Im Januar haben die Verbände der Streitkräfte der Russischen Föderation das Tempo der Offensive an der Front nicht verringert. Solch eine Schlussfolgerung kann man aus dem Bericht des Chefs des russischen Generalstabs, Valerij Gerassimow, über die Ergebnisse der Gefechte in den vergangenen zwei Wochen ziehen. Dabei können die Probleme bei der Versorgung und Auffüllung der Streitkräfte der Ukraine zusammen mit den Witterungsbedingungen das fördern, dass die Erfolge der russischen Truppen in der Zone der sogenannten militärischen Sonderoperation in der Ukraine zu noch bedeutsameren werden. In Kiew hat es derweil wieder einen Wechsel an der Spitze der bewaffneten Organe gegeben. Die Ukraine forciert die Rüstungsproduktion. Und in den Strukturen der ukrainischen Streitkräfte werden die Reformen fortgesetzt, die auf eine Erhöhung der Kampfkraft abzielen.
Die ukrainischen Militärs haben in der letzten Zeit vor dem Hintergrund dessen, dass sie keine Erfolge an der Front erzielen, begonnen, aktiver russischen Energie- und Industrieobjekte anzugreifen, besonders in den frontnahen Regionen. Der Präsident der Ukraine, Wladimir Selenskij, hatte mehrfach erklärt, dass auf eine Untergrabung des Wirtschaftspotenzials der Russischen Föderation gesetzt werde. Laut einer Meldung des russischen Verteidigungsministeriums vom Donnerstag seien durch die Luftverteidigungskräfte zwei Lenkraketen großer Reichweite vom Typ „Neptun“ und 265 Drohnen des Flugzeugtyps abgeschossen worden. Die Drohnen seien vor allem über den Verwaltungsgebieten Rostow, Brjansk und Belgorod vernichtet worden. Mindestens fünf Drohnenseien im Verwaltungsgebiet Wolgograd vernichtet worden, und drei in der Republik Baschkirien. Das Regime einer Drohnen-Gefahr wurde in den Verwaltungsgebieten Orenburg, Samara, Tula und Pensa verhängt. Laut Informationen der Redaktion „NG Deutschland“ wurde auch in Rjasan in der Nacht zum Freitag ein Wohnhochhaus von zwei Drohnen beschädigt. Viele Häuser von Einwohnern in Belgorod blieben nach einem massiven Raketenschlag gegen diese Stadt am 9. Januar nach wie vor ohne eine Stromversorgung. Über Störungen bei der Stromversorgung für über 70.000 Menschen wurde gleichfalls aus dem Brjansker Gebiet berichtet.
Über eine erfolgreiche Offensive praktisch in allen Richtungen in der Zone der militärischen Sonderoperation berichtete derweil Armeegeneral Valerij Gerassimow. „Die russische Armee hat innerhalb von zwei Wochen des Januars 2026 acht Ortschaften besetzt. Unter die Kontrolle der Armee gelangten über 300 Quadratkilometer“, betonte er. Es sei angemerkt, dass im Jahr 2025 die Streitkräfte der Russischen Föderation im Durchschnitt in solch einem Zeitraum rund 250 Quadratkilometer von den ukrainischen Streitkräften befreit hatten. Das heißt, die Armee der Russischen Föderation hat das Tempo der Offensive erhöht. Jedoch ist solch ein Vergleich nicht sehr korrekt, da der Erfolg der Gefechtshandlungen nicht nur an der Größe des eingenommenen Territoriums gemessen wird, sondern auch an der Tatsache einer Vernichtung des Gegners an den befestigten Verteidigungspunkten, die sich vor allem in Städten und großen Siedlungen befinden.
Gerassimow inspizierte den Verlauf der Erfüllung der Gefechtsaufgaben durch die Verbände und Truppenteile der Truppengruppierung „Zentr“ (deutsch: „Zentrum“), die in der Dnepropetrowsker Richtung handeln. Gerade da würden nach Aussagen von Gerassimow die schwersten Gefechte andauern. Der Generalstabschef betonte, dass die Truppen der Gruppierung „Vostok“ (deutsch: „Osten“) nach Erlangung der Kontrolle über die Stadt Guljajpolje und nach Forcierung des Flusses Gatscha die Offensive im Verwaltungsgebiet Saporoschje fortsetzen würden, wobei sie das kontrollierte Territorium im Verwaltungsgebiet Dnepropetrowsk erweitern würden. Die Verbände der Gruppierung „Dnepr“ würden in Richtung der Stadt Saporoschje vorrücken, wobei sie die Kontrolle über die Ortschaften Belogorje und Nowobajkowskaja erlangt hätten. Die Gruppierung „Zapad“ (deutsch: „Westen“) entwickle die Offensive in der Krasnolimaner Richtung. Die Gruppierung „Jug“ (deutsch: „Süden“) bewege sich nach Einnahme von Sewersk in Richtung Slawjansk, wobei die Gefechte in der Stadt Konstantinowka andauern würden.
„Um jetzt nach Slawjansk zu gelangen, müssen die russischen Truppen rund 30 Kilometer überwinden. Dies ist natürlich keine geringe Entfernung. Obgleich es auf dem Weg der Offensive der Verbände der russischen Streitkräfte zu dieser wichtigen Stadt relativ wenige befestigte Abschnitte gibt. Das Gelände ist hier vor allem ein ebenes, das Waldstreifen durchziehen, in denen sich auch vor allem die Militärs der ukrainischen Streitkräfte verbergen, sagte der „NG“ der Militärexperte und Generalleutnant a. D. Jurij Netkatschjow. Nach seiner Meinung werde die Einnahme von Slawjansk und des nebenan gelegenen Kramatorsk, der zwei wichtigen Industriestädte, faktisch die Kontrolle über dem gesamten Donbass sichern.
Und die Einnahme der Agglomeration Krasnoarmeisk und Dimitrow durch die Armee der Russischen Föderation belege bereits, dass die weltgrößten Kohlebetriebe unter die Kontrolle der Russischen Föderation gelangt seien, die Anthrazit fördern, das für die Herstellung von Stahl erforderlich ist, erinnerte der Experte. „Die Truppen der Gruppierung „Dnepr“ führen derzeit Gefechtshandlungen am linken Dnepr-Ufer im Raum Stepnogorsk. Von dort aus sind es bis zum Verwaltungszentrum, bis zur Stadt Saporoschje weniger als 40 Kilometer. Dabei ist das Relief dort solch eines, dass bei einer Einnahme der Anhöhen im Raum Stepnogorsk Saporoschje für die russischen Truppen wie eine leichte Beute erscheint. Und dorthin verlegt man augenscheinlich bereits weitreichende Artillerie, die in der Lage ist, die befestigten Punkte der ukrainischen Truppen in dieser Stadt zu vernichten“, betonte Netkatschjow.
Es sei angemerkt, dass derartige Prognosen Vertreter sowohl der ukrainischen Streitkräfte als auch westliche Medien formulieren. Der Sprecher der Verteidigungskräfte des Südens der Ukraine, Wladislaw Woloschin, sagte beispielsweise geradeheraus, dass Stepnogorsk an einem vorteilhaften Ort gelegen sei, der „die Möglichkeit eröffnet, das Feuer gegen Saporoschje zu führen“. Dabei könnten die Streitkräfte Russlands die östliche, südöstlichen und südlichen Randgebiete Saporoschjes unter einer Feuerkontrolle halten und die Möglichkeit erlangen, die Logistikwege zu beschießen, die aus Saporoschje gen Osten – nach Guljajpolje und Orechow – führen. Das britische Blatt „The Economist“ betonte, dass die langsame, aber methodische russische Offensive in der südlichen Richtung Saporoschje direkt bedrohe. Und dessen Verlust werde die Ukraine zwingen, Reserven von der Donbass-Richtung abzuziehen, was Russland einer vollständigen Kontrolle über den Donbass nahebringen werde.
Derweil erörtern Experten die Ernennung von Michail Fjodorow zum neuen ukrainischen Verteidigungsminister, der bisher 1. Vizepremier und Minister für digitale Transformation gewesen war. Dies sei ein Mann aus der Umgebung von Selenskij und der jüngste Verteidigungsminister in der Landesgeschichte (am 21. Januar wird er 35 Jahre alt – Anmerkung der Redaktion). Gerade er hatte sich gleich nach Beginn der militärischen Sonderoperation Russlands gegen die Ukraine über soziale Netzwerke an den SpaceX-Gründer Elon Musk mit der Bitte gewandt, die Ukraine mit Starlink-Stationen und einem Zugang zu einem satellitengestützten Internet zu unterstützen. Und solch eine Unterstützung wurde gewährt. Im neuen Amt (seit dem 14. Januar – Anmerkung der Redaktion) wird sich Fjodorow auf eine „reale Prüfung der Finanzen in den Streitkräften der Ukraine“ und eine Unterstützung der Verteidigung durch eine „Drohnen-Linie“, gegenwärtig unter seiner Beteiligung geschaffen wird, konzentrieren. Nach Aussagen von Fjodorow seien unter seinen Zielen, „eine Armeereform durchzuführen, die Infrastruktur an der vordersten Frontlinie zu verbessern, Lügen und Korruption auszumerzen sowie die Führungsrolle und das Vertrauen zu einer neuen Kultur zu machen“.