Russlands Internet-Nutzer werden seit Wochen, wenn nicht gar Monaten mit Problemen beim Zugang zum Internet konfrontiert. Auch die Redaktion „NG Deutschland“ musste eine zeitweilige, bisher ungeklärte Blockierung ihrer Internetseite in Kauf nehmen: Die Folge – Beiträge blieben liegen, interessante, zu Papier gebrachte Themen wurden von den Ereignissen eingeholt und bemerkenswerte Fakten sind irgendwie untergegangen. Jedoch wollen wir uns damit nicht so einfach abfinden. Daher haben wir den Versuch unternommen, einen Rückblick auf die letzten Tage zu werfen.
Wie weiter mit den Ukraine-Verhandlungen?
Die trilateralen Verhandlungen zur Beilegung des Ukraine-Konflikts sind ins Stocken geraten. Die Europäer versuchen derweil, auch an den Verhandlungstisch zu kommen. In diesem Kontext unternahm Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Schritte, um Moskau von solch einer Variante zu überzeugen. Er entsandte Anfang Februar seinen Berater Emmanuel Bonne in die russische Hauptstadt, um dementsprechend die Lage zu sondieren (https://ngdeutschland.de/wozu-braucht-macron-einen-dialog-mit-russland/). Mit dem Ergebnis – Null-Erfolg. Die Londoner „Financial Times“ nahm sich in der vergangenen Woche noch einmal diesem Thema an und wusste zu berichten, dass der Kreml mit einem entschiedenen Nein auf die Bemühungen Macrons reagiert hätte. Moskau wolle Europa nicht zu den Ukraine-Verhandlungen lassen. Der außenpolitische Berater von Russlands Präsident Wladimir Putin, Jurij Uschakow (der am 17. März seinen 79. Geburtstag feierte), habe die Franzosen dabei grob abserviert und soll sogar ein unflätiges russisches Wort verwendet haben. Dies hat jedoch am Wochenende Kremlsprecher Dmitrij Peskow dementiert, der überdies erneut darauf verwies, dass die europäischen Länder den Dialog behindern würden. „Die Europäer wollen dem Friedensprozess nicht helfen. Als der Vertreter Frankreichs kam, hat er keinerlei positive Nachrichten mitgebracht. Folglich hat er zweifellos auch nichts Positives zu hören bekommen“, betonte Peskow laut einer entsprechenden Meldung der russischen Nachrichtenagentur Interfax.
Ein wahrhaft unglaublicher Auftritt
Am Donnerstag hatte Russlands Präsident Wladimir Putin allen Grund zur Freude. Er empfing die russische Mini-Mannschaft aus sechs Aktiven, die bei den am 15. März zu Ende gegangenen 14. Winter-Paralympics eine wahre Sensation bescherte. Erstmals seit 12 Jahren konnten russische Athleten wieder unter der Flagge und mit der Hymne Russlands an den Start gehen und errangen zwölf Medaillen. Damit landete das Team auf den 3. Platz in der Mannschaftswertung hinter China und den USA, die mit zehnmal größeren Mannschaften nach Italien gekommen waren. „Sie haben sowohl Russland als auch der ganzen Welt demonstriert, wer wirklich der hohen Mission eines paralympischen Sportlers – die Welt zu inspirieren und zu begeistern – entspricht. Und Sie haben dies gerade getan“, erklärte Putin bei der Begegnung, in deren Verlauf er den Medaillengewinnern staatliche Auszeichnungen verlieh. Der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees Andrew Parsons hatte unmittelbar vor der Abschlussveranstaltung der Paralympischen Winterspiele im Curling Stadium von Cortina d’Ampezzo nochmals die Teilnahme Russlands verteidigt. „Die Top fünf sind China, USA, Russland, Italien und Österreich. Russland ist nicht das einzige Land, das derzeit in einen Krieg involviert ist“, betonte der Brasilianer. Und an der Stelle sei noch einmal an die russischen Medaillengewinner erinnert: Die Skialpine Warwara Worontschichina gewann zwei Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille. Die Skiläuferin Anastasia Bagijan errang dreimal Gold, der Skialpine Alexej Bugajew kam auf eine Gold- und zwei Bronzemedaillen. Vierter Medaillengewinner im russischen Team wurde der Skiläufer Iwan Golubkow mit zweimal Gold. Nur die Para-Snowboardfahrer Dmitrij Fadejew und Filipp Monser Schebbo schafften nicht den Sprung auf Podiumsplätze. Die zahlenmäßigste kleinste Mannschaft bei den 14. Winter-Paralympics stellte im Übrigen mit ihrem Abschneiden auch einen neuen Rekord für den russischen paralympischen Wintersport auf. (Siehe auch https://ngdeutschland.de/russland-bejubelt-para-gold-fur-warwara-worontschichina/)
Russlands Wirtschaftsgiganten mit unguten Zahlen
Es vergeht im Grunde genommen keine Woche, in der aus der russischen Wirtschaft Zahlen gemeldet werden, die nicht gerade erfreuen. Am Sonntag wurden beispielsweise Förderergebnisse des Staatskonzerns GAZPROM bekannt. Laut einer Meldung der russischen Nachrichtenagentur Interfax habe der Konzern im vergangenen Jahr 405 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert, während es im Jahr zuvor 420,06 Milliarden Kubikmeter gewesen waren. Als Grund wurde das Wetter im Jahr 2025 genannt – ein relativ warmer und kurzer Winter. Im laufenden Jahr steigt aber die GAZPROM-Förderung, da der zu Ende gegangene Winter in vielen Landesteilen extreme Fröste bescherte.
Derweil kann das Magnitogorsker Metallurgie-Kombinat nicht auf die Witterungsbedingungen als Grund für die gegenwärtigen Probleme verweisen. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Drucks negativer Faktoren, die mit außenpolitischen Ereignissen zusammenhängen, des generellen Sanktionsdrucks und der allgemeinen Verlangsamung der Weltwirtschaft ist die Auslastung des Unternehmens auf rund 60 Prozent eingebrochen. Die Konsequenzen daraus – ein Personalabbau um zehn Prozent im Verwaltungsbereich, die Konservierung des Kohleschachts Tschertinskaja-Koksowaja, die Stilllegung von ungenutzten Produktionsaggregaten etc. Über dies informierte am Freitag der Generaldirektor des Konzerns, Pawel Schiljajew. Außerdem erklärte er: „Die Produktionskapazitäten der russischen Metallurgen übersteigen den Marktbedarf um das 2fache“. 2Die Metallurgie ist das empfindlichste „Barometer“ für die Wirtschaftssituation. Und heute ist die Lage der Branche eine sehr schwierige. Im vollen Maße hat dies auch das Magnitogorsker Metallurgie-Kombinat berührt“, musste der Topmanager eingestehen.
OSCAR für Pawel Talankin stieß in Russland auf Kritik
Die 98. Zeremonie zur Verleihung der OSCARs der Amerikanischen Filmakademie hatte in diesem Jahr in Russland besonderes Interesse ausgelöst. Auf zwei Shortlists waren russische Filme gesetzt worden. Der Trickfilm „Drei Schwestern“ von Konstantin Bronsit war in der Kategorie „Bester Kurztrickfilm“ nominiert worden. In der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ galt der Streifen „Mr. Nobody Against Putin“ von Pawel Talankin und David Borenstein als Topfavorit, was bereits vor der Zeremonie in Los Angeles heftige Kritik ausgelöst hatte. OSCAR-Gewinner Nikita Michalkow wetterte im russischen Staatsfernsehen über den Film, den er als antirussisch bezeichnete, und hatte dem einstigen Lehrer aus Karabasch (Verwaltungsgebiet Tscheljabinsk) empfohlen, dem Beispiel von Grigorij Rodtschenkow zu folgen. Der Whistleblower, der über Doping im russischen Hochleistungssport berichtet und letztlich damit eine erste Welle von Sanktionen gegen den russischen Sport ausgelöst hatte, unterzog sich einer Gesichtsoperation, um sein Aussehen zu verändern und damit für russische Verfolgen unsichtbar zu werden. Vorgeworfen wird dem frischgebackenen OSCAR-Gewinner ein Filmen von Kinder ohne Zustimmung deren Eltern und überhaupt ein Inszenieren von Szenen. Talankin, der nach Beginn der sogenannten militärischen Sonderoperation Russlands in der Ukraine im Februar 2022 begonnen hatte, Videoaufnahmen für den inzwischen mehrfach international gewürdigten Film zu sammeln, zeigt, wie sich die Propaganda in der Schule vor diesem bewaffneten Konflikt verstärkt. Offen bleibt angesichts dieser Auszeichnung, ob und wann ein Haftbefehl gegen den jungen Lehrer wegen Diskreditierung erlassen wird.