Ohne Erfolge an der Front zu haben, setzen die Streitkräfte der Ukraine auf Drohnen-Attacken gegen zivile Objekte in der Tiefe der Russischen Föderation. Russland antwortet mit großangelegten Schlägen gegen ukrainische militärische und kritisch wichtige Ziele. Dabei ist es recht wahrscheinlich, dass britische Jagdflugzeuge, die vom Territorium Rumäniens aus gestartet waren, halfen, die jüngsten Schläge russischer Drohnen gegen die ukrainische Hafen-Infrastruktur an der Donau abzuwehren. Und am Vorabend tauchte im Internet ein Video mit einem Auftritt des früheren Generalstabschefs der Streitkräfte der Russischen Föderation, des Generalinspekteurs des russischen Verteidigungsministeriums, von Armeegeneral Jurij Balujewskij, auf, der zu entschiedeneren Handlungen an der Front aufruft.
In der Nacht zum 26. April hatten die Streitkräfte der Ukraine 203 Drohnen eingesetzt. Ein Drittel von ihnen wurde über Sewastopol abgeschossen, wo sich der wichtigste Marinestützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte befindet. Am Tag des 26. April waren die Massen-Attacken von Drohnen gegen das Territorium der Russischen Föderation fortgesetzt worden. Insgesamt seien 530 Drohnen des Flugzeugtyps abgeschossen worden. Gemeldet wurden eine Beschädigung von über 40 Mehrfamilienhäusern und privater Häuser sowie Zugverspätungen in Sewastopol. Drohnen erreichten auch Wologda, wobei eine Schwefelsäure-Pipeline beschädigt wurde. Und in der Nacht zum Sonntag wurden gar Drohnen über der Hauptstadt des Urals – über Jekaterinburg – abgefangen. Der Vertreter des russischen Präsidenten im Föderalen Bezirk Ural, Artjom Schoga, erklärte offiziell, dass sich jetzt die Region auch im Bereich der Reichweite von Attacken ukrainischer Drohnen befinde. Es sei angemerkt, dass dies vor einem Monat bereits auch der Sekretär des Sicherheitsrates Russlands Sergej Schoigu gesagt hatte. (In der Nacht zum 27. April wurden drei Drohnen durch russische Luftverteidigungskräfte vernichtet, im Verlauf des gestrigen Tages seien 30 ukrainische Drohnen über dem russischen Territorium abgeschossen worden. Und in der Nacht zum 28. April seien 186 Drohnen der ukrainische Streitkräfte vernichtet worden, meldete das Verteidigungsministerium in Moskau in den Morgenstunden. — Anmerkung der Redaktion).
Als Antwort auf solche Handlungen der Streitkräfte der Ukraine führten Einheiten der Armee der Russischen Föderation in der folgenden Nacht einen kombinierten Antwortschlag gleich gegen neun Verwaltungsgebiete der Ukraine. Laut Kiewer Angaben seien 47 Raketen und 619 Drohnen fixiert worden (die bisher stärkste derartige russische Angriffsoperation seit Beginn des Jahres – Anmerkung der Redaktion). Der Hauptschlag erfolgte gegen Dnepropetrowsk, wo eine Erdölbasis, ein Erdöl-Tanklager und das Territorium des Kombinats „Juschmasch“, eines der Hautunternehmen für die Herstellung ballistischer Raketen zu Zeiten der UdSSR, getroffen wurden. Attackiert wurden Odessa und Ismail an der Donau, unmittelbar an der Grenze zu Rumänien. Vor diesem Hintergrund warf Rumäniens Verteidigungsministerium Russland Verantwortungslosigkeit vor, da Drohnen-Trümmerteile angeblich auf rumänisches Territorium, im Bereich der Stadt Galaţi, gefallen seien. Dabei erklärte das Verteidigungsministerium Rumäniens, dass erstmals britische Jagdflugzeuge die Genehmigung erhalten hätten, russische Drohnen über der Ukraine abzuschießen. Jedoch hat das Verteidigungsministerium Großbritanniens diese Meldungen dementiert.
„Wir haben es hier mit einer sehr besorgniserregenden Tendenz zu tun“, sagte der Militärexperte und Oberst im Ruhestand Wladimir Popow gegenüber der „NG“. „Jetzt übernehmen Länder der NATO die Kontrolle über den Luftraum der Ukraine“. Er betonte, dass laut objektiven Daten und Medienberichten jetzt wie auch früher die ukrainischen Streitkräfte bei ihren weitreichenden Attacken ukrainisch-britische Kamikaze-Drohnen des Typs FP-1 und FP-2, aber auch in Polen hergestellte Drohnen des Typs AN-196 „Fierce“ (deutsch: „wütend“) eingesetzt hatten. Russlands Verteidigungsministerium habe bereits jüngst derartige Handlungen bewertet und erklärt, dass der Einsatz von Europa hergestellter angeblich ukrainischer Drohnen zu unvorhersehbaren Folgen und zu einer gefährlichen Internationalisierung des Konflikts führe.
Derweil haben am Vorabend Medien Episoden eines dieser Tage erfolgten Auftritts des Generalinspekteurs des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation Jurij Balujewskij in der Öffentlichen Kammer veröffentlicht, der mehrere scharfe Erklärungen hinsichtlich des Verlaufs der militärischen Sonderoperation Russlands in der Ukraine abgegeben hatte. In dem mehr als eine Stunde andauernden Auftritt tangierte er wichtige Themen des Militärs in der Russischen Föderation. Und Medien und soziale Netzwerke verbreiteten rhetorische Fragen, die der dem Publikum gestellt hatte. Im Saal waren Offiziere, Offiziersschüler und Hörer von Militärakademien sowie Vertreter staatlicher Organe und Veteranenorganisationen gewesen.
„Russland hat als erstes (Land) die Überschalltechnik beherrscht. An allen Ecken hatten wir gesagt: „Wir haben Waffen, die nicht ein einziges Land hat und wohl kaum bald haben wird“. Doch dadurch hat sich die Gefahr für unser Land nicht verringert. Wir sprachen von „roten Linien“. Nun, wie rot sind denn diese Linie und was haben wir davon?“, fragte Balujewskij. Er bat, dass sich die im Saal anwesenden Offiziere – Teilnehmer der militärischen Sonderoperation – von ihren Plätzen erheben. „Ich weiß nicht, was Sie für ein Gefühl hatten, als eine ukrainische Drohne die Kuppel des Gebäudes traf, in der sich der Oberste Befehlshaber – der Präsident der Russischen Föderation – befindet? (Wladimir Putin hatte sich in der fraglichen Nacht zum 3. Mai 2023 überhaupt nicht im Kreml befunden. — Anmerkung der Redaktion) Ich rede schon gar nicht davon, dass es diese Drohnen auf unsere Flugzeuge für eine funkelektronische Fernerkundung abgesehen hatten, dass diese Drohnen Schläge gegen unsere Objekte führten. Ich habe das alles erwartet. Doch wann, wann werden wir anfangen, richtig zu kämpfen?“, fragte Balujewskij. Nach seinen Worten würden die „Partner im Westen“ erklären: „Das Jahr 2027 werdet ihr vielleicht noch überleben, doch im Jahr 2028 werden wir bestimmt gegen euch losziehen“. „Doch was sollen wir in dieser Situation unternehmen? Noch mehrere Jahre die militärische Sonderoperation, bis zu einem Aushungern durchführen? Wen werden wir weiter mit einem Aushungern peinigen, ganz Europa, die ganze NATO und die sich ihnen angeschlossenen – Japan und weitere unterschiedliche jeglicher Art? Und wir selbst, was werden wir tun?“, stellte der 79jährige Balujewskij seine nächste Frage, dessen Besorgnis über den Verlauf der militärischen Sonderoperation offensichtlich war.
„Für die Lösung dieses Problems gibt es augenscheinlich sowohl militärische als auch diplomatische Methoden“, meint Popow. „Und deren Umsetzung muss scheinbar zum Hauptziel nicht nur der Macht-, sondern auch der gesellschaftlichen Strukturen, die dem Verteidigungsministerium nahestehen, werden“.