Alan Gaglojew hat das Amt des Präsidenten Südossetiens verlassen, um Berater von Russlands Präsident Wladimir Putin zu werden. Das russische Staatsoberhaupt habe ihm solch einen Vorschlag unterbreitet, präzisierte Gaglojew. Vorgezogene Wahlen des südossetischen Präsidenten werden nicht später als am 21. September erfolgen und könnten den Startschuss zum Beitritt Zchinwalis in den Bestand Russlands geben, schließen Beobachter nicht aus. Dabei ignorieren Georgiens Offiziellen die personellen Umbesetzungen in Südossetien.
„Meine lieben Mitbürger, unsere Vorfahren hatten ihre historische Wahl getroffen, zusammen mit Russland zu sein. Und Ossetien stand stets, in allen schwierigen und historischen Umbruchmomenten zu seinem Wort, war ein zuverlässiger Freund Russlands. Heute ist es unsere Aufgabe, es so zu tun, damit unser sehnlichster Traum wahr wird – das Schicksal eines getrennten Volkes zu überwinden und sich mit Nordossetien wieder zu vereinen, sich mit dem großen Russland wieder zu vereinen“, erklärte der 45jährige Gaglojew in seiner Abschiedsansprache an die Landsleute.
Dabei erinnerte er daran, dass er am 9. Mai 2026 mit Wladimir Putin einen Vertrag über die Vertiefung der Bündniszusammenarbeit unterschrieben hatte. Nach Aussagen Gaglojews sei dieses Dokument ein entschlossener Schritt für eine Vereinigung Südossetiens mit Russland. Nachdem er Berater Putins geworden ist, wird er dies auf jegliche Weise unterstützen.
Es sei daran erinnert, dass der Vertrag eine Basis für die Formierung eines gemeinsamen Wirtschafts- und Investitionsraums sowie für eine Synchronisierung der Außen- und Verteidigungspolitik der beiden Staaten schafft. Den russischen Standards angepasst wird gleichfalls die südossetische Gesetzgebung auf dem Gebiet der Arbeit, Rentenversorgung und des sozialen Schutzes. Außerdem ist es für die Bürger Russlands und Südossetiens mit der Vertiefung der Bündniszusammenarbeit möglich geworden, staatliche und munizipale Ämter in den beiden Ländern zu bekleiden.
Letzterer Umstand ist für Zchinwali besonders wichtig, da zum amtierenden Republikspräsidenten der 61jährige russische Staatsbürger Marat Kambolow geworden ist, der am 27. Mai das Amt eines Beraters des Präsidenten Südossetiens erhalten hatte und am 16. Juni zum Premierminister ernannt worden war (was für ein rasanter Karrieresprung – Anmerkung der Redaktion). Bis zum Auftauchen in der kleinen Republik war er ein hochrangiger russischer Staatsbeamter gewesen. Unter anderem war er von 2010 bis 2014 stellvertretender Minister für Bildung und Wissenschaft, und von 2021 bis in diesem Jahr leitete er das in Moskau ansässige Kurtschatow-Institut. Außerdem ist Kambolow Kavalier der Orden „Für Verdienste vor dem Vaterland“ IV., III. und II. Ranges und des Freundschaftsordens.
Am gleichen Tag traf sich Kambolow mit Russlands Minister für Wirtschaftsentwicklung Maxim Reschetnikow. Sie erörterten die sozial-ökonomische Entwicklung Südossetiens (die in erheblichem Maße von russischen Finanzen abhängt – Anmerkung der Redaktion).
Bemerkenswert ist, dass Georgiens Außenministerium die personellen Umbesetzungen in Zchinwali im öffentlichen Raum ignorierte, obgleich man sich in Tbilissi sicher ist, dass dies ihr souveränes Territorium sei. Dafür reagierte auf die Ereignisse in Südossetien die georgische Opposition, die in den Handlungen Moskaus Anzeichen für eine „vollständige und endgültige Annexion“ ausmachte.
„Die heute aus dem Kreml erklungenen Erklärungen lösen tiefe Besorgnis aus und verlangen eine unverzügliche Antwort seitens Georgiens. All diese Zeit hatte natürlich aber das georgische Außenministerium volles Schweigen bewahrt, das nur dann auftaucht, wenn man verhaftet und irgendeinen europäischen Botschafter zurechtweist“, erklärte Grigol Gegelia, einer der Führer der Bewegung „Lelo – Starkes Georgien“.
Der Kaukasus-Experte Artur Atajew schloss nicht aus, dass es wirklich um Schritte in Richtung einer Vereinigung beider Länder gehen könne.
„Der Traum des südossetischen Volkes, der im Verlauf von referenden verankert wurde, kann einen gewissen Start erhalten. Faktisch ist ein russischer Staatsbeamter zum amtierenden Präsidenten geworden. Dies ist ein Zeichen setzendes Ereignis, dass die Integrationsprozesse verstärkt und die seit langem bekannte Wahrheit bestätigt: Russland und Südossetien sind ein wirtschaftlicher und soziokultureller Raum. Möglicherweise wird es zur Aufgabe von Kambolow, der Annäherung der beiden Länder einen neuen Impuls zu verleihen inklusive der Realisierung der Beschlüsse der Regierungskommission. Dennoch hatte Moskau früher Fragen zur Ausgabe jener finanziellen Ressourcen gehabt, die es Zchinwali bereitgestellt hatte“, erzählte Atajew der „NG“.
Allerdings erklärte der Pressesekretär des russischen Präsidenten Dmitrij Peskow gegenüber Journalisten, dass die personellen Veränderungen in Südossetien nicht erlauben würden, von der Perspektive eines Verlusts ihrer Souveränität durch die Republik zu sprechen. Der Leiter des Sektors Kaukasus Je.-M.-Primakow-Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften Wadim Muchanow sieht auch keine Grundlagen für solch ernsthafte Prognosen.
„Gaglojew war nie ein politisches Schwergewicht. Bis zum Jahr 2022 hatte überhaupt keiner um ihn gewusst. Gaglojew konnte bei den Präsidentschaftswahlen nur dank dem siegen, dass die Wähler durch den damals amtierenden Staatschef Anatolij Bibilow müde geworden waren. Übrigens, Bibilow hatte versucht, die Integrationskarte auszuspielen, doch damals hatte Moskau zu verstehen gegeben, dass es eine ruhigere Richtung für eine Zusammenarbeit auswähle. Dabei hat sich Gaglojew während seiner Amtszeit als eine Kompromissfigur erwiesen. Große Erfolgew vermochte er aber nicht zu erreichen. Dennoch bildeten sich mit ihm gute Beziehungen mit Moskau heraus. Und es hat ihm geholfen, ruhig abzutreten. Was Kambolow angeht, so bezeichnet man ihn fälschlicherweise als einen Nachfolger oder eine Figur Russlands. Im September werden vorgezogene Präsidentschaftswahlen erfolgen, bei denen die Wähler entscheiden werden, wer die Republik regieren wird. Kambolow wurde zum Interimspräsidenten, da er bis dahin das Amt des Premierministers bekleidete“, erklärte Muchanow.