Die Kollisionen im Zusammenhang mit den personellen Umbesetzungen im Verteidigungsministerium der Ukraine haben sich bisher in keiner Weise auf die Handlungsfähigkeit ihrer Streitkräfte ausgewirkt. Sie führen nach wie vor aktive Verteidigungsgefechte in der Konfliktzone und attackieren weiter das Territorium der Russischen Föderation mit weitreichenden Drohnen. Im Zusammenhang damit suchen die Regierung und das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation nach Wegen für eine Erhöhung der Effektivität der Luftverteidigung, unter anderem durch den Einsatz von Abfangdrohnen. Dem galt eine thematische Tagung unter Beteiligung von Vertretern der Rüstungsindustrie und verschiedener Institutionen, die unter dem Vorsitz des 1. Vizepremier Denis Manturow stattfand. Ihr Hauptfazit ist: Geplant ist, die Herstellung von Drohnen für die Luftverteidigung drastisch zu steigern.
Russlands Verteidigungsministerium meldete am 19. Juli, dass die Verbände der Truppen „Vostok“ (deutsch: „Osten“) das Dorf Wolnoje im ukrainischen Verwaltungsgebiet Dnepropetrowsk besetzt hätten. Russische Raketen und Drohnen hätten, wie das Verteidigungsministerium meldete, Schläge gegen Unternehmen der Rüstungsindustrie und gegen Logistik-Zentren in Kiew und im Verwaltungsgebiet Kiew sowie gegen Infrastruktur-Objekte des Hafens „Juschnyj“ des Verwaltungsgebietes Odessa geführt. Laut Informationen ukrainischer Quellen habe die Armee der Russischen Föderation allein gegen Ziele in Kiew und im Verwaltungsgebiet Kiew 51 Raketen und 125 Drohnen eingesetzt. Getroffen wurden der Betrieb der funkelektronischen Industrie „Radioniks“, das Unternehmen „Spezoboronmasch“/„Artjom“ der Raketen- und Kosmos-Industrie und der Betrieb „Kiew-90“ (sie befassten sich mit der Herstellung von Bauteilen für Drohnen großer Reichweite), aber auch andere kritisch wichtige Objekte — „Nowaja Potschta“ und das Logistik-Zentrum „Antel Properties“ in Tarasowka. Im Hafen „Juschnyj“ des Verwaltungsgebietes Odessa seien Reservoirs mit Kraft- und Schmierstoffen vernichtet worden. Der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij erklärte, dass der in der Nacht zum 19. Juli geführte Schlag gegen Kiew zu einem der massivsten geworden war. Und er bat bei den Verbündeten um Munition für die Luftverteidigungssysteme.
Russlands Regierung (und nicht nur sie – Anmerkung der Redaktion) ist aufgrund der Zunahme der Attacken von Drohnen gegen das Territorium der Russischen Föderation besorgt. Laut einer Meldung des russischen Verteidigungsministeriums vom Sonntag seien in den vergangenen 24 Stunden 678 ukrainische Drohnen abgeschossen worden. Am Tag zuvor seien 774 Drohnen abgeschossen worden. Davon seien 207 Drohnen beim Anflug gen Moskau vernichtet worden. (Und am Montagmittag teilte das Verteidigungsministerium mit, dass in den vergangenen 24 Stunden 917 ukrainische Drohnen vernichtet worden seien. — Anmerkung der Redaktion)
Erstmals seit Beginn der militärischen Sonderoperation Russlands in der Ukraine vor mehr als vier Jahren erfolgte eine thematische Regierungstagung, in deren Verlauf unter Beteiligung von Vertretern des Verteidigungsministeriums und der Industrie Wege zur Erhöhung des Schutzes des Territoriums der Russischen Föderation und wichtiger Objekte auf ihm erörtert wurden. „Es ist notwendig, klar die Anforderungen an die Abfangdrohnen für eine Bekämpfung von Mittelstrecken- und weitreichenden Drohnen zu bestimmen“, erklärte Manturow. „Es müssen aber auch Vorgehensweisen für die Gewährleistung einer Massenfertigung von Modellen mit unterschiedlichen Einsatzformen ausgearbeitet werden. Wobei aus der Hand zu startende im Bestand mobiler Feuergruppen oder mit Startanalgen für Luftabwehrraketensysteme und -komplexe gemeint sind. Für einen wirksameren Einsatz von Abfangmitteln muss man deren Zusammenwirken mit den Systemen für eine Ortung, Zielzuweisung und Steuerung vervollkommnen“. Laut einer Meldung des russischen Verteidigungsministeriums sprachen die Teilnehmer der Tagung über taktisch-technische Anforderungen an Abfangdrohnen und deren Platz im zonalen und Objektsystem der Luftabwehr, über Erfahrungen aus ihrem Einsatz beim Schutz kritisch wichtiger ziviler Objekte, aber auch über die Möglichkeiten der Industrieunternehmen zur Erhöhung der Fertigung solcher Drohnen. Auf einer Ausstellung wurden von der russischen Rüstungsindustrie entwickelte Abfangdrohnen unterschiedlicher Ausführung, neue Luftabwehr-Komplexe, bodengestützte Roboter-Komplexe für eine Bekämpfung von Drohnen, Boden-Funk- und Steuerstationen für Drohnen, spezielle Software sowie Soft- und Hardware-Komplexe präsentiert.
Zuvor waren die Effektivität der Luftverteidigung, der Einsatz von Drohnen und die Tätigkeit der Armee der Russischen Föderation zur Erhöhung der Gefechtsmöglichkeiten bei einer Kollegiumssitzung des russischen Verteidigungsministeriums erörtert worden. Wie in deren Verlauf Vizeverteidigungsminister Dmitrij Schtscherbiniin erklärte, habe die Implementierung digitaler Technologien im Bereich der Durchführung der Militäroperation erlaubt, spürbar die Effektivität der Truppenführung zu erhöhen. Nach seinen Worten habe die Anwendung des Systems für eine von der Situation abhängigen Kenntnis auf taktischer und operativer Ebene den Einheiten einen Zugang zu notwendigen digitalen Services im Real-Time-Regime gesichert. In der Armee bilde sich eine neue digitale Vertikale heraus, betonte Schtscherbinin. Nach seinen Worten seien im zweiten Halbjahr eine weitere Implementierung neuer Services, aber auch die Zuschaltung neuer Nutzer der Truppen-Gruppierungen zur Infrastruktur des Projekts „SWOD“ (siehe https://www.ng.ru/armies/2026-07-16/2_9539_russia.html) geplant.
Vizeverteidigungsminister Alexej Kriworutschko (insgesamt hat Verteidigungsminister Andrej Belousow zwölf (!) Stellvertreter – Anmerkung der Redaktion) informierte während der Tagung des Kollegiums über die Ausbildung von über 8000 Spezialisten für die Drohnen-Truppen seit Beginn des Jahres. Er wies gleichfalls darauf hin, dass die Anzahl der an die Truppen gelieferten Drohnen im Vergleich zum Jahr 2025 um mehr als das 2fache zugenommen habe. Außerdem sei der Umfang der Frachtgüter, die an die Frontlinie durch den Einsatz von bodengestützten Roboterkomplexen und Drohnen gebracht wurden, um mehr als das 2fache erhöht worden, berichtete Vizeminister Alexander Santschik.
„Den Ergebnissen der strategischen Tagung nach zu urteilen, bestimmt die Regierung nur die Anforderungen an die Abfang-Drohnen für die Bekämpfung von Mittelstrecken- und weitreichenden Drohnen“, sagte der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Nikolaj Schulgin. „Denis Manturow hat die Aufgabe gestellt, „Vorgehensweise für die Gewährleistung einer Massenfertigung von Modellen mit unterschiedlichen Einsatzformen auszuarbeiten“. Hier muss nicht herumgerätselt werden. Augenscheinlich wird die Herstellung von Drohnen in erster Linie mit einer künstlichen Intelligenz und mit einfacheren Formen für ihren Einsatz erhöht werden. Für die Bedürfnisse der Armee gibt es augenscheinlich bereits Abfang-Drohnen an der Front. Dies sind vor allem sozusagen Nahkampf-Drohnen. Sie arbeiten in einer taktischen Staffel in einer Tiefe von bis zu 5 km. Für einen Schutz von Objekten in der Tiefe der Russischen Föderation werden offensichtlich nicht nur diese, sondern auch andere Drohnen gebraucht“. Der Experte ist sich sicher, dass sich die Produktion der in der Zone der Sonderoperation einzusetzenden Drohnen vom Typ „Jolka“ (sie suchen selbst das Ziel mithilfe von Elementen der künstlichen Intelligenz), der Abfangdrohnen „Lis-2“ mit einer erhöhten Reichweite, „Rita-2“, „Gus“, „Sokol-I“ u. a. entwickeln werde.