Unabhängige Zeitung

Private Tageszeitung

„Sarmat“ ist zu einer Antwort Russlands auf die Versuche einer Eskalation des Ukraine-Konflikts geworden


Russland hat einen erfolgreichen Start der neuesten interkontinentalen ballistischen Raketen „Sarmat“ vorgenommen, die nach Aussagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin die stärkste in der Welt sei. Die russische Armee habe auch andere Arten strategischer und operativ-strategischer Waffen, darunter auch mit einer nichtnuklearen Ladung, die garantiert die Sicherheit des Landes gewährleisten könnten, erklärte der Präsident. Somit habe Moskau etwas, womit es auf die Versuche Kiews und dessen europäischen Partner, die eine Eskalation des Ukraine-Konflikts zu erreichen suchen, antworten könne.

Russland führte einen erfolgreichen Teststart des Raketenkomplexes „Sarmat“ durch, teilte der Befehlshaber der strategischen Raketentruppen Sergej Karakajew Wladimir Putin mit. „Sarmat“ werde zur Ersetzung des Raketenkomplexes „Wojewode“ (deutsch: „Heerführer“) aus sowjetischer Produktion . Die Neuentwicklung übertreffe ihren Vorgänger hinsichtlich der Gefechtsmöglichkeiten, unterstrich der Chef der strategischen Raketentruppen. Und Putin erklärte, dass Ende dieses Jahres der „Sarmat“-Komplex in das System der Gefechtsbereitschaft integriert werde.

Derweil sind in der Zone der militärischen Sonderoperation die aktiven Kampfhandlungen wiederaufgenommen worden. Der überraschende Ukraine-Besuch von Deutschlands Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und die erzielten Vereinbarungen über die gemeinsame Herstellung weitreichender Drohnen und Raketen belegen, dass Kiew mit Unterstützung Europas darauf eingestellt ist, den Konflikt fortzusetzen (der im Februar 2022 begann und bereits das fünfte Jahr andauert – Anmerkung der Redaktion). Die Streitkräfte der Ukraine haben in der Nacht zum 12. Mai die weitreichenden Schläge gegen das Territorium der Russischen Föderation wiederaufgenommen. Laut Angaben des russischen Verteidigungsministeriums seien innerhalb von 24 Stunden 108 ukrainische Drohnen des Flugzeugtyps über Gebieten Zentralrusslands, des Südens und Wolga-Gebietes abgefangen und vernichtet worden. In der Nacht zum 13. Mai waren es laut russischen Angaben 286 Drohnen. Moskau reagierte symmetrisch und führte Schläge gegen Objekte der kritischen Infrastruktur in acht Verwaltungsgebieten der Ukraine.

In der Europäischen Union hat man gleichfalls die Bereitschaft Russlands, Verhandlungen mit Vertretern Europas über eine Beendigung des Konflikts zu beginnen, erörtert. Die Medien zitierten den CDU-Politiker und Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Gunther Krichbaum, der den Vorschlag von Wladimir Putin, wonach der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Namen der Europäischen Union zwecks Beilegung des Konflikts auftreten könnte, zurückwies. „Bekanntlich muss ein Makler beiden Seiten recht sein. In diesem Fall ist dies jedoch allem nach zu urteilen offenkundig nicht zu beobachten“, erklärte Krichbaum. Und die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte direkt, dass es bis zu direkten Verhandlungen mit dem Kreml noch weit sei. Die Europäische Union beabsichtige, Kiew mit Krediten für den Erwerb und die Herstellung von Waffen zu unterstützen. Die EU-Kommissarin für Erweiterung und Östliche Nachbarschaften Marta Kos teilte mit, dass bereits in der nächsten Woche der Ukraine die erste Tranche im Rahmen des Kreditpakets im Umfang von 90 Milliarden Euro überwiesen werden könne. „Dieses Geld wird erlauben, nicht nur die Ukraine, sondern auch Europa und die europäischen Werte zu verteidigen“, erklärte die slowenische Politikerin.

Deutschland wird die Ausbildung von Militärs der ukrainischen Streitkräfte fortsetzen. Berlin wird über zehn Millionen Euro für die Schaffung von militärischen Ausbildungszentren in der Ukraine bereitstellen. Nach Aussagen von Pistorius würden die Mittel für die Finanzierung der Infrastruktur von Ausbildungseinrichtungen eingesetzt werden, die „eine hohe Gefechtsbereitschaft der ukrainischen Armee – selbst nach dem möglichen Abschluss eines Friedensabkommens – gewährleisten“. Er erklärte, dass sich die Bundesrepublik Deutschland und die Ukraine mit einer Erweiterung der Herstellung von Drohnen unterschiedlicher Reichweiten – mit einem Einsatzradius von mindestens 100 bis 1500 Kilometern – befassen würden, wobei er betonte, dass „sie bei einer massenhaften Entfaltung erfolgreich die Luftverteidigung des Gegners überwinden und somit diese überlasten können“. Welche Drohnen und möglicherweise auch Raketen konkret gemeinsam Kiew und Berlin herstellen werden, wurde offiziell nicht gesagt.

Wie Experten betonen, könne die Ukraine möglicherweise bereits eigene Raketen vom Typ Taurus besitzen. Diese Art von Waffen hatte Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Amtsantritt bereits vor einem Jahr versprochen, an die Ukraine zu liefern. „Wenn wir von den Taurus-Raketen sprechen, so haben wir natürlich schon Raketen, die über eine ähnliche und gar größere Distanz arbeiten“, teilte der ukrainische Verteidigungsminister Michail Fjodorow (er ist im Übrigen erst 35 Jahre alt – Anmerkung der Redaktion) mit. „Aber solche Vernichtungsmittel können nie wenige sein“. Nach Aussagen des Ministers erhalte die Ukraine derzeit eine „bestimmte Unabhängigkeit“ in dieser Richtung: „Wir alle sehen die Schläge gegen die Russische Föderation mit einer Reichweite von 1500 Kilometern. Und daher erledigt die Ukraine ihre Hausarbeit gut“.

„Die deutsch-schwedische hochpräzise Flügelraketen Taurus ist eine sehr teure Waffe. Ihr Preis beträgt rund eine Million Dollar“, erzählte der „NG“ der Militärexperte und Generalleutnant im Ruhestand Jurij Netkatschjow. „Sie ist in der Lage, über eine Entfernung von mehr als 500 Kilometern zu fliegen, wobei sie eine Gefechtsmasse von rund einer halben Tonne besitzt. Dabei ist es sehr schwer, sie auszumachen, da die Flughöhe ganze 30 Meter ausmacht (lt. deutschen Quellen fliegt diese Rakete unterhalb einer Höhe von 50 Metern, oft sogar in Höhen um 35 bis 40 Meter über dem Boden – Anmerkung der Redaktion). Gerade mit dieser Waffe wollten ukrainische Militärs die Krim-Brücke attackieren. Und Bundeswehr-Offiziere diskutierten im Februar 2024 in einem geheimen Format, wie man diese Raketen in die Ukraine liefern könne“. Jetzt werden die Ukraine und die BRD möglicherweise solche Waffen gemeinsam herstellen. Und dies bedrohe die Sicherheit der Russischen Föderation, meint der Experte.

Netkatschjow lenkte die Aufmerksamkeit darauf, dass laut Angaben des Blattes „The New York Times“ Kiew jetzt bereits nicht so stark im Rüstungsbereich von den USA dank den Anstrengungen zur Entwicklung einer eigenen Rüstungsproduktion abhänge. Auérdem habe Kiew begonnen, aktiver nach einer Unterstützung an anderen Orten zu suchen, betonte die Zeitung. „Dies bedeutet aber nicht, dass keine amerikanischen Waffen in die Ukraine gelangen“, sagte Netkatschjow. Er erinnerte daran, dass im Juli vergangenen Jahres Kiew beispielsweise ein Abkommen mit dem amerikanischen Unternehmen Swift Beat LLC, das die Hornet-Drohnen herstellt, unterzeichnet hätte. Diese Drohnen nutzen ein satellitengestütztes Navigationssystem per Starlink-Terminals und können mithilfe künstlicher Intelligenz gesteuert werden. Die Drohne sei gegenüber Systemen der funkelektronischen Abwehr stabil. Ihre Reichweite geht bis zu 150 Kilometer. Die Nutzlast leigt bei rund fünf Kilogramm. Gegenwärtig stellen die Hornet-Drohnen eine erhebliche Gefahr in den Hinterlandgebieten der Truppen der Russischen Föderation dar, besonders in den Bereichen der Anlieferung von Munition und anderen Materialien, aber auch an den Trassen, die über das Territorium des Donbass zur Krim verlaufen.

Man kann die Hornet-Drohnen, die man in den Truppen bereits als „Marsianer-2“ getauft hat, bekämpfen“, betonte Netkatschjow. „Sagen wir einmal durch die Schaffung von Netzkorridoren an Abschnitten der Routen in den Hinterlandzonen. Effektiv können gegen sie gleichfalls Abfangdrohnen sein. Es muss nicht nur an der Frontlinie sehr viele solcher Drohnen geben, sondern auch in den Hinterland-Einheiten, die das Funktionieren der wichtigen Trassen gewährleisten“.

P. S.

Russlands Präsident berichtete am Dienstag auch über einige Details der „Sarmat“-Raketen. Nach seinen Worten würde die Gesamtstärke des Gefechtskopfes um mehr als das 4fache die Stärke jeglicher existierenden westlichen analogen Waffe übertreffen. „Zweitens, und dies ist das Wichtigste: Die Rakete kann sich nicht nur entsprechend einer ballistischen, sondern auch entsprechend einer suborbitalen Flugbahn bewegen, was, drittens, erlaubt, eine Einsatzweite von über 35.000 Kilometern mit gleichzeitig um das 2fache verbesserten Eigenschaften hinsichtlich der Genauigkeit und letztlich mit der Möglichkeit einer Überwindung aller existierend und künftigen Raketenabwehrsysteme zu gewährleisten“, sagte Putin. Und er betonte, dass die Arbeiten für die „Sarmat“-Raketen im Jahr 2011 begonnen hätten. Im Jahr 2018 wurden diese Arbeiten und Vorzüge der neuen Raketensysteme öffentlich bekanntgegeben.