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Patruschew-Thesen


Im offiziellen Medium der Regierung, in der „Rossijskaja Gazeta“ („RG“), ist ein Interview von Nikolaj Patruschew in dessen nicht weniger offiziellem Status – eines Beraters des Präsidenten Russlands und Vorsitzenden des Maritimen Kollegiums – veröffentlicht worden. (Nach der Veröffentlichung in der „RG“ treten die Gesetze der Russischen Föderation in Kraft. „Geprüft. Es liegen keine Fakes vor“ sei das Arbeitsprinzip des gesellschaftspolitischen Massenmediums, dessen Gründer die Regierung der Russischen Föderation ist. So charakterisiert sich das Blatt selbst auf der eigenen Internetseite.)

Die Überschrift des Interviews „Wenn der Krieg an der Türschwelle ist“ erinnert an Titel von Memoiren sowjetischer Feldherren über die internationale Lage am Vorabend des Jahres 1941. Es ist beunruhigend. Mobilisierend. Schrecklich.

Der 75jährige Patruschew ist nicht einfach einer der konservativen Ideologen des gegenwärtigen Russlands. Er ist der einflussreichste, denn er vermag wie keiner aus der heutigen konservativen Kohorte von Denkern, auf doktrinaler Ebene seine Ansichten, Einschätzungen und Überzeugungen institutionell zu verankern. Als Sekretär des russischen Sicherheitsrates (vom 12. Mai 2008 bis 12. Mai 2024 – Anmerkung der Redaktion) hatte er beispielsweise den Erlass Nr. 400 „Über die Strategie der nationalen Sicherheit der Russischen Föderation“ vom 02.07.2021 zur Unterzeichnung durch Russlands Präsident vorbereitet, in dem es das spezielle Kapitel „Schutz der traditionellen russischen geistig-moralischen Werte, Kultur und historischen Erinnerungen“ gibt.

In dem wurden solche Aussagen wie „Priorität des Geistigen über dem Materiellen“, „Kollektivismus“, „Ablehnung von von außen her aufgezwungenen destruktiven Ideen durch die Bürger“, „Verstärkung der Kontrolle der Einhaltung der Normen der modernen russischen Literatursprache, Unterbindung einer öffentlichen Darbietung von Erzeugnissen, deren Verbreitung durch Massenmedien…“ festgeschrieben.

Für einen Staat, in dem privates Eigentum und der Kapitalismus eine aktuelle Realität sind, bedeutet, über Kollektivismus und die Priorität des Geistigen über dem Materiellen als traditionelle Werte zu urteilen, arme und „pferdelose“ Menschen sofort reichen und erfolgreichen Menschen als ein Beispiel zur Nachahmung zu präsentieren. Wie Spiritualität eines Millionärs in diesem Koordinatensystem nachgewiesen werden soll, ist unklar. Die Spiritualität eines Armen ist gleichfalls nebulös und nicht offensichtlich. Ja, aber einen Reichen im Geiste des Proletenkults zu beschimpfen, ist leicht und gewohnt! Über eine willkürliche Auslegung von „destruktivem Content (Inhalt)“ zwecks Begründung von Verboten sogar rational zu sprechen, ist schwierig. Es gibt da zu viel Subjektives und Wertendes in dem Begriff an sich.

Gerade dank einiger Bestimmungen dieses Dokuments gelingt es den heutigen Konservativen, eine Reihe von Normen der Verfassung der Russischen Föderation, die Rechte und Freiheiten garantieren, auf selbsternannter Art und Weise zu umgehen.

Unter anderem verkündet Artikel 13 des Grundgesetzes: „In der Russischen Föderation wird eine ideologische Vielfalt anerkannt. Keinerlei Ideologie kann als eine staatliche oder obligatorische festgelegt werden“.

Und Artikel 29 bestimmt:

„Jedem wird die Gedanken und Redefreiheit garantiert…“

Niemand kann zu einer Äußerung seiner Meinungen und Überzeugungen oder zu deren Aufgabe gezwungen werden“.

„Jeder hat das Recht, frei Informationen auf jegliche legitime Art und Weise zu suchen, zu erhalten, weiterzugeben, herzustellen und zu verbreiten. Das Verzeichnis der Angaben, die ein Staatsgeheimnis darstellen, wird durch ein föderales Gesetz bestimmt“.

„Garantiert wird die Freiheit der Massenmedien. Eine Zensur ist verboten“.

Anders gesagt: Patruschew ist ein seriöser Mann und verdient ein aufmerksameres Studium seiner Wertungen und Urteile. Um nicht in der Zukunft ins Staunen zu geraten, denn man hatte uns gewarnt.

Gehen wir einmal einige Thesen von Patruschew durch.

„Von 40 Millionen Franzosen haben den Okkupanten etwa dreieinhalbtausend gedient. Ich unterstreiche: Nicht sympathisiert, sondern gerade aktiv gedient. An der Résistance aber hatten rund 250.000 Franzosen teilgenommen. Die Zahlen sind unvergleichbare. Die letzten Verteidiger des Reichstages waren französische SS-Männer gewesen. Und dennoch gehörte Frankreich zu den Siegermächten, erhielt einen Sitz im Sicherheitsrat der UNO dank der französischen antifaschistischen Bewegung und der persönlichen Achtung für General de Gaulle seitens Stalins“.

„Wenige wissen um die deutsche Okkupation der Normandie-Inseln im Ärmelkanal, die den Briten gehörten. Dort hatte sich solch ein gegenseitiges Einvernehmen zwischen den Engländern und den Deutschen herausgebildet, dass die britischen Polizisten sogar gemeinsam mit deutschen Soldaten das Territorium patrouillierten“.

„Insgesamt muss man sich seit langem aneignen, dass gegen die UdSSR bewusst das ganze Europa gekämpft hatte. Beinahe die Hälfte der SS-Divisionen wurden aus Vertretern anderer Staaten gebildet – aus Italien, Rumänien, Ungarn, Finnland, der Slowakei, aus Frankreich, Kroatien, Spanien, Dänemark, Holland und einer Reihe anderer. An der Blockade meiner Heimatstadt Leningrad hatten beispielsweise elf Staaten teilgenommen. Zusammen mit den Deutschen und Finnen hatten Italiener, Norweger, Spanier, Rumänen, Belgier, Holländer, Vertreter aus dem Baltikum versucht, die Leningrader zu vernichten. Jetzt helfen ihre Nachfahren heuchlerisch Kiew, Sankt Petersburg mit Drohnen zu attackieren“.

— Über die formelle Neutralität der Europäer: „Die Schweden versorgten die Deutschen mit strategischen Rohstoffen und Industrieerzeugnissen, die Portugiesen verkauften Wolfram. Die schweizerische Neutralität ist ein gesondertes Thema. Goldbarren aus Schmuckgegenständen und Zahnkronen umgebrachter Häftlinge der Konzentrationslager werden nach wie vor in den Kellerräumen schweizerischer Banken aufbewahrt. Und Irlands Premier Éamon de Valera kam im Mai 1945 in die deutsche Botschaft und im Zusammenhang mit dem Tod Hitlers zu kondolieren“.

„Aber sie müssen doch begreifen, dass im Falle einer Aggression in erster Linie dem friedlichen unbeschwerten Leben Litauens und dessen Souveränität ein Ende kommen wird. Und dennoch lässt Vilnius nicht die Finger von der Sache. Wissen Sie, in Litauen habe ich viele Freunde noch aus den Kinderjahren. Wir stehen mit ihnen im Kontakt. Und sie sagen unisono, dass ihre Offiziellen nicht die nationalen Interessen vertreten, sondern zielstrebig das Land in irgendeine Kolonie von Brüssel verwandeln würden“.

„Im Verlauf der militärischen Sonderoperation führen wir unter anderem einen Kampf um die Zukunft der ukrainischen Bevölkerung. Sie ist buchstäblich an den Rand eines Überlebens gebracht worden. Das Land hat sich zu einer Hälfte in eine riesige Kaserne und zur anderen Hälfte in ein Konzentrationslager verwandelt“.

„Vom Wesen her erfüllen wir heute in der Ukraine eine Mission zur Rettung unserer Brüder, die unter eine neonazistische Okkupation geraten sind“.

— Über den Einmarsch sowjetischer Truppen in Ungarn und in die Tschechoslowakei: „Die Sowjetunion hatte nur als eine Antwort auf den Terror Gewalt angewandt – wie in Ungarn, wo eine Menschenmenge ihre eigenen Mitbürger buchstäblich in Stücke zerfetzt hatte. Was die Tschechoslowakei angeht, so ist es dort ganz und gar gelungen, Verluste unter der Bevölkerung zu umgehen“.

„In der Welt wird es so viele Pole geben, wie es in ihr große Seemächte geben wird. Wenn wir wollen, dass Russland ein großes bleibt, ein wahres Zentrum der Stärke ist, so müssen wir die Positionen zur See verstärken… Und ich bin davon überzeugt, dass Russland eine große Seemacht war, ist und sein wird… Daher können und müssen wir zu einem Bindeglied im maritimen Handel zwischen den vier Ozeanen werden“.

„Und dafür müssen wir unter anderem ein beträchtliches Kriegsmarinepotenzial besitzen. Ein Staat, der nicht in ausreichendem Maße Seeräume kontrolliert, riskiert in einem entscheidenden Moment, sich in einer schwierigen Situation unabhängig von der Stärkte der Landarmee wiederzufinden“.

„Es ist kein Geheimnis, dass unsere Häfen bereits regelmäßig Handelsschiffe mit am Schiffsboden befestigten Magnetminen, das heißt in schwimmende Bomben verwandelte, anlaufen. Wir entdecken diese Minen, entschärfen sie, aber allein die Tatsache liegt auf der Hand. Übrigens, es besteht der Verdacht, dass die Minen in europäischen Häfen angebracht werden“.

„Erinnern Sie sich des berühmten Gebots von Admiral Uschakow? „Ein naher Abstand zum Feind ist die beste Taktik“. Man darf nicht auf den Zeitpunkt warten, an dem Schiffe, Flugzeuge und Drohnen der NATO an unseren Seegrenzen auftauchen. Sie sind auch so bestrebt, sich dort ständig zu befinden. Im Gegenteil, wir müssen selbst unter der Nase des wahrscheinlichen Gegners sein. Ein gutes Beispiel ist die Begleitung von Handelsschiffe durch unsere Seekreigsflotte im Ärmelkanal, buchstäblich an der Küste Englands. Nicht ein einziges britisches Schiff, nicht ein einziges Flugzeug hatten es auch nur gewagt, unseren Konvoi abzufangen“.

„Viele Europäer hatten in den Reihen der Wehrmacht und der SS-Truppen den Völkern der UdSSR den Tod gebracht“.

„Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass Russland in den 90er Jahren am Rand eines Auseinanderfallens stand… Während zu jener Zeit wie auch heute praktisch das ganze Europa Terroristen großzog, die danach strebten, Russland zu zerstören“.

— Über den Terrorakt an der Dubrowka (in der dritten Oktoberdekade des Jahres 2002 im Moskauer Musical-Theater „Nord-Ost“ — Anmerkung der Redaktion): „Es sei unterstrichen, die Einheiten des FSB (Russlands Inlandsgeheimdienst – Anmerkung der Redaktion) haben professionell gearbeitet. Ja, aber in den anderen Diensten gab es kein solches reibungsloses Zusammenwirken. Die Sache ist die, dass nach der Vernichtung der Terroristen alle Geiseln eine notwendige Hilfe erhalten sollten. Die sollten die Rettungskräfte gewähren, die in den Zuschauersaal nach den Spezialeinheiten kamen. Sie hatten aber den Kopf verloren. Im Endergebnis war nicht allen Betroffenen ein Antidot gespritzt worden. Und einige der Geiseln erhielten eine zweifache Dosis. Dies führte auch zu den Verlusten. Damals wurden die entsprechenden Schlussfolgerungen gezogen, darunter hinsichtlich der Koordinierung unterschiedlicher Strukturen und deren Ausbildung für Handlungen in extremen Situationen. Und es muss gesagt werden, heute agiert das Katastrophenschutzministerium unter Führung von Minister (Alexander) Kurenkow weitaus effektiver und professioneller“.

Patruschew vermittelt seine durchaus bestimmte Interpretation der Rolle Europas im Zweiten Weltkrieg: Gegen die UdSSR habe fast das ganze Europa inklusive Freiwilliger und Kollaborateure gekämpft. Die Anzahl der mit dem Nazismus zusammenarbeitenden übertreffe spürbar die Anzahl der Widerstandskämpfer. Und die Neutralität Schwedens und der Schweiz hätte sich als eine formale und heuchlerische erwiesen.

Vor dem Hintergrund von Patruschew sieht Stalin wie ein dankbarer, aufrichtiger und mitfühlender Mann aus. Urteilen Sie selbst! Bereits am 3. Juli 1941 hatte Genosse Stalin in seinem Appell an die „Brüder und Schwestern“ gesagt: „Das Ziel dieses Vaterländischen Krieges des ganzen Volkes gegen die faschistischen Unterdrücker ist nicht nur eine Liquidierung der Gefahr, die über unserem Land schwebte, sondern auch eine Hilfe für alle Völker Europas, die unter dem Joch des deutschen Faschismus stöhnen. In diesem Befreiungskrieg werden wir nicht allein sein. In diesem großen Krieg werden wir treue Verbündete in Gestalt der Völker Europas und Amerikas, darunter in Gestalt des deutschen Volkes, das durch die Hitler-Bosse geknechtet wird, haben. Unser Krieg um die Freiheit unseres Vaterlands wird sich mit dem Kampf der Völker Europas und Amerikas um ihre Unabhängigkeit und um die demokratischen Freiheiten vereinen. Dies wird eine vereinte Front der Völker sein, die für die Freiheit einstehen und gegen eine Unterjochung und Gefahr einer Unterjochung seitens der faschistischen Armeen Hitlers sind. In diesem Zusammenhang sind der historische Auftritt von Großbritanniens Premier, Herrn Churchill, über Hilfe für die Sowjetunion und die Deklaration der Regierung der USA über die Bereitschaft, unserem Land Hilfe zu leisten, die nur ein Gefühl von Dankbarkeit in den Herzen der Völker der Sowjetunion auslösen können, durchaus verständliche und bezeichnende“.

Ein Begreifen des Kontextes demonstrierend, erklärt Stalin, dass die überwiegende Mehrheit der Europäer unter dem Joch des deutschen Faschismus stöhne. Und damit zieht er eine Trennungslinie zwischen den Völkern der europäischen Länder und dem faschistischen, dem Hitler-Regime.

Am 3. September 1941 schreibt Stalin in einer persönlichen Botschaft an Churchill über die Notwendigkeit, „gleichzeitig die Sowjetunion mit 30.000 Tonnen Aluminium bis Anfang Oktober des Jahres und einer monatlichen minimalen Hilfe im Umfang von 400 Flugzeugen und 500 Panzern (kleinen oder mittleren) abzusichern. Ohne diese zwei Arten von Hilfe wird die Sowjetunion entweder eine Niederlage oder soweit geschwächt werden, dass sie für lange die Fähigkeit verliert, ihren Verbündeten mit ihren aktiven Handlungen an der Front des Kampfes gegen den Hitlerismus Hilfe zu leisten“. Stellen Sie sich vor, selbst Stalin spricht von einer möglichen Niederlage ohne westliche Hilfe!

Im November 1941 schrieb Stalin in einem Brief an den US-Präsidenten Roosevelt, dass „die Entscheidung, der Sowjetunion einen zinslosen Kredit im Umfang von 1.000.000.000 Dollar für Lieferungen militärischer Ausrüstungen und Rohstoffe zu gewähren, von der sowjetischen Regierung mit herzlicher Dankbarkeit als eine wesentliche Hilfe im Kampf gegen den gemeinsamen Feind – den blutigen Hitlerismus – aufgenommen worden ist“.

Auf der Teheraner Konferenz brachte Stalin am 30. November 1943 einen Toast aus, in dem er sagte, dass „das Wichtigste in diesem Krieg die Maschinen sind“, wobei er unterstrich, dass die USA um ein Mehrfaches mehr Flugzeuge und andere Technik als die UdSSR und Großbritannien herstellen würden. In diesem Toast gestand er faktisch ein, dass es für die Sowjetunion ohne die amerikanischen Technik-Lieferungen im Rahmen des Land-Lease schwer werden würde, wobei er die USA als ein „Land der Maschinen“ bezeichnete und die entscheidende Rolle deren Industriepotenzials akzentuierte.

In der Tat, die Hilfe der Verbündeten war eine wichtige. Und in den Anfangsmonaten des Krieges – eine kritisch wichtige: Penicillin, Schießpulver, Sprengstoffe, moderne Fernmeldemittel, LKW, Lokomotiven, Flugzeuge, Fleischkonserven usw. Über diese Hilfe sprachen und schrieben viele Spitzenvertreter der UdSSR und große Feldherren.

Patruschew vermittelt über die Medien ein, wie im wahrscheinlich scheint, nicht destruktives Narrativ, sondern Schlüsselideen für die patriotische Erziehung und einen Hinweis für die Interpretation der Wirklichkeit. Der Westen habe stets für Russland Böses gewollt, das Land hätten die Tschekisten (Geheimdienstmitarbeiter – Anmerkung der Redaktion) vor einem Auseinanderbrechen gerettet, und diese, ihre Rettungsmission werde fortgesetzt.

Während aber Patruschew die Worte und Einschätzungen von Stalin aufgrund der weit zurückliegenden Jahre vergessen konnte, so ist es zumindest merkwürdig, dass die Position von Putin durch seinen Berater nicht berücksichtigt worden ist.

Während der Plenartagung des Östlichen Wirtschaftsforums im September 2023 hatte man Russlands Präsident nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Ungarn (1956) und in die Tschechoslowakei (1968) gefragt, aufgrund dessen viele dort die Auffassung vertreten, dass sich Russland zu Zeiten der UdSSR wie ein Kolonisator aufgeführt hätte. Die Antwort Putins war bar einer Zweideutigkeit: „Schon längst hat man eingestanden, dass eben dieser Teil der Politik der Sowjetunion ein fehlerhafter war und nur zu Spannung führte. Man darf nichts in der Außenpolitik tun, was sich in einem offenkundigen Widerspruch zu den Interessen anderer Völker befindet“.

Interessant ist der Akzent Patruschews auf das Kriterium der künftigen Größe des Landes und des legitimen Platzes als ein Zentrum der Stärke. Dies könne nur dank der Seekriegsflotte gewährleistet werden. Ohne eine Kontrolle der vier Ozeane – in keiner Weise. Da kommt das institutionelle Interesse des „Hauptseemanns Russlands“ zum Vorschein – gebraucht werde eine spüre Aufstockung der Haushaltsausgaben für das Kriegsmarine-Thema.

Am Ende des Interviews tangierte Patruschew aus irgendeinem Grunde das Thema des Terroraktes an der Dubrowka. Die Offiziellen lieben es nicht, sich der Tragödie von „Nord-Ost“ zu erinnern. Da gibt es zu viele Fragen. Er aber hat es auch tangiert, da er eine Antwort hat: Die vorbildliche Arbeit des FSB und die Kopflosigkeit der Mitarbeiter des Katastrophenschutzministeriums. Sie waren mit den Antidots durcheinander gekommen, was zum Tod von Menschen bereits nach der Befreiung führte. Dies ist eine direkte Attacke gegen den derzeitigen Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation (Sergej) Schoigu, der damals das Katastrophenschutzministerium geleitet hatte. Und er hatte den Ruf des Leiters des effektivsten Dienstes im Land. Und da erfahren wir von Patruschew, dass die Effektivität des Katastrophenschutzministeriums in der Schoigu-Ära ein Mythos sei. Freilich, jetzt, ohne Schoigu habe das Katastrophenschutzministeriums unter Führung des neuen Ministers – eines Mannes aus den Sicherheitsorganen – wieder Professionalismus und Effektivität erlangt. Anders gesagt: Die Zukunft Russlands den Tschekisten zu überlassen, sei nicht schlimm. Anderen – riskant. Sie würden wenig Wichtiges begreifen und noch weniger können.

Abschließend sei noch einmal unterstrichen: Stehen Sie scharfsichtig und verantwortungsbewusst dem Weltbild à la Patruschew gegenüber, damit sich die Zukunft, über die alle so gern mutmaßen, nicht als eine Überraschung erweist.