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Russlands Flugzeugbauer haben eine große Schachpartei begonnen


Die Präsentation eines leichten taktischen Flugzeugs kann man als die größte Sensation des Luft- und Raumfahrtsalons MAKS-2021 ansehen. Selbst ungeachtet dessen, dass zwei Tage vor Beginn der Veranstaltung Fotografien seines Äußeren, wie die Auffassung vertreten wird – zufällig, in Umlauf gekommen waren, worauf die Reaktion der Entwickler der Maschine folgte, die im Internet ein Video von der Präsentation des geheimen Jagdflugzeuges posteten. Die Charakteristika und das genaue Äußere des leichten taktischen Jets gibt es nicht preis, dafür gibt es klar zu verstehen, in wessen Interesse er geschaffen wird. Dem Video nach zu urteilen, sind dies die Vereinigten Arabischen Emirate, Indien, Vietnam, Myanmar und Argentinien.

Auf das Foto des leichten taktischen Flugzeugs unter einer Tarndecke, die die realen Umrisse der Maschine verbirgt, reagierend, hat man auch sofort begonnen, sie mit dem amerikanischen Jet F-35 Lightning II und dem chinesischen FC-31 zu vergleichen. Danach wurden noch einige Reklama-Schritte unternommen. Veröffentlicht wurden Fotos des Flugzeugs mit den englisch-sprachigen Slogans „Willst du mich unverhüllt sehen?“ und „Wir werden uns wiedersehen“. Auf einer Aufnahme ist eines der Details der Ausrüstungen des Jagdflugzeuges zu sehen – eine neue optoelektronische Station. Im Glas ihrer sechseckigen Halbkugel ist deutlich die Silhouette des britischen Zerstörers „Defender“ zu erkennen, der im vergangenen Monat schnurstracks auf die russische Grenze unweit der Krim zugefahren war. Dies soll belegen, dass die Maschine sowohl Luft- und Boden- als auch Seeziele bekämpfen kann. Verbreitet wurde auch ein Teaser mit verwischten Darstellungen des neuen Flugzeuges mit den Schach-Begriffen „Checkmate“ („Schachmatt“) und „Turn the Chessboard“ („Dreh das Schachbrett um“).

Die Strategie für die Vermarktung des neuen Produkts ist klar. Es ist eine Sensation geschaffen worden. Keiner hatte ein Flugzeug erwartet. Russland stellt schon seit mehreren Jahren das Jagdflugzeug der fünften Generation Su-57 in Dienst. Nach Aussagen des Chefs des Vereinigten Flugzeugbaukonzerns Jurij Sljusar soll das Verteidigungsministerium ab dem kommenden Jahr jeweils zwölf neue Jagdflugzeuge vom Typ Su-57 im Jahr erhalten.

„Es ist unsere Aufgabe, zusammen mit dem Konzern auf einen Stand von zwölf Maschinen im Jahr zu kommen. Insgesamt haben wir mit dem Verteidigungsministerium einen Vertrag über 76 solcher Maschinen unterzeichnet“, teilte er bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin mit.

Es ist keine einfache Aufgabe, den Plan zu erfüllen. Zumal da nun noch eine Neuentwicklung auf die Tagesordnung gekommen ist. Und überdies in der neuen leichten Klasse der Kampfmaschinen mit einem Triebwerk. Aus diesem Grunde kann man das neue Jagdflugzeug als eine potenzielle Ablösung für die MiG-29 und als „Totengräber“ des bis in die jüngste Vergangenheit aktiv vermarkteten MiG-35-Jets ansehen.

Dabei ist über die realen Charakteristika des Jets – mit Ausnahme dessen äußeren Form – nichts bekannt. Im Dezember vergangenen Jahres hatte der Leiter des Staatskonzerns „Rostech“ Sergej Tschemesow Journalisten mitgeteilt, dass das Unternehmen auf eigene Initiative hin die Konzeption für ein perspektivisches Flugzeug mit einem Triebwerk in der leichten und der mittleren entwickele. Nach seinen Worten könne dies eine universelle Plattform in einer bemannten und einer unbemannten Variante sein. Die Entwicklungsarbeiten würden ohne Haushaltsmittel erfolgen.

Wenn man sich von den Fotografien leiten lässt, so ist das leichte taktische Flugzeug dem F-35-Jet und noch mehr einer verkleinerten Version unseres Su-57-Flugzeuges ähnlich. Die Aerodynamik ist eine unumstößliche Sache. Und da ist es schwer, etwas zu schaffen, dass sich ernsthaft von den Spitzenentwicklungen unterscheidet.

Das leichte taktische Flugzeug „Checkmate“ ist eine auf den Export orientierte Maschine. Dies belegen der Videoclip mit ausländischen Piloten, die gekommen sind, um sich die Neuheit anzuschauen, und das Ausbleiben einer Reaktion des russischen Verteidigungsministeriums auf die Preisgabe von Informationen hinsichtlich des perspektivischen Jagdflugzeuges. MAKS ist zwar auch ein führender internationalen Luft- und Raumfahrtsalon, doch die Armee hat das Forum „Armee“, für das der Hauptauftraggeber für Waffen und Kampftechnik traditionell die interessantesten und perspektivreichsten Exponate auswählt. Der Jet „Checkmate“ wie auch die MiG-35 sind nicht unter die Zahl solcher geraten.

Allerdings macht dies die Neuheit nicht weniger interessant. Beispielsweise kann man schon jetzt vermuten, dass das Jagdflugzeug das Triebwerk AL-31FN, das bei den Exportvarianten des Su-30-Jagdfliegers eingesetzt wird, oder gar die moderneren AL-41F1-Triebwerke („Erzeugnis 117“) von den Su-57- und Su-35S-Kampfflugzeugen erhalten wird. In der zweiten Etappe werden die Su-57-Flugzeuge Triebwerke bereits der fünften Generation erhalten, die gegenwärtig als „Erzeugnis 30“ ausgewiesen werden. Die Verwendung jedes dieser Triebwerke wird das leichte taktische Flugzeug zu einer hochmanövrierfähigen Maschine machen, die in der Lage ist, Kunstflugfiguren auszuführen, die kein anderes Flugzeug wiederholen kann. Auf diesen Aspekt sind die Entwickler der Flugtechnik besonders stolz, wenn sie über die Vorzüge unserer Kampfflugzeuge sprechen.

Es kann angenommen werden, dass das leichte taktische Flugzeug auch neue Bordausrüstungen zumindest von der Su-35 oder der MiG-35 und vielleicht sogar von der Su-57 erhalten wird. Dies betrifft ebenfalls auch die perspektivreichen Waffenkomplexe. Schon jetzt glänzt neben dem „Checkmate“-Jet auf dem Foto die weitreichende Schiffsabwehrrakete Ch-59MK2 (NATO-Codename AS-13 Kingbolt).

Wenn man die Varianten für die mögliche Bauweise des neuen leichten Jagdflugzeugs aufzählt, muss betont werden, dass dies eine hochtechnologische Maschine sein wird. Anders wird sie nicht mit den amerikanischen und chinesischen Jagdflugzeugen konkurrieren können. Das Vorhandensein neuer perspektivreicher Triebwerke, Bordelektronik und Waffen macht sie nicht nur zu einer komplizierten, sondern auch teuren. Obwohl im Jahr 2019 der Chefkonstrukteur des A.-Ljulka-Versuchs- und Konstruktionsbüros Jewgenij Martschukow noch erzählt hatte, dass das „Erzeugnis 30“ nicht bloß ein neues Triebwerk sei. Es werde auch billiger als die vorangegangenen sein. Daher bleibt die Frage, ob Russland seinen Konkurrenten ein Schachmatt erklären wird, eine offene.