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Ukrainische „Neptun“-Raketen nehmen Territorium Russlands ins Visier


An den Seegrenzen der Russischen Föderation sind die zweiten gemeinsamen Manöver von NATO-Seestreitkräften und der ukrainischen Marine in diesem Jahr beendet worden. Es handelte sich dabei um eine Fortsetzung der am 6. März vor der Küste Rumäniens begonnenen Manöver Poseidon 2021. Die Seeleute trainierten, U-Boote des „angenommenen Gegners“, das heißt der Russischen Föderation zu bekämpfen. Und für die Vernichtung der Infrastruktur und von Schiffen vom Ufer aus sind durch Kiew mobile Gefechtsanlage mit den Anti-Schiffsraketen RK-360MTs „Neptun“ in die Truppen gebracht worden.

„Dank der gemeinsamen Arbeit des Verteidigungsministeriums und einheimischer Unternehmen ist es gelungen, Waffen der neuen Generation herzustellen, was das Zügelungspotenzial und den Einfluss der Ukraine auf See erhöhen wird“, erklärte Verteidigungsminister Andrej Taran bei der Zeremonie zur Übergabe der neuen Waffen an die 65. Sonder-Küstenraketendivision. Er sagte gleichfalls: „Unsere Hausaufgabe ist, die „Neptun“-Raketen, die Raketen- und Patrouillenschiffe sowie Korvetten zu einem geschlossenen Verteidigungssystem zusammenzuführen, das dem Gegner eine Abfuhr vom Meer aus erteilen kann“.

Und der Befehlshaber der Seestreitkräfte der Ukraine Alexej Nejishpapa teilte jüngst mit, dass die ukrainische Flotte in der nächsten Zeit bereits über drei solcher Divisionen mit einem Küstenkomplex von „Neptun“-Flügelraketen verfügen werde, die man an der Küste des Schwarzen und des Asowschen Meeres stationieren werde. Und seiner Erklärung nach zu urteilen, sei schon bald geplant, „eine der Batterien des „Neptun“-Komplexes in das System der ständigen Gefechtsbereitschaft zu integrieren“.

Die auf der Basis der sowjetischen Raketen Ch-35 (SS-N-25 Switchblade lt. NATO-Code – Anmerkung der Redaktion) entwickelte ukrainische Anti-Schiffsrakete „Neptun“ ist in der Lage, Ziele in einer Entfernung von bis zu 300 Kilometern zu treffen. Kritiker dieser Waffe behaupten, dass die Raketen eine relative geringe Geschwindigkeit hätten (etwa 1000 Kilometer in der Stunde), was die Wahrscheinlichkeit ihrer Vernichtung durch russische Raketenabwehrsysteme erhöhe. Den vorgestellten taktisch-technischen Daten nach zu urteilen, sind jedoch die „Neptun“-Raketen in der Lage, sich an das jeweilige vorhandene Relief anzupassen, und sind schwer zu orten, da sie nur wenige Meter über der Meeresoberfläche fliegen können. Sie können nicht nur See-, sondern auch Bodenziele vernichten. Überdies sind die Komplexe mit den Anti-Schiffsraketen RK-360MTs „Neptun“ mobil. Daher wird es schwierig sein, operativ exakt ihren Standort und Start auszumachen.

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Anlagen RK-360MTs „Neptun“ aus dem Bestand der 65. Sonder-Küstenraketendivision in erster Linie an der Westküste des Asowschen Meeres konzentriert werden, von wo aus es bis zur Krim nur wenige dutzend Kilometer sind“, erklärte gegenüber der „NG“ Generalleutnant Jurij Netkatschjow, der seinerzeit eine russische allgemeine Armee befehligte. „Diese Entfernung können die von der Asow-Küste gestarteten „Neptun“-Raketen in nur ganzen fünf, sechs Minuten überwinden. Bis zur Krim-Brücke und anderen strategischen Objekten auf dem Territorium der Verwaltungsregion Krasnodar fliegen sie nur ganze 20-25 Minuten. Und bis zu den Zielen auf dem Territorium des Donbass  — innerhalb von ganzen zwei, drei Minuten“, betont er.

Nach Meinung des Experten könne in der dieser Tage vom Rat für nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine veröffentlichten Strategie zur „De-Okkupation“ der Halbinsel das Szenario solch eines Einsatzes von Anti-Schiffsraketen festgeschrieben worden sein. Nicht auszuschließen sei auch deren Einsatz bei einer Operation im Südosten des Landes, da in Kiew mehrfach die Aufrufe laut geworden waren, „mit den Separatisten-Republiken des Donbass Schluss zu machen“, meint Netkatschjow.

Der ukrainische Militärexperte und Kapitän 1. Ranges der Reserve Andrej Ryshenko nimmt an, dass außer den „Neptun“-Raketen für die Abwehr militärischer Bedrohungen seitens des „wahrscheinlichen Gegners“ auf See die „Moskito-Flotte“ bestimmt sei, die die Ukraine gegenwärtig schaffe. Die Gruppierung, die vor allem aus Raketen-, Antidiversions- und Anlandungsschnellbooten für einen küstennahen Einsatz und eventuell aus kleinen Korvetten, die als Militärhilfe durch NATO-Länder geliefert werden (vor allem durch die USA, Großbritannien und Frankreich), bestehen soll, werde auch zur Hauptkraft der ukrainischen Seestreitkräfte werden.

Solch einer Meinung kann man vertrauen. Andrej Ryshenko diente seinerzeit im Stab der ukrainischen Seestreitkräfte und war Berater des Verteidigungsministers der Ukraine. Er ist sich sicher, dass Kiew in der Lage sei, eine effektive militärische Antwort der russischen Armee zu geben. In der Region des Asowschen und des Schwarzen Meeres könnten die Streitkräfte der Ukraine hinsichtlich der Schwarzmeerflotte seines Erachtens „asymmetrisch“ handeln und würden Schlupflöcher suchen, die erlauben würden, „dem Gegner einen Schlag zu versetzen, wenn eine Bedrohung von seiner Seite aus entsteht“. Zu diesem Zweck schafft Kiew neben der „Moskito-Flotte“ in Berdjansk und Otschakow mit Unterstützung der Vereinigten Staaten und Großbritanniens Marinestützpunkte. Und gerade im Raum dieser Stützpunkte werden Divisionen mit den Anti-Schiffsraketen „Neptun“ disloziert werden.

Somit wird sich in der nächsten Zeit eine qualitative Verstärkung der ukrainischen Flotte in der Region des Asowschen und des Schwarzen Meeres vollziehen. Dabei wird dieses gesamte militärische Potenzial gegen Russland auf der Krim und gegen die nichtanerkannten Donbass-Republiken ausgerichtet werden.