn wir dies denken, dass die Antwort von solch einer Stärke sein muss, worüber wir mehrfach gesprochen haben, werden wir auf jenen Terrorakt antworten, der solche Opfer verursachte – unter unseren Kindern, die nach ganz junge gewesen waren (gemeint ist die Tragödie in einem Studentenwohnheim von Starobelsk vom 22. Mai – Anmerkung der Redaktion)“, zitierte die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS Sergej Schoigu. Russland habe demonstriert, dass es über alles Notwendige für die Führung des Schlages verfüge.